Der Müll geht jeden was an

Malsch (galu) – Mitstreiter für ein sauberes Malsch suchen Mona Rahner und ihr Lebensgefährte. Sie greifen sonntags zu Zange und Abfallbeutel, um den Ort von Müll zu befreien.

Bürgerinitiative der besonderen Art: Drei bis vier Säcke Müll kommen pro Tour zusammen. Foto: Lukas Gangl

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Bürgerinitiative der besonderen Art: Drei bis vier Säcke Müll kommen pro Tour zusammen. Foto: Lukas Gangl

Sonntags an einen Baggersee oder in ein Schwimmbad zum Entspannen? Keine Option für Mona Rahner. Denn sie geht in ihrer Freizeit lieber einer Herzensangelegenheit nach: Die Umwelt von Müll befreien. Das BT hat sie auf einem ihrer Streifzüge begleitet.

Unterstützer gesucht

Seit rund drei Jahren sind Rahner und ihr Lebensgefährte Waldemar Jason regelmäßig mit Zangen und Müllbeuteln bewaffnet in und um Malsch herum unterwegs. „Wir sind damals frisch nach Sulzbach gezogen. Nach kurzer Zeit hat es mich einfach in den Fingern gejuckt, ich musste was machen, nachdem ich die teils unzumutbaren Zustände am Sulzbacher Baggersee gesehen hatte“, erzählt Rahner. Auf Facebook wurde sie vor einiger Zeit auf die Gruppe City Cleaner aufmerksam – ein Konzept, das sie noch weiter motiviert hat. „Das war einfach super zu sehen, dass es vielen Menschen ähnlich geht.“ Für Malsch fand sie den Namen aber nicht ganz passend, scherzt sie. Dementsprechend habe sie sich bisher auf einzelne Facebookposts beschränkt, um Unterstützer zu finden.

Ihrem Aufruf folgen an diesem Tag lediglich zwei Menschen: der Neffe ihres Lebensgefährten, Jason Janson, und die Schülerin Michaela Ehrenberg. Entmutigen lässt sich Rahner davon jedoch nicht: „Bisher war die Beteiligung recht verhalten. Aber sowas passiert auch nicht von heute auf morgen. Erst mal muss ein Bewusstsein für den Müll in unserer Umgebung geschaffen werden, damit ein Umdenken überhaupt stattfinden kann.“ Vor allem könne man die Verantwortung nicht immer nur auf die Verwaltung abwälzen. „Wir sind nur Gäste auf dieser Welt, also sollte jeder seinen Teil dazu beitragen“, findet die 30-Jährige. Besonders dringend müsse man von Gedanken wie „Aber das ist ja gar nicht mein Müll“ weg. „Solange wir als Menschheit noch so viel Müll produzieren, müssen wir auch irgendwie eine Lösung finden“, merkt Rahner dazu an.

Drei bis vier Müllsäcke pro Tour

Drei bis vier Müllsäcke pro Tour füllen die beiden Wahl-Sulzbacher durchschnittlich pro Tour. Verrückte Funde gab es dabei schon zu einige: Beispielsweise eine alte Waschtrommel oder auch eine Colaflasche mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum aus dem Jahr 1996. Auch einen Geldbeutel haben die beiden auf ihren Sammelaktionen schon gefunden – später stellte sich heraus, dass dieser vor vier Jahren als gestohlen gemeldet worden war.

Besonders ärgerlich findet Rahner achtlos weggeworfene Mund-Nasen-Masken und Beutel voller benutzter Windeln. „Absolut unverständlich“ findet sie es, dies in der Natur zu entsorgen. Auch an jenem Sonntag hält die Umwelt wieder einige kuriose Müll-Funde bereit: die Müllsammler stolpern unter anderem über ein ausgebranntes Smartphone, eine Radkappe und einen noch in Plastik verpackten Blumenstrauß.

Gemeinde nimmt den Müll kostenlos an

Damit Rahner und Janson nicht auf den Entsorgungskosten sitzen bleiben, haben beide eine Einigung mit der Gemeindeverwaltung erzielt: Jeden Donnerstag zwischen 14 und 16 Uhr kann der gesammelte Müll beim Bauhof abgegeben werden. „Das ist noch keine optimale Lösung, aber ein Anfang“, findet Rahner. Generell sei es schwer, im Behördendschungel jemanden zu erreichen, der wirklich weiterhelfen könne und wolle. „Die meiste Zeit werden Zuständigkeiten hin- und hergeschoben. Besonders sieht man das an Landesstraßen. Da sieht sich keine Gemeinde in der Pflicht“, findet Rahner. Müllbeutel und Zangen hat das Paar auf eigene Kosten angeschafft, mittlerweile ist noch ein Bollerwagen dazugekommen.

Vereinsgründung wäre möglich

Wie es in Zukunft mit den Aktionen weitergehen soll, darüber sind sich Rahner und Janson noch nicht ganz sicher. Mehrere Ideen habe man im Kopf. Nächster Schritt könnte für die beiden Daimler-Mitarbeiter eine Vereinsgründung sein. „Es wäre schön, wenn sich auf Dauer etwas in dieser Richtung in den Landkreisen Rastatt und Karlsruhe etablieren würde“, definiert Rahner die langfristigen Ziele. „Ich würde mir wünschen, dass es normal wird, einfach mal Müll aufzuheben, auch wenn man ihn nicht selbst verursacht hat“, merkt Rahner an.

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Erstellt:
27. Juni 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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