„Der Wald im Murgtal ist ein bisschen wie im Amazonas“

Gernsbach (ham) – Der peruanische Künstler Arturo Laime hat sich in Gernsbach angesiedelt. Die Wälder im Murgtal gefallen dem 44-jährigen Umweltschützer ähnlich gut wie im Amazonas.

Farbenfroher Künstler: Der Peruaner Arturo Laime rückt mit seinen Bildern die Natur in den Mittelpunkt und setzt sich für den Arten- und Umweltschutz ein. Foto: Metz

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Farbenfroher Künstler: Der Peruaner Arturo Laime rückt mit seinen Bildern die Natur in den Mittelpunkt und setzt sich für den Arten- und Umweltschutz ein. Foto: Metz

Am ersten Tag dachte ich hier in Gernsbach: Oh Gott, oh Gott, was habe ich gemacht?“, plagten Arturo Laime Zweifel, ob sein Umzug aus Frankfurt vielleicht doch etwas überstürzt war. „Doch dann war ich in Baden-Baden, beruhigte mich und es gefiel mir“, erzählt der Peruaner grinsend weiter, um nach mehreren Streifzügen durch die „nur fünf Minuten entfernten Wälder im Murgtal“ einen Monat später festzustellen: „Inzwischen gefällt es mir super! Hier lebt es sich schön, man ist auch schnell in Karlsruhe oder Freiburg!“

In seinem neuen Domizil in Gernsbach sticht gleich im Eingangsbereich seine Serie „Tierreich“ ins Auge. Sie zeigt zwölf Collagen von Tiger bis zu Amazonas-Flussdelfinen. „Alles gefährdete Tiere“, erläutert der Künstler mit Blick auf seine Sammlung, die schon doppelt so groß war, aber durch Verkäufe dezimiert wurde wie so manche Art. In dem Fall kein Beinbruch: „Ich male wieder einige, um erneut auf die Zahl 24 zu kommen“, kündigt Laime an. Nun hat er ein bisschen mehr Zeit dafür – denn seine für 4. und 5. April geplanten Tage der offenen Tür in der Mozartstraße fielen wegen der Corona-Pandemie ins Wasser. Wann er den Murgtälern endlich seinen farbenfrohen Stil mit Arbeiten in Öl, Acryl- und Mischtechniken zeigen kann, steht in den Sternen.

Kleine Orte: Frankfurt und Gernsbach

Vielleicht hat er bis dahin sogar sein neues Atelier bezogen und muss die Neugierigen nicht daheim begrüßen. „Hier habe ich erst alles ausgepackt. Ich suche jetzt ein Atelier in Baden-Baden oder Karlsruhe“, erzählt der 44-Jährige. Mit seinem eigenen Domizil in Gernsbach hat sich der aus der Neun-Millionen-Metropole Lima stammende Künstler mittlerweile angefreundet, obwohl er schon „Frankfurt als nicht so groß“ empfand – und nun sogar „in so einem kleinen Ort mit 12000 Einwohnern lebt“.

Erfahrung mit noch größerer Abgeschiedenheit besitzt der Großstädter aber durchaus: Vor seinem Umzug nach Deutschland arbeitete und lebte Laime bis 2013 im Amazonas. Tief im tropischen Regenwald konnte er als Betreiber einer Lodge seine beiden Studiengänge, Umweltschutz und Kunst, verquicken. „Vier, fünf Stunden mit dem Powerboat entfernt“ von der Großstadt Iquitos lud der Maler in eine Dschungel-Lodge ein. Die Gäste im Amazonas kamen meist aus Europa. „Südamerikaner gehen nicht in den Urwald. Das ist nicht cool“, erklärt Laime lachend. Er ist dagegen die Ausnahme, findet er den Regenwald doch „paradiesisch“. Sicher auch deswegen mischt der 44-Jährigen schon mal getrocknete Blätter ins Bild. „Die überschäumende Biodiversität fließt in meine Kunst ein. Die Landschaften sind dort traumhaft“, schwelgt der Künstler in Erinnerungen.

Das Paradies verließ der Peruaner vor sieben Jahren: Hochwasser „beschädigte die Lodge schwer“. Weil die Reparatur zu kostspielig war, machte sich Laime dorthin auf, von wo auch Gäste und sein Partner im Regenwald gekommen waren: gen Deutschland. Im Frankfurter Stadtteil Fechenheim konstatierte Laime rasch: „Künstler im Vollzeitjob zu sein ist schwierig, vor allem als Künstler in einem fremden Land. Da braucht man viel Selbstvertrauen“, räumte er damals gegenüber dem „Fechenheimer Anzeiger“ ein.

Doch rasch lernte Laime die Sprache, wurde Mitglied im bekannten Kunstverein „Eulengasse“ und konnte von seiner Malerei – gepaart mit Unterricht und Workshops in der Mainmetropole – leben. Dank mehrerer Einzel- und Gruppenausstellungen machte sich der Südamerikaner einen Namen in Frankfurt. Im Blog und auf seinen Webseiten ist der umtriebige Expressionist mittlerweile dreisprachig unterwegs.

Nicht lamentieren beim Arten- und Umweltschutz

Erste Zeichnungen in kleinen Formaten aus Reichental, Lautenbach und vom Stadtjubiläum, wobei er Fotos davon nutzte, hat Laime bereits entworfen. Parallelen zu seiner früheren Zeit entdeckt der Peruaner immer mehr: „Hier sind auch viele deutsche Touristen unterwegs, die die Schönheiten genießen. Mich interessiert im Murgtal der Wald. Er ist ein bisschen wie im Amazonas – aber natürlich doch anders.“ Entsprechend will sich der 44-Jährige einmal mehr auf „Arten- und Umweltschutz fokussieren“. Der Künstler will dazu wieder Workshops anbieten und sich mit Naturschutzorganisationen der Region zusammentun, um den Menschen die Artenvielfalt näherzubringen.

Zudem plant Laime „eine Amazonas-Ausstellung, vielleicht in Karlsruhe oder Freiburg. Das ist sehr wichtig“, betont er und schließt mit seiner ansteckenden südamerikanischen Heiterkeit: „Über den Klimawandel zu lamentieren, das bringt nichts. Man darf nicht resignieren!“

www.arturolaime.de

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Erstellt:
11. April 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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