Der Stärkste unter den Starken

Rastatt (fuv) – Dennis Kohlruss aus Rastatt ist nach seinem Strongmann-Gewinn der „stärkste Mensch Deutschlands“. Den Sport hat er 2009 entdeckt, nun hat er die Weltmeisterschaft vor Augen.

Der 33-jährige Kraftsportler mit Siegerpokal und Trainingsgerät in seinem Studio in Steinmauern. Foto: Frank Vetter

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Der 33-jährige Kraftsportler mit Siegerpokal und Trainingsgerät in seinem Studio in Steinmauern. Foto: Frank Vetter

Der stärkste Mann Deutschlands kommt aus Baden-Württemberg: Diese Meldung verschickte am Sonntag die Deutsche Presseagentur. Aus Rastatt kommt er und heißt Dennis Kohlruss (wir berichteten). In einem zweitägigem Wettkampf im thüringischen Gera gewann der 33-jährige Kraftsportler den Titel „Strongman“.
Rückblende: Bereits am 16. Oktober 2013 porträtierte das Badische Tagblatt Kohlruss und zitierte: „Mein Ziel ist es, der stärkste Mann der Welt zu werden“. Da hatte der Rastatter gerade den Deutschen Meistertitel im sogenannten „Truck Pull“, dem Lkw-Ziehen, gewonnen und sich damit für die Weltmeisterschaften qualifiziert. Damals trainierte der gelernte Einzelhandelskaufmann noch im Keller einer stillgelegten Möbelfabrik in Rastatt. Heute betreibt Dennis Kohlruss ein Studio im Steinmauerner Gewerbegebiet.

Seinen Sport hat er 2009 im Fernsehen entdeckt; da sah er eine Folge von „Strongman“ und wusste: Das ist es. 2010 bestritt er in Bayern seinen ersten Wettkampf; er zog einen 13 Tonnen schweren Lkw.

Am vergangenen Wochenende also der vorläufige Höhepunkt in seiner Sportlerkarriere.

Strongman-Wettbewerb als Königsdisziplin

Auch wenn er schon Vize-Weltmeister im Truck Pull war, der Strongman-Wettbewerb ist die Königsdisziplin der super-starken Männer, ein Mehrkampf.

Bei den Titelkämpfen in Gera waren an zwei Tagen zehn Disziplinen zu absolvieren. Zunächst stand für die 23 Athleten die Qualifikation für das zehnköpfige Finale am Sonntag an. Los ging es mit einer von Dennis Topdisziplinen, dem Baumstamm-Stemmen. Da hielt der Rastatter mit 192,6 Kilogramm den Deutschen Rekord, den er auf 200 Kilogramm schraubte. Dank des Sieges im ersten Wettkampf genoss Kohlruss das Privileg, die weiteren vier Diszplinen als letzter angehen zu können. Es sei „natürlich ein Vorteil zu sehen, was die anderen vorlegen“. Es folgten Disziplinen wie das Auto-Kreuzheben (380 Kilo), der Framewalk (280 Kilo) oder das Conan Wheel. Das erinnert an den Schwarzenegger-Film „Conan der Barbar“, in dem der Titelheld jahrelang ein großes Rad im Kreis drehen muss. Dennis Kohlruss schaffte es, das 400-Kilo-Rad zweieinhalb Runden zu drehen.

Am Finaltag zeigte der Rastatter der Konkurrenz gleich, wo der Hammer beziehungsweise der Traktor hängt: Als schnellster zog Kohlruss ein Neun-Tonnen-Ackergerät in 37 Sekunden 20 Meter weit. „Ich habe ihn auf zwei km/h beschleunigt“, lacht er im BT-Gespräch. Wieder hatte er die Pole-Position, konnte sich seine Kräfte einteilen und so beispielsweise eine 90 Kilo schwere Kurzhantel mehrfach zur Hochstreckung bringen. Dank seiner Leistung beim Traktor-Ziehen lag er im Finale vorne, auch wenn Konkurrenten mal schneller waren oder mehr Gewicht stemmen konnten. Nach dem Yoke(Joch)-Rennen (400 Kilo 20 Meter weit schleppen) „war ich mir sicher“. Der jetzt stärkste Mann Deutschlands wuchtete zum Abschluss drei 180-Kilogramm-Steinkugeln in 28 Sekunden auf ein Podest und war strongest Strongman Deutschlands.

Schon immer Kraft und Gewicht gehabt

Wer Dennis Kohlruss in seinem Gym besucht, staunt schon vor Betreten der ehemaligen Werkshalle. Fast eine halbe Tonne schwere Baumaschinen-Reifen oder im Bau befindliche Stahlgestelle lassen erraten, dass hier Besonderes passiert. Im Inneren: Überdimensionale Langhantelstangen, Granitblöcke, riesige Gewichtscheiben und Steinkugeln, die bis 200 Kilo wiegen, sowie zwei Steineier. „Die habe ich selbst entwickelt“, unterstreicht Strongman Dennis.

Wie wird man Strongman? Kraft und Gewicht habe er schon immer gehabt, sagt er. Die „technischen Daten“ sind beeindruckend: 1,91 Meter groß, bringt der Rastatter 170 Kilogramm auf die Waage. Sein Bizeps hat einen Umfang von 58 Zentimetern, die Oberschenkel knapp 90.

Da stellt sich die Ernährungsfrage. Auf sein Gewicht müsse er nicht achten, schmunzelt er. Zum Frühstück gibt es stets acht rohe Eier, Wurst, Käse und Haferflocken. Zum Mittagessen Fisch, Fleisch Kartoffeln. „Eigentlich ist das eine normale Ernährung“, sagt Kohlfuss. Wichtig seien Zink, Magnesium, Eisen und Fette. An einem Trainingstag, also täglich zwei Stunden, verbrenne er 6.000 bis 7.000 Kalorien, an einem Wettkampftag 10.000.

Eigenes Label gegründet

Wenn man dem Strongman gegenüber steht, erwartet der Gesprächspartner eine tief dröhnende Bassstimme. Doch Kohlruss spricht fast sanft über seinen Sport und seine Zukunft. Die liegt in der Vermarktung seiner Erfolge. Er hat ein eigenes Label „Eisenbär“ gegründet, unter dem er Equipment für Strongmen/-women verkaufen will, hat einen YouTube-Kanal, gibt Seminare, erstellt Online-Trainingspläne, veranstaltet Workshops und kümmert sich um die Athleten und Athletinnen, die gibt es nämlich auch in seinem Gym in Steinmauern.

Sportlich hat er natürlich die Weltmeisterschaften im Auge, für die er nun qualifiziert ist. Die wird 2022 vermutlich in den USA stattfinden, aber das hängt mal wieder vom Pandemiegeschehen ab. Im Oktober jedenfalls können der stärkste Mann Deutschlands und weitere Strongmen bei seinem ersten eigenen Event in Steinmauern live bewundert werden.

Dennis Kohlruss dreht beim Strongman-Wettbewerb am 400 Kilogramm schweren Conan-Wheel. Foto: Marcel Kuebler

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Dennis Kohlruss dreht beim Strongman-Wettbewerb am 400 Kilogramm schweren Conan-Wheel. Foto: Marcel Kuebler


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