„Der Ironman wird im Winter gemacht“

Bietigheim (waa) – Kai Schröder ist Triathlet – und hat sich für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert.

Kai Schröder beim Zieleinlauf des Ironman Lake Placid 2021 im Bundesstaat New York. Fotos: Privat

Kai Schröder beim Zieleinlauf des Ironman Lake Placid 2021 im Bundesstaat New York. Fotos: Privat

In der Wohnung des Bietigheimer Triathleten Kai Schröder hängen sie – die vielen Medaillen und Bilder seiner sportlichen Erfolge. Im Juli dieses Jahres qualifizierte sich der 45-Jährige beim Ironman Lake Placid im Bundesstaat New York zur Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Ein absoluter Höhepunkt für den Triathleten. Selbst wenn er mal nicht an Wettkämpfen teilnimmt, stellt er sich immer neuen Herausforderungen.
Sport habe er schon immer gern getrieben, meint Kai Schröder zu Beginn des Gesprächs mit dem BT. Mit dem Triathlon angefangen habe er – wie viele andere auch – aber erst relativ spät. Mit 30 Jahren nahm er 2006 an seinem ersten Wettkampf teil, damals noch im Kleinformat. Mittlerweile packt er regelmäßig die Ironman-Distanz. In Zahlen bedeutet das 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Fahrradfahren und 42 Kilometer Laufen. 14 Mal hat er diese Langdistanz bereits geschafft, weitere zehn Mal hat er die halbe Ironman-Distanz bezwungen.

Mit der Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft wurde für den Triathleten der SG Stern Gaggenau in diesem Jahr dann ein echter Traum wahr. Nach all der Anstrengung seien nach Überqueren der Ziellinie auch ein paar Tränen geflossen, gesteht Schröder.

Der ursprünglich für den 9. Oktober 2021 auf Hawaii geplante Wettkampf wurde aufgrund der Pandemie zwar auf 2022 verlegt und findet nun im Mai erstmals nicht auf der Pazifikinsel, sondern in St. George (Utah) statt. Im Oktober 2022 ist dann aber wieder Hawaii Austragungsort. Nach aktuellem Stand wird der Athlet dort dann an den Start gehen. Traurig sei Schröder über die Verzögerung jedoch nicht, „wann auch immer, ich bin bereit“, sagt er.

Gehörige Portion Motivation und Ehrgeiz

Neben all den Erfolgen musste Schröder in seiner sportlichen Karriere aber auch Rückschläge einstecken. Besonders eine hartnäckige Schambeinentzündung hatte ihn 2019 zurückgeworfen. Zu damaliger Zeit habe er sich gerade auf dem aufsteigenden Ast befunden, der Traum von Hawaii zum Greifen nah. Durch die Entzündung sei das Ziel dann zunächst in weite Ferne gerückt, ganz außer Sichtweite sei es jedoch nie geraten, „der Restglaube war nicht verloren“, erzählt er. Auch während dieser schwierigen Zeit nahm er weiter an Wettkämpfen teil. Zwar nicht immer mit der erhofften Leistung, doch Aufgeben kam für Schröder nicht infrage. Eine gute Selbsteinschätzung und Ehrlichkeit zu sich selbst hätten ihm in dieser Zeit geholfen, erklärt der Triathlet.

Das Vertrauen in sich und seinen Körper seien es auch, die ihm ein Training ohne Trainer erlauben. Zudem brauche es „eine gehörige Portion Motivation und Ehrgeiz“, um das Training alleine bewältigen zu können. „Auch wenn mal nicht die Sonne scheint, man sich schlecht fühlt oder keine Lust hat“, müsse man sich aufrappeln können. Immerhin seien die Trainingseinheiten im Winter bereits wesentlicher Bestandteil der Vorbereitungen für den Wettkampf. „Der Ironman wird im Winter gemacht“, sagt Schröder. Ein Trainer würde ihn gewiss besser machen, da ist er sich sicher, zugleich würde ihm dieses Zwangskorsett aber den Spaß am Triathlonsport nehmen, „das bin nicht ich“, meint er.

Generell habe er in seiner sportlichen Karriere „viel ausprobiert und viel experimentiert“, inzwischen folge er aber keinem bestimmten Konzept mehr – sowohl was das Training als auch die Ernährung betrifft. Er versuche lediglich, wenig Fleisch und dafür viel Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. In den Wochen vor einem Wettkampf schraubt der Bietigheimer sein Training auf 20 bis 25 Wochenstunden hoch. Für gewöhnlich reise er bei internationalen Wettkämpfen bereits eine Woche vorher an und mache dann aber nur noch entspanntes Training wie Joggen, Gymnastik oder einfache Schwimmübungen, um Rücken und Muskulatur zu lockern.

Während des Wettkampfs folgt Schröder, der als Messtechniker im Qualitätsmanagement bei Daimler Trucks arbeitet, neben all der Ungezwungenheit dann aber einem strikt getakteten Ablauf. Alle 20 Minuten wird an einer Versorgungsstation entweder Energie zugeführt, Wasser getrunken, oder, wenn es das Wetter erfordert, mit Eis abgekühlt. Dieses schüttet sich der 45-Jährige dabei einfach in seinen Triathlonanzug, um sich eine kleine Abkühlung zu verschaffen. Hitze mache ihm glücklicherweise nicht so viel aus, sagt Schröder. Beim Ironman Frankfurt 2019 habe er bei über 40 Grad zwar „gelitten wie ein Hund“, doch sei die Sonne neben der Belastung zugleich wie ein Lebenselixier, das ihn antreibe.

Ganz anders verhalte es sich mit Kälte. Mit 16 Grad Außen- und Wassertemperatur sei der Ironman Estland hart für ihn gewesen: „Das war kein Spaß“, gesteht er.

Ob er während eines Wettkampfs bereits an den Zieleinlauf denkt? Das sei angesichts der enormen Distanz absolut fatal, erklärt er. „Wenn man ans Ziel denkt, dann bricht man eigentlich zusammen.“ Daher denke er eher an einzelne Etappen. Auf dem Rad hat Triathlet meist seine Geheimwaffe dabei: Gummibärchen. Der recht hohe Zuckerkonsum während eines Wettkampfs sorge dafür, dass er danach erst mal keine Lust mehr auf Süßes hat. „Da gibt es nur noch deftig.“ Die Tage nach einem Wettkampf seien geprägt von Heißhungerattacken, immerhin sei der Körper „komplett ausgebrannt“, erzählt er.

„Das mach ich nie wieder“, denkt sich Schröder oft nach einem Wettkampf, doch dann kribbelt es bald wieder. Um die Zeiten zwischen den Wettkämpfen zu überbrücken, stellt sich der Triathlet immer neuen sportlichen Herausforderungen. So lief er bereits die Murg entlang – von der Quelle bis zur Murgmündung in Steinmauern. Das waren 82 Kilometer in 20 Stunden.

Zu Beginn der Pandemie sei er außerdem zu seiner Mutter nach Sigmaringen gewandert. Vier Tage dauerte der Marsch, bei dem er im Wald übernachtete. „Ich brauche diese Herausforderung. Ich mag es einfach, immer wieder aus der Komfortzone rauszugehen, um die Komfortzone wieder zu schätzen zu wissen.“ Neben all der selbstgestellten Herausforderungen verfolgt der Reisebegeisterte aber auch noch ein großes Ziel: Auf jedem Kontinent einen Ironman gemacht zu haben. Dafür fehlen ihm noch Südafrika und Australien.

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Erstellt:
21. Oktober 2021, 14:00 Uhr
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