Der Kaltenbronn wird kein Weltnaturerbe

Gernsbach (stn) – Das Hochmoor erfüllt nicht die Unesco-Kriterien. Ein EU-Förderantrag zur Moorrenaturierung ist hingegen in Vorbereitung.

Die Kaltenbronner Moore und Wälder sollen als Ökosystem geschützt und dadurch erhalten werden. Foto: Werner Nestler/Archiv

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Die Kaltenbronner Moore und Wälder sollen als Ökosystem geschützt und dadurch erhalten werden. Foto: Werner Nestler/Archiv

Der CDU-Stadtverband Gernsbach hatte im Februar 2014 vorgeschlagen, den Kaltenbronn in die Unesco-Weltnaturerbeliste aufnehmen zu lassen, und ein entsprechendes Prüfverfahren angeregt. Doch was ist aus dieser Idee geworden? Das BT hat nachgehakt.

Wie Matthias Schmid von der Pressestelle des baden-württembergischen Umweltministeriums mitteilt, wurde der Vorschlag, den Kaltenbronn zum Weltnaturerbe zu ernennen, letztlich nicht weiter verfolgt: „Wir haben in den Akten ein Schreiben des Ministeriums für Ländlichen Raum (MLR, damals zuständig für Naturschutz) an das Landratsamt Rastatt gefunden, in dem mitgeteilt worden ist, dass die Voraussetzungen für Kaltenbronn nicht erfüllt seien. Angesichts der äußerst anspruchsvollen Kriterien erscheint die damalige fachliche Einschätzung allerdings auch heute noch zutreffend.“

Die Kriterien für angemeldete Naturerbestätten, von denen hier die Rede ist, sind auf der Unesco-Internetseite nachzulesen. Maßgebend ist vor allem auch „der außergewöhnliche universelle Wert einer Kultur- oder Naturstätte“, heißt es dort. Um als von außergewöhnlichem universellem Wert zu gelten, muss ein Gut die Bedingungen der Unversehrtheit und/oder Echtheit erfüllen, schreibt die Unesco.

Austrocknung durch Entwässerungsgräben

Das allerdings trifft auf das Moorgebiet Kaltenbronn nicht zu. „Es ist teilweise künstlich entstanden und somit kein Naturraum, der schon immer so war. Der Mensch hat eingegriffen“, erläutert Prof. Rupert Felder, Pressesprecher des CDU-Stadtverbands Gernsbach, auf BT-Nachfrage.

Im 18. Jahrhundert wurden im Moor viele Kilometer lange Entwässerungsgräben angelegt, um die Moore trockenzulegen und für den Waldbau nutzbar zu machen. Durch die vor Jahrhunderten angelegten Entwässerungssysteme geht dem Moor jedoch lebensnotwendiges Wasser verloren, wodurch das Ökosystem nach und nach austrocknet.

Ein Prüfverfahren zur Aufnahme des Kaltenbronn in die Liste der Weltnaturerbestätten wurde deshalb nicht durchgeführt. „Dies auch vor dem Hintergrund, dass im Gesamtvergleich damals prioritäre Aufgaben wie die Schaffung des Nationalparks Schwarzwald absolut Vorrang hatten und die zuständigen Behörden umfänglich ausgelastet haben. Angesichts der als gering eingeschätzten Erfolgschancen und des dafür erforderlichen hohen finanziellen und personellen Ressourceneinsatzes wäre eine andere Entscheidung nicht gerechtfertigt gewesen. Selbst wenn ein entsprechender Antrag gestellt und sogar akzeptiert worden wäre, resultiert daraus ja immer noch kein Schutz der Moore, allenfalls ein zunehmendes touristisches Interesse“, schreibt das Umweltministerium.

Vom Infozentrum Kaltenbronn sind die Moore zu Fuß gut zu erreichen. Repro: Jasmin Vogt/Badisches Tagblatt

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Vom Infozentrum Kaltenbronn sind die Moore zu Fuß gut zu erreichen. Repro: Jasmin Vogt/Badisches Tagblatt

Weiter heißt es: „Auch aus heutiger Sicht sollten die Mittel vorrangig in eine Renaturierung der Moore am Kaltenbronn fließen, damit die Moore im jetzigen Zustand zumindest stabilisiert werden können und nicht weiter degradieren, vor allem auch im Hinblick auf den Klimawandel. Das Regierungspräsidium Karlsruhe bereitet hierzu aktuell einen EU-Förderantrag vor.“

Die beiden damaligen CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Blenke (Calw) und Karl-Wolfgang Jägel (Rastatt) hatten vor sieben Jahren dem Weltnaturerbe-Antrag ihre Unterstützung zugesichert. „Als nächster Schritt soll nun die Landesregierung formal gewonnen werden, um die Idee weiter zu realisieren“, sagte Jägel (CDU) bei einem Besuch am Hochmoor im April 2014.

Im August desselben Jahres hieß es in einer Mitteilung von Jägel, dass das Staatsministerium Baden-Württemberg die weitere Prüfung des Vorhabens übernommen habe. Der Ministerialdirigent der Staatskanzlei habe mitgeteilt, dass die zuständigen Ministerien für eine erste naturschutzrechtliche Bewertung durch das Büro des Ministerpräsidenten koordiniert würden.

Erhaltung der Moore

Die Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe entwickelt ein Konzept zur Renaturierung der Moore am Kaltenbronn. In die Konzeptentwicklung eingebunden sind außerdem die Kommunen, die Landkreise sowie die Verbände und örtliche Vereine.

Grund hierfür ist, dass die Hochmoore am Kaltenbronn mit Wassermangel zu kämpfen haben. Die einst ausgedehnten, offenen Moorflächen schrumpfen seit Langem und werden von Gehölzen überwachsen. Es besteht „dringender Handlungsbedarf“, schreibt das RP Karlsruhe.

Zur Realisierung und Finanzierung des Renaturierungsprojekts soll im Spätherbst ein Antrag über das europäische Förderinstrument Life-Natur beantragt werden, worüber die Europäische Union 2022 entscheiden wird. Bei einem positiven Ergebnis kann das Vorhaben weiterentwickelt und umgesetzt werden. Ziel des Projekts ist die Erhaltung und Entwicklung der ausgedehnten Moore im Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn. Die Renaturierungsmaßnahmen müssen dafür sorgen, dass das Wasser im Moor zurückgehalten wird. Die vor Ort bestehenden Angebote der Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit sollen im Rahmen des Projekts erweitert und verstärkt werden. Für Naturinteressierte und Erholungssuchende soll das Naturerlebnis weiterhin bestehen bleiben.

www.infozentrum-kaltenbronn.de


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