„Der Mensch braucht Gesellschaft“

Bühl (sga) – Die Sozialpädagogin Katharina Schörg ist seit Februar in der Außenfachstelle Sucht in Bühl tätig. Dort wurden seit der Pandemie mehr Rückfälle verzeichnet.

Katharina Schörg legt Wert auf den persönlichen Kontakt. Foto: Sarah Gallenberger

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Katharina Schörg legt Wert auf den persönlichen Kontakt. Foto: Sarah Gallenberger

Wer viel Alkohol trinkt, Drogen konsumiert oder nach Dingen wie dem Glücksspiel süchtig ist, versucht damit oft psychische Belastungen zu bekämpfen. Doch alleine muss sich keiner fühlen: Um Betroffenen aus ihrer Situation zu helfen, arbeitet der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation stets an Angeboten, die in den Außenstellen umgesetzt werden. Seit Februar dieses Jahres für den Bezirk Bühl zuständig: Katharina Schörg.

„Ich will den Menschen helfen“, ist sich die 29-Jährige ihrer Pflicht bewusst. Es sei das Miteinander, das ihr besonders viel Freude bereite – und ohne das es bei ihrer Arbeit gar nicht gehe. „Die Leute brauchen ein soziales Umfeld.“ Betroffenen wieder auf den richtigen Weg zu helfen und beobachten zu können, wie sich die Dinge zum Positiven wenden – das ist es, was Schörg Freude an ihrer Aufgabe bereitet.

„Wahre Bereicherung“

Für Wolfgang Langer, Leiter der Fachstelle Sucht, ist Schörg eine „wahre Bereicherung“. Während ihres dualen Studiums zur Sozialpädagogin habe sie bereits einige Erfahrungen innerhalb der Suchtberatungsstelle machen können, die für ihre hohe Verantwortung innerhalb der Außenstelle in Bühl wertvoll sind. Dort führt sie psychosoziale Beratungsgespräche mit suchtgefährdeten sowie abhängigen Menschen und deren Angehörigen durch und vermittelt sie zu weiteren Hilfsstellen sowie in die ambulante, teilstationäre oder stationäre Therapie. Wichtig sei laut der Sozialpädagogin auch eine entsprechende Nachsorgebehandlung nach abgeschlossener Reha.

Dass ein gewisser Bedarf vorhanden ist, lässt sich an dem vielfältigen Angebot der Fachstelle Sucht ablesen: Selbsthilfegruppen, Kurse für Cannabiskonsumenten und Jugendliche mit riskantem Alkoholkonsum oder aber auch therapeutisch geleitete, kostenfreie Gruppen für alkohol-, medikamenten- und drogenabhängige Menschen sind nur ein kleiner Teil davon. „Durch unsere Außenstellen suchen wir den direkten Kontakt zu den Betroffenen, um gezielt auf die Bedürfnisse einzugehen“, erklärt die 29-Jährige. Im Auge behalten müsse man dabei allerdings nicht nur beispielsweise den Suchterkrankten selbst, sondern auch dessen Angehörige. Letztere seien – oft über mehrere Jahre hinweg – mitbetroffen.

Angehörige leiden oft massiv unter Situation

„Sie leiden massiv unter den Auswirkungen und sind psychisch belastet. Sie möchten verständlicherweise ihrem Partner, Elternteil oder Kind helfen und übernehmen dadurch häufig für Bereiche die Verantwortung, die der Betroffene wieder selbst übernehmen sollte.“ Weil dabei oft die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt werden würden, sei die Entlastung durch eine Beratung und Therapie wichtig, „um zu klären, wie das gemeinsame Leben in Zukunft aussieht“ oder offen über die Sucht sprechen zu können.

In ihrer Arbeit legt Schörg großen Wert auf das persönliche Gespräch, das während des ersten Lockdowns leider nicht immer im üblichen Rahmen stattfinden konnte. „Beratungen gab es aber zu jedem Zeitpunkt, dann eben telefonisch und in Krisensituationen selbstverständlich persönlich“, so Langer. Der bestehende Kontakt sei auch deshalb nicht wegzudenken, weil sich die Situation von einigen Betroffenen zu Zeiten von Kontaktbeschränkungen immer weiter zuspitzt: „Mit der Pandemie wachsen oft die Leidensprobleme.“

Rückfälle während der Pandemie

Im vergangenen Jahr habe die Fachstelle Sucht deshalb einiges an Rückfällen verzeichnen müssen. Das sei oft auf den fehlenden Bezug zum sozialen Umfeld zurückzuführen, wie Langer und Schörg bemerkt haben. Solche Situationen verarbeite jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise, und manche eben zum Beispiel mit Alkohol oder anderweitigen Drogen. „Menschen, die ohnehin schon labil sind, rutschen dann oft noch stärker in die Krise“, weiß Langer. Deshalb, so auch Schörg, sei das Fortführen von Gruppenangeboten auch während einer Pandemie sehr wichtig – dann eben mit strengen Hygienevorschriften. Denn sowohl die 29-Jährige als auch Langer wissen: „Der Mensch braucht Gesellschaft.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
27. Mai 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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