Der Oberrhein spricht

Basel (vn) – Gedankenaustausch ohne Grenzen: Der Oberrheinrat lädt zum Diskutieren mit Menschen aus dem Nachbarland ein. Ein Algorithmus sorgt dabei für den richtigen „Match“.

Ist derzeit Präsident des Oberrheinrats: Der Schweizer Dr. Christian von Wartburg. Foto: Oberrheinrat

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Ist derzeit Präsident des Oberrheinrats: Der Schweizer Dr. Christian von Wartburg. Foto: Oberrheinrat

Der Oberrheinrat will mit diesem Projekt zur Kontaktbörse für die rund sechs Millionen Menschen in Baden, in der Südpfalz, im Elsass und in der Nordwestschweiz werden. Doch um amouröse Abenteuer geht es dem Gremium dabei nicht.
Je zwei Menschen aus den vier Teilgebieten sollen sich zum Gedankenaustausch treffen. Für den richtigen „Match“ sorgt zuvor ein Algorithmus. „Der Oberrhein spricht – Le Rhin supérieur discute“ heißt diese Aktion. Sie findet am Samstag, 23. Oktober, statt. Man kann sich jetzt anmelden. Das Ganze ist kostenlos.

„Im Zentrum des Projekts stehen die Bürger der drei Länder“, betont Dr. Christian von Wartburg, Grossrat des Kantons Basel-Stadt und derzeit Präsident des Oberrheinrats. „Wir wollen ihnen die Möglichkeit bieten, über die Ländergrenzen hinweg ins Gespräch zu kommen, neue Perspektiven zu gewinnen und sich einfach gegenseitig besser kennenzulernen.“

Wer Interesse hat, registriert sich online und beantwortet einen kleinen Fragebogen, der für die Grenzregion relevante politische Themen enthält. Der Algorithmus bildet dann auf Basis dieser Ergebnisse Diskussionspaare. Dabei sollen Personen mit möglichst unterschiedlichen Meinungen aus den verschiedenen Teilen des Oberrheingebiets zusammengeführt werden.

Stimmen beide Personen zu, erhalten sie ihre Kontaktinformationen und können ihr Treffen eigenständig organisieren: „Idealerweise am 23. Oktober, ob in einem Café, bei einem Spaziergang oder auch virtuell“, heißt es im Pressetext des Oberrheinrats. Der Gesprächsstoff kann ohne Vorgaben frei gewählt werden, wobei sich die Themen aus dem Fragebogen als Ausgangspunkt nutzen lassen – natürlich nach dem einleitenden Smalltalk.

Die Fragen drehen sich unter anderem um die Bewältigung der Corona-Pandemie und die medizinische Versorgung beiderseits des Rheins, um grenzüberschreitenden „Einkaufstourismus“ sowie die Folgen des Klimawandels.

Selfie ist natürlich freiwillig

Von Sprachbarrieren sollte man sich nicht abhalten lassen, wirbt der Oberrheinrat. Aus organisatorischen Gründen sei eine Übersetzung der einzelnen Gespräche nicht möglich, doch die Kommunikation zwischen den Gesprächspartnern soll in der Sprache erfolgen, in der sich beide am wohlsten fühlen: Französisch, Deutsch oder auch Englisch.

Im Anschluss an die Treffen erhalten die Teilnehmer einen Feedback-Fragebogen, in dem sie nach dem Verlauf des Gesprächs gefragt werden. Christian Kleinert, Koordinator des ständigen Sekretariats des Oberrheinrats, nennt auf BT-Anfrage Beispielfragen: War das Treffen ein positives Erlebnis? Haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen? Planen Sie, sich zukünftig erneut mit Ihrem Gesprächspartner zu treffen? „Zudem werden die Teilnehmer gebeten, uns ein Selfie ihres Treffens zukommen zu lassen, damit wir nach Projektende ein möglichst großes ,Panorama’ der oberrheinischen Gesprächspaare erstellen und veröffentlichen können“, so Kleinert weiter. Das Selfie ist natürlich freiwillig.

Ähnliche Projekte wie „Deutschland spricht“ in diesem Jahr oder „Europa spricht“ im Jahr 2020 haben 21.000 beziehungsweise 12.000 Teilnehmer erreicht. Auf die Bevölkerungszahl am Oberrhein umgerechnet, erscheint ein Teilnehmerpotenzial im mittleren dreistelligen Bereich möglich. „Da ,Der Oberrhein spricht’ dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt wird und erst einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen muss, rechnen wir realistisch mit rund 50 bis 150 Teilnehmenden“, so Kleinerts Prognose.

Die bisherige Resonanz auf das Projekt sei sehr positiv, es habe eine Reihe von Anmeldungen gegeben. „Wir hoffen auf eine gute Dynamik in den nächsten Wochen bis Mitte Oktober“, sagt Kleinert.

Wer teilnehmen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein und den Wohnsitz in der Oberrheinregion haben.

www.oberrheinrat.org

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
30. September 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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