Der Tod kam innerhalb weniger Minuten

Rastatt/Baden-Baden (up) – Fortsetzung im Mordprozess gegen einen 37-jährigen Syrer: Laut Gutachter stach der Mann so stark auf seine Frau ein, dass diese keine Überlebenschance hatte.

Am Landgericht Baden-Baden wird der Mord an einer 36-jährigen Frau aus Syrien verhandelt. Ihr Mann soll sie im September in Rastatt erstochen haben. Foto: Daniel Melcher / Archiv

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Am Landgericht Baden-Baden wird der Mord an einer 36-jährigen Frau aus Syrien verhandelt. Ihr Mann soll sie im September in Rastatt erstochen haben. Foto: Daniel Melcher / Archiv

Am vierten Verhandlungstag im Prozess um den Mord an einer 36-jährigen Frau aus Syrien im vergangenen September in Rastatt kamen gestern die Gutachter zu Wort.

Rechtsmediziner Markus Große Perdekamp von der Uniklinik in Freiburg beschrieb vor dem Landgericht detailliert die Verletzungen, die der 37-jährige angeklagte Ehemann seinen Opfern zufügte. Demnach hat dieser viermal auf den Oberkörper seiner Ehefrau eingestochen. Dadurch seien das Herz und eine Hauptschlagader so schwer verletzt worden, dass sofort ein starker Blutdruckabfall einsetzte und die Frau „sehr rasch“ das Bewusstsein verloren haben muss. Innerhalb von etwa sechs bis sieben Minuten sei dann der Tod eingetreten. „Es hat wohl keine Möglichkeit gegeben, das Leben des Opfers zu retten“, so der Rechtsmediziner.

Anders beim zweiten Opfer des Angeklagten, dem 24-jährigen Liebhaber der Frau. Er erlitt „typische Abwehrverletzungen“ wie sie entstehen, wenn man sich gegen Angriffe mit einem Messer zur Wehr setzt, so Große Perdekamp. Der 24-Jährige wies ferner mehrere Schnittverletzungen auf, an beiden Händen und am Oberschenkel sowie am Kopf. Alle mussten später genäht werden. Letztere entstanden offenbar bei der Flucht, als der Täter von hinten auf ihn einstach und ihn knapp über dem rechten Ohr traf. Nur weil der Angeklagte von ihm abließ, sollte der junge Mann am Ende überleben. Auch der Täter wies drei Schnittverletzungen am Unterarm auf, so der Rechtsmediziner. Größere Blutgefäße seien aber nicht verletzt worden.

Tat nicht „im Rausch“ verübt

Was Spuren von Drogen und Medikamenten im Blut des Angeklagten angeht, hätten Laboruntersuchungen ergeben, dass die gefundenen Wirkstoffe „keine nennenswerte Wirkung“ auf die Tat gehabt haben. Nur eine „milde Wirkung“ von Cannabis konnte Große Perdekamp feststellen, keinesfalls einen „Rausch“.

Frank-Stefan Müller, Facharzt und ehemaliger Direktor der Klinik für forensische Psychiatrie in Emmendingen, berichtete dann vom Tathergang, wie ihn der Angeklagte ihm geschildert hatte. Demnach habe er, nachdem er in die Wohnung seiner Frau eingedrungen war, zunächst den gemeinsamen fünf Jahre alten Sohn nach draußen gebracht und ihn aufgefordert, im Treppenhaus zu warten. Noch im Wohnzimmer hat er sich dann offenbar zunächst selbst verletzt, um anschließend auf seine Frau einzustechen. „Fremdgehen ist bei uns im Islam eine rote Linie, die man nicht übertreten darf“, habe der Angeklagte seine Sicht gegenüber dem Psychiater erklärt. Allerdings war der Mord später offenbar Anlass für einen Selbstmordversuch, den er im Gefängnis unternahm. In einem Abschiedsbrief schrieb er: „Nachdem ich sie getötet habe, wurde die Welt schwarz vor meinen Augen“.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann geht es auch um die Frage, ob der Mann zum Tatzeitpunkt schuldfähig war.

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Erstellt:
26. Mai 2021, 14:00 Uhr
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