Der Neue denkt an einen FC Gaggenau

Gaggenau (ko) – VFB-Vorsitzender Vito Bentivegna will den Fußballsport in der Gesamtstadt Gaggenau zukunftsfähig machen.

Vito Bentivegna hält seinem Verein seit drei Jahrzehnten die Treue. Nun wurde er von den Mitgliedern zum neuen Vorsitzenden gewählt. Foto: Joachim Kocher

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Vito Bentivegna hält seinem Verein seit drei Jahrzehnten die Treue. Nun wurde er von den Mitgliedern zum neuen Vorsitzenden gewählt. Foto: Joachim Kocher

Zu einem Wechsel an der Spitze des VFB Gaggenau kam es während der Mitgliederversammlung Mitte November in der Jahnhalle: Zum 1. Vorsitzenden wurde der 36-jährige Vito Bentivegna gewählt. Er ist Sohn italienischer Eltern, die nach Gaggenau kamen. Sein Vater arbeitete 48 Jahre bei Daimler-Benz in Gaggenau. Im Gespräch mit dieser Zeitung über seine künftigen Aufgaben in dem Traditionsverein.

Vito Bentivegna macht deutlich, dass der VFB kein einfacher Verein sei: „Bei uns gibt es zahlreiche Kulturen und Mentalitäten.“ Beim VFB spielen unter anderem Türken, Albaner, Bosnier, Kroaten, Serben, Italiener, Rumänen, Iraker und Syrier. „Wir leben beim VFB Integration, bei uns sind alle willkommen, bei uns zählt der Mensch. Für mich ist wichtig, dass Werte eine Rolle spielen und sich die Menschen gegenseitig respektieren und sich die Kids bei uns wohlfühlen“, betont Vito Bentivegna.

Für ihn sowie den gesamten VFB werde die Jugendarbeit noch mehr in den Fokus rücken: „Die Kinder sind unsere Zukunft.“

Und wie sieht es im Aktivenbereich aus? „Bei der 1. Mannschaft werden wir sehen, wo der Weg hingeht“, sagt Bentivegna, „wichtig ist für mich ein gesunder Verein, der nicht jedes Jahr Angst haben muss, dass er auseinanderbricht.“

Nach Meinung des neuen VFB-Vorsitzenden werden auf Dauer gesehen fünf Fußballvereine in Gaggenau nicht überleben können. Schließlich müssen auch alle Plätze gepflegt werden, und dies kostet viel Geld. Bei Bentivegna ist durchaus eine ortsübergreifende Zukunftsvision vorhanden, wie sie schon vor Jahrzehnten vom früheren VfB-Vorsitzenden Klaus „Chausen“ Werner ins Gespräch gebracht worden war: ein FC Gaggenau.

Spediteur mit 500 Mitarbeitern

Vito Bentivegna ist in Gaggenau aufgewachsen und absolvierte bei der Spedition Roos in Durmersheim eine Ausbildung. 2020 wurde er Geschäftsführer des Unternehmens, und seit Oktober 2020 ist er Inhaber der Spedition Roos, die europaweit 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Als Sechsjähriger trat Vito Bentivegna 1992 in den damaligen VfB Gaggenau in den Jugendbereich ein. „Mein erster Trainer war Gerd Pfrang“, erinnerte sich der neue VFB-Vorsitzende. „Meine gesamte Jugendzeit habe ich anschließend beim VfB verbracht.“ Als der VFB Gaggenau sich 2001 neu aufstellte, haben sehr viele Jugendliche den VFB Gaggenau verlassen: „Ich habe dem VFB Gaggenau jedoch weiterhin die Treue gehalten.“ Auch in der Aktiven-Mannschaft habe er in der Folgezeit Fußball gespielt. „Mit dem Beginn meiner Ausbildung trat der Fußballsport allerdings etwas in den Hintergrund. Schließlich hatte ich ein Ziel für mein weiteres Leben vor Augen. Ich war jedoch immer VFBler und habe daher auch Aufgaben in der Verwaltung übernommen.“

So fungierte Bentivegna als Organisator und Betreuer und zwischen 2013 und 2015 hatte er den Posten des Spielausschussvorsitzenden übernommen. In den Folgejahren hatte sich Bentivegna auch immer wieder mit den Gedanken befasst, dass er irgendwann mal die Vereinsführung des VFB übernehmen könnte. „Ich dachte bei meinen Überlegungen jedoch an ein Zeitfenster von zehn bis 20 Jahren, aber meistens kommt es anders, als man denkt,“ sagt er heute.

Sein Vorgänger Norbert Lais sprach ihn erstmals Ende 2019 an. Aber „zu jener Zeit war es für mich aus geschäftlichen Gründen unmöglich, die Vereinsführung zu übernehmen. „Weitere Gespräche, bei denen auch mein heutiger Stellvertreter (2. Vorsitzender) Serdar Özcelik und der 3. Vorsitzender Giovanni Zarbo ihre Bereitschaft zur Mitarbeit signalisierten, führten schließlich dazu, dass wir 14 Tage vor der diesjährigen Mitgliederversammlung unser Okay gaben, bei einer Wahl die Vereinsführung im Team zu übernehmen. Die beiden waren für mich ein wichtiger Baustein.“

Serdar Özcelik, der seit 1999 Jugendspieler war, fungierte zwischen 2016 und 2018 unter anderem als sportlicher Leiter und Giovanni Zarbo ist seit 1996 Mitglied beim VFB. Zwischen 2012 und 2019 war er Trainer der 1. und 2. Mannschaft.

Ihr Autor

Joachim Kocher

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Erstellt:
28. Dezember 2021, 14:28 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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