Der Inbegriff des Badeners wird 90

Karlsruhe (BT) – Robert Mürb ist der Inbegriff des Badeners, im Mai wird er 90. Den Vorsitz bei der Landesvereinigung Baden gibt er nun ab. Zurzeit ärgert er sich über die 70-Jahr-Feier in Schwaben.

Robert Mürb, Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa: „Ob die Württemberger alleine feiern wollten, damit es keine Misstöne gibt?“  Foto: Uli Deck/dpa

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Robert Mürb, Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa: „Ob die Württemberger alleine feiern wollten, damit es keine Misstöne gibt?“ Foto: Uli Deck/dpa

90 Jahre alt wird er im Mai. Das sei der passende Anlass, um sein zeitraubendes Ehrenamt abzugeben, dachte sich Robert Mürb. Er gilt als Inbegriff des Badeners, als leidenschaftlicher Streiter gegen die Dominanz Stuttgarts. An diesem Donnerstag gibt der Wahl-Karlsruher seinen Vorsitz bei der Landesvereinigung Baden in Europa an den jüngeren Peter Köhler ab. Aber kann er sich nun zufrieden zurücklehnen? Ist seine Mission nach 25 Jahren als Chef-Badener erfüllt?

Da ruft Mürb entschieden: „Nein!“ Den Beweis dafür hat ihm gerade die Landtagsspitze geliefert: Die feiert am 27. April in Stuttgart mit dem Schwäbischen Heimatbund den 70. Geburtstag des Landes Baden-Württemberg. „Aber der Landesverein Badische Heimat wurde nicht angesprochen“, betont Mürb. „Wir sind empört darüber.“

Kopfschüttelnd zeigt er auf den Ausdruck des Festprogramms: Das Katholische Bildungswerk Stuttgart ist dabei, das Deutsch-Türkische Forum, der Landesjugendring. Landtagspräsidentin Muhterem Aras wird bei der Veranstaltung im evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof sprechen. Der Landtag und die Landeszentrale für politische Bildung treten als Mitveranstalter auf. Aber keine einzige badische Gruppe wurde eingebunden. „Ich bin sehr erschüttert über diese Nicht-Einladung“, sagt Mürb. „Ich hätte das heute nicht mehr für möglich gehalten.“ Er verweist auf all die Diskussionen und Annäherungen, die es zwischen seinem badischen Verein und den Landespolitikern gab. Mürb hat einen Verdacht, warum die Badener übergangen wurden. „Ob die Württemberger alleine feiern wollten, damit es keine Misstöne gibt?“, fragt er rhetorisch.

Mürb: „Die denken nur an sich“

Die Stuttgarter hätten vermutlich kritische Anmerkungen gefürchtet, da die Badener sich vor 70 Jahren mehrheitlich in die Länder-Ehe gedrängt fühlten – und heute noch über Benachteiligungen klagen. Trotzdem: „Das ist ja so, als würde man den Hochzeitstag ohne den Ehepartner feiern“, meint Mürb – und fügt hinzu: „Die feiern nicht 70 Jahre Baden-Württemberg – die feiern nur Württemberg. Die denken nur an sich.“

Unter dem Motto: „Wer wir sind! Wer sind wir?“ ist die Stuttgarter Veranstaltung angekündigt. Die Organisatoren wollen „gleichermaßen zurückblicken und den Blick nach vorne richten“, kündigen sie an: „Im Zentrum stehen dabei Fragen nach dem Standort Baden-Württemberg, nach Bildung, Bildungsgerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit, nach Identität, Diversität und Pluralismus.“ Beim Schwäbischen Heimatbund waren keinerlei „landsmannschaftliche Aversionen“ gegen die Badener im Spiel, beteuert Geschäftsführer Bernd Langner gegenüber unserer Zeitung. Ganz „entspannt“ sei die Veranstaltung geplant worden – als Fortsetzung eines schwäbischen Heimatkongresses von 2020. Dann sei das Landesparlament auf den Heimatbund zugekommen, weil die Veranstaltung zum Landesjubiläum passe. „Hier hat sich der Landtag als Mitveranstalter eingeschaltet“, betont Langner. „Wir haben auch keine Einladungen verschickt.“

Stuttgart plant Jubiläumsveranstaltung im Parlament

Bettina Schreitmüller, stellvertretende Sprecherin des Landtags, weist jegliche Vorwürfe zurück: „Die geäußerte Kritik der Badener-Vereinigung ist aus unserer Sicht nicht berechtigt“, erklärt sie auf Anfrage. Die Veranstaltung am 27. April stehe „nur in mittelbarem Bezug zum Landesjubiläum und ist in dem Sinne keine Jubiläumsveranstaltung“. Im Vordergrund stünden ja andere Fragen wie Standort und Diversität. Zugleich verweist sie auf eine Jubiläumsveranstaltung, die am 4. Mai im Parlament geplant sei: „Am Podium beteiligt sind Personen aus beiden Landesteilen, etwa Bülent Ceylan (Comedian aus Mannheim), die in Heidelberg geborene Kunstturnerin Elisabeth Seitz, der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup und Emily Sara Adams, Preisträgerin Europa-Rede 2021 (Bietigheim-Bissingen).“

Auf die Diversität der baden-württembergischen Regionen weisen Mürb und seine Mitstreiter auf ihre Weise unermüdlich hin. Sie pochen darauf, dass Geld gerecht verteilt wird – an das Hohenloher Land genauso wie an den Raum Karlsruhe oder die Bodenseeregion. Seit der Gründung 1992 prangert die Landesvereinigung den „Stuttgarter Zentralismus“ an.

Dass ihn manche in der Landeshauptstadt für einen Schwabenhasser halten, weist Mürb als großen Irrtum zurück. „Ich bin kein Schwabenhasser. Das wäre ja Blödsinn.“ Ihm gehe es allein um Gerechtigkeit. Für Mürb bleibt diese letzte Aufregung in seiner Amtszeit eine vielsagende Enttäuschung: „Die Landespolitik hat es nicht verstanden, wirklich eine Einheit zu schaffen.“ Wer ihn heute reden hört, kann sich kaum vorstellen, dass der junge Robert Mürb vor 70 Jahren überhaupt keine Einwände gegen die Fusion zum Südweststaat hatte. „Ich war für Europa begeistert“, erzählt der 89-Jährige. „Und ich war überzeugt davon, dass größere Einheiten im europäischen Konzert besser wären, ja dass noch größere Bundesländer gegründet würden.“

Ihr Autor

Elvira Weisenburger

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Erstellt:
6. April 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 11sec

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