Der Osterhase wohnt in Au am Rhein

Au am Rhein (HH) – Modellbauer Armin Busch schafft eine Welt in Miniaturformat, die Besucher und Stammgäste staunen lässt.

Osterhasenhausen: Eiermalerwerkstatt (rechts) und herrschaftliche Villa (links) sind die Hauptgebäude der von Armin Busch gebauten Miniaturlandschaft. Foto: Helmut Heck

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Osterhasenhausen: Eiermalerwerkstatt (rechts) und herrschaftliche Villa (links) sind die Hauptgebäude der von Armin Busch gebauten Miniaturlandschaft. Foto: Helmut Heck

Falls sich jemand fragt, wo eigentlich der Osterhase wohnt, wäre eine passende Antwort: in Au am Rhein. Kann man ihn besuchen? Gewiss doch. Die Adresse lautete Lammstraße 25a. Dort wartet nicht „der“ Osterhase, sondern gleich ein ganzes Osterhasenvölkchen. Es wimmelt regelrecht vor Hasenmüttern, Hasenvätern, Hasenkindern. Die meisten sind sehr beschäftigt. Ostern naht, es gibt viel zu tun. Eine Menge Eier muss noch gefärbt werden, Nachschub wird mit einer Schubkarre vom Hühnerstall geholt.

In der Osterwerkstatt wird gemalt, was das Zeug hält. Mit ihr hat vor ungefähr zwölf Jahren alles angefangen. Armin Busch weiß gar nicht mehr genau, wann er in seinem Vorgarten zum ersten Mal die Holzscheune aufgestellt hat, in der Meister Lampe seinen Lehrlingen den Umgang mit Pinseln und Farben beibringt.

Schon die Verschönerungswerkstatt lässt erkennen, dass ihr Erbauer ein sorgfältiger Künstler und versierter Handwerker sein muss. Nichts ist nullachtfünfzehn. Wie das Dach der Scheuer mit Schindeln gedeckt ist, wie in der Werkstatt, kaum sichtbar, hinten an einer Wand eine Säge und eine Sichel aufgehängt wurden, wie die kleinen Häschen auf Hocker gestellt sind, damit sie am Tisch hantieren können, das sind nur drei Beispiele des großartig gemachten Gesamtbilds. Jedes klitzekleine Detail verrät stilsicheres Gespür für Wirkung. Die üppig ausstaffierten Szenerien ergeben einen Augenschmaus, der jedes Bilderbuch vergessen lässt.

Viele Details zu entdecken

Es scheint unmöglich, bei einmaliger Betrachtung alle Einzelheiten zu erfassen. Hinzu kommt, dass Busch ständig etwas hinzufügt, Arrangements verändert. Neben der Osterwerkstatt gehört eine Hasenschule zu den Objekten aus den Anfangsjahren. Inzwischen ist ein kleines Dorf entstanden. Dieses Jahr bekam es einen Prachtbau, eine zweistöckige Villa, gefertigt aus einem Baumstumpf.

Dem Stammrest, unter dem noch Wurzelstränge herausragen, verdankt Busch den Einfall zu dem herrschaftlich anmutenden Neubau, den eine Dachterrasse krönt. Im Erdgeschoss ist durch die offene Haustür ein gedeckter Tisch zu erkennen. Draußen schaukeln Kinder. Daneben gibt es einen Häschenspielplatz. In einem Holzofen wird Brot gebacken, über einer Feuerstelle wird ein Fisch gegrillt. Ein Ziehbrunnen wartet auf Betätigung. Unter einem Sonnenschirm hält ein Bewohner Siesta im Liegestuhl.

Vor dem Dorf weiden Schafe auf grüner Au, bewacht von einem Hund. Buschs Osterlandschaft wäre die perfekte Trickfilmkulisse. Die kreativen Fähigkeiten des Auers waren Teil seines Arbeitslebens. Der 64-Jährige, mittlerweile in Rente, war von Beruf Modellbauer. Er fertigte Formen, vornehmlich aus Guss für die Autoindustrie. Privat ist Holz sein Lieblingsmaterial.

Die Osterhasenfiguren im Vorgarten sind größtenteils Fremdprodukte, aber es gibt auch selbst Gefertigte, zwei davon hocken auf der Gartenbrüstung. Außer an Ostern gibt es bei Busch auch an Weihnachten viel zu sehen, jedes Mal mit Neuheiten.

„Spaß für die ganze Familie“

Wenn Kinder minutenlang staunend verharren, hat auch er seine Freude, von der Begeisterung der insgesamt sieben Enkel, die er und seine Lebensgefährtin Silvia Burkart haben, ganz zu schweigen. Die Sache ist nicht nur bei ihnen ein Spaß für die ganze Familie. Im Gespräch mit dem BT berichtet Busch von Dankesschreiben, die ihm Eltern in den Briefkasten gesteckt hätten. Manchmal habe er auch schon Geld in der Gartendekoration gefunden. Kindergartengruppen seien Stammgäste, viele Familien kämen immer wieder vorbei. Abends wird die Anlage beleuchtet, was jahreszeitlich bedingt an Ostern weniger Effekt hat als im Advent.

Besucher werden sogar begrüßt. Burkart hat ein kurzes Grußwort eingesprochen. Die Tonaufnahme lässt sich per Knopfdruck abspielen. Wegen Corona hat Busch den Apparat so installiert, dass er mit dem Fuß betätigt werden muss. Nach Ostern verschwinden die Hasen in Urlaub, um neuen Bewohnern Platz zu machen. In die Vorgartenvilla werden nächste Woche Wichtel einziehen, um ein neues Kapitel des märchenhaften Panoptikums aufzuschlagen.

Abzuwarten bleibt, ob Ferdinand, der Faulpelz, die Abreise seiner Hasenfreunde mitkriegt oder den Wechsel verpasst. Auf ihn zielt jedenfalls eine Suchaufgabe, die Betrachtern der Wimmelbildlandschaft in den Begrüßungsworten gestellt wird. Wo döst eigentlich der schläfrige Ferdinand?

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Erstellt:
30. März 2021, 12:40 Uhr
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