Gaggenauer OB sagt den Narren Hilfe zu

Gaggenau (tom) – Christof Florus will die Fastnachtsvereine bei Veranstaltungen unterstützen. Das BT hat sich bei ihnen umgehört, nachdem die Grokage ihre Kampagne abgesagt hat.

Auch das Thema Umzüge (hier Hörden 2020) wird beim „Fastnachtsgipfel“ Anfang Oktober zur Sprache kommen. Foto: Stephan Juch

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Auch das Thema Umzüge (hier Hörden 2020) wird beim „Fastnachtsgipfel“ Anfang Oktober zur Sprache kommen. Foto: Stephan Juch

Was wird aus der Fastnacht in der Großen Kreisstadt? Die Vorstandschaft der Grokage Gaggenau hat die Kampagne 2020/21 abgesagt. In den drei anderen großen Fastnachtsvereinen will man weiter abwarten.

Wie berichtet, hatte der Vorsitzende der Grokage am 16. August die Mitglieder informiert, dass es wegen Corona im Verein keine reguläre Fastnacht geben werde; geplant sind allerdings zwei fastnachtliche Comedy-Abende in der Jahnhalle an den vorgesehenen Sitzungsterminen. Tags darauf wurden die anderen Fastnachtsvereine ebenfalls per E-Mail über diesen Vorstandsbeschluss in Kenntnis gesetzt.

Hörden: Für die Narrenzunft Schmalzloch Hörden betont deren Zunftmeister Ruben Schnepf: „Alle Hördener Fasebutze arbeiten an Konzepten, aber das braucht noch ein bisschen Zeit.“ Die habe man auch. Schließlich waren die vier Gaggenauer Narrenzünfte übereingekommen, sich Ende September bei einem gemeinsamen Treffen über das weitere Vorgehen auszutauschen und dies dann Anfang Oktober zu kommunizieren. Daran werde man festhalten, sagt Schnepf, auch wenn es in der Politik Stimmen gebe, die eine Absage von Fastnacht forderten: „Karneval ist ein Fest, das sich das Volk selbst gegeben hat“, sagt Schnepf. Die Schmalzlocher Fastnacht werde gefeiert, aber es werde neue Darstellungsformen geben.

Nicht ausgeschlossen also, dass die Hördener auch die Option eines digitalen Angebots ziehen werden. Für die Schmalzlocher gilt es zu bedenken, dass in der Flößerhalle die Infektambulanz der Arztpraxis Schemel untergebracht ist. Die Halle kann somit ohnehin nur eingeschränkt genutzt werden. Aber auch das wird Hörden nicht ausbremsen. Schnepf: „Fastnacht ist für alle Altersschichten, das soll auch in Zeiten der Pandemie möglich sein.“

Die Fixkosten sind ein Problem

Ottenau: Für den Ottenauer Carneval Club bekräftigt dessen Vize-Präsident Helmut Willmann: Ende September werde der OCC entscheiden, wie es weiter gehen soll, Anfang Oktober wolle man dies gemeinsam mit den anderen Vereinen bekannt geben.

Michelbach: Für den Michelbacher Fastnachtsverein Die Schäger bestätigt dessen Zweiter Vorsitzender, Francesco Lucchese: An dem für Anfang Oktober bei der Grokage geplanten gemeinsamen Treffen werde man festhalten. Ein großes Fragezeichen insbesondere bei den närrischen Schägersitzungen sei allerdings die erlaubte Besucherzahl. Angesichts der hohen Fixkosten sei es sehr fraglich, ob man in Michelbach diese Veranstaltungen auch mit deutlich weniger zahlenden Gästen ausrichten könne.

Zunächst einmal blicken die Schäger allerdings auf ihre nächste Jahreshauptversammlung, die für 7. November anberaumt wird. Dabei geht es auch um die Führungsfrage in dem Verein, nachdem der bisherige Vorsitzende Achim Schäfer im Frühjahr aus persönlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten war. Zur Nachfolge will sich Francesco Lucchese noch nicht konkret äußern: „Die Schäger werden sich vielleicht anders aufstellen.“

Als Befürworter von Fastnacht verspricht Oberbürgermeister Florus den Narrenvereinen Unterstützung. „Ich sehe es als OB und auch als Privatperson, dass wir versuchen sollten, Fastnacht aufrechtzuerhalten“, bekräftigt er im BT-Gespräch. Dies sei in Corona-Zeiten zwar schwierig. „Aber das Leben geht weiter“, gibt Florus zu bedenken, „und auch für die Vereine ist es wichtig, dass es Fastnacht gibt.“

Denkbar sei beispielsweise, dass die Stadt den Vereinen die Jahnhalle ohne Hallenmiete zur Verfügung stellen werde. Sie ist geräumig, sodass auch unter Corona-Bedingungen eventuell auskömmliche Besucherzahlen möglich wären. Die Fäden bei der Fastnachts-Koordination sollen bei Carmen Merkel zusammenlaufen, der Leiterin der Rathaus-Abteilung Gesellschaft und Familie – und Fastnachterin. „Einfache Lösungen, kleinere Formate, strenge Regeln vor und hinter der Bühne“ sind laut Florus allerdings vorgegeben. Auch er sei gespannt auf das Treffen mit den Vereinen Anfang Oktober; dabei solle auch das Thema Umzüge zur Sprache kommen können.

Grokage-Vorsitzender Hans-Wolfgang Paulusch verteidigt unterdessen sein Vorgehen, die Mitglieder bereits jetzt über die Pläne informiert zu haben. „Wenn ich jetzt schon weiß, es geht nicht, dann brauche ich nicht bis zum 6. Oktober zu warten. Unsere Mitglieder sind froh, dass sie wissen, wo es lang geht.“

„... wenn man es trotzdem macht“: Ein Kommentar von Thomas Senger

Maskenpflicht!“ Eine steilere Vorlage, ein besseres Motto kann man sich für Fastnachter ja gar nicht vorstellen. Was kann es Schöneres geben als wenn alle, die närrisch unterwegs sind, dies hinter oder unter einer Maske tun?

Nun ist die Corona-Lage leider gar nicht lustig, die Fastnacht eine viel zu ernste Angelegenheit; den organisierten Fastnachtern ist damit das Lachen erst mal vergangen – und die Vorfreude auf die Saison größtenteils auch. Der Druck aus der Politik, er scheint ja nahezu übermächtig. So forderte Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha bereits Ende Mai (!) im BT-Interview: „Wir werden auf Weihnachtsmärkte und die Fasnet verzichten müssen diesmal.“ Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unkte kürzlich, dass hinter Fastnacht 2021 ein großes Fragezeichen stehe.

Andererseits: Der Fastnacht, dem Karneval, wohnt ja viel mehr inne als nur die immer wieder arg bemühte und mitunter angestaubte „Brauchtumspflege“ mit Ritualen und Ordensverleihungen und viel, viel mehr als das gerne verwendete Klischee der Sauforgien. Was die Narrenwelt im Innersten zusammenhält, das ist nicht zuletzt dieses anarchische Element: Die Fähigkeit, dem Etablierten einen Spiegel vorzuhalten, scheinbar Unverrückbares in Frage zu stellen, Konventionen zu durchbrechen und – ja auch das: Sich über ernste Themen lustig zu machen. Fastnacht ist – wenn man es trotzdem macht. So sollten wir also optimistisch sein, dass die Narren auch in diesen Corona-Zeiten sich als klug genug erweisen werden, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei weder ihre eigene noch die Gesundheit ihres Publikums fahrlässig aufs Spiel setzen. Die Grokage, auch wenn ihr Vorpreschen für Kritik sorgte, weist dabei einen gangbaren Weg im Sinne von „Ein bisschen was geht immer.“ Wenn die Obrigkeit, wie der Gaggenauer OB, ihnen dabei Unterstützung zusagt, dann können sie dies als weitere Ermutigung auffassen. Er wiederum darf sich sicher sein: Sie werden es ihm bei nächster närrischer Gelegenheit auf ihre Art zu danken wissen.


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