„Der Weg, der uns durch die Pandemie bringt“

Karlsruhe (win) – Beim bundesweiten Impfstart sind am Sonntag auch in der Messe Karlsruhe Menschen geimpft worden. Oberarzt Achim Aisenbrey vom Städtischen Klinikum Karlsruhe war der erste.

Im Karlsruher Impfzentrum erhält zunächst einmal Oberarzt Achim Aisenbrey von der Corona-Station die Schutzimpfung. Foto: Winfried Heck

© Winfried Heck

Im Karlsruher Impfzentrum erhält zunächst einmal Oberarzt Achim Aisenbrey von der Corona-Station die Schutzimpfung. Foto: Winfried Heck

Kurz nach 8 Uhr morgens traf der Impfstoff im Zentralen Impfzentrum in der Messe Karlsruhe ein, bereits drei Stunden später rückten die Mobilen Impfteams aus, um in zwei Seniorenheimen in Karlsruhe und Rheinstetten Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal zu impfen.
Kurz nach 14 Uhr wurde dann auch der erste „Impfling“ in der Messe Karlsruhe mit dem neuen Corona-Impfstoff aus dem Hause BionTech/Pfizer geimpft. Am Montag ist laut Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup im Zentralen Impfzentrum noch eine Art „Probebetrieb“ geplant, ab Dienstag sollen möglichst die ersten Termine für Menschen angeboten werden, die sich über die bundesweite Hotline angemeldet haben. Die Zahl der Mobilen Impfteams, die ausschließlich Senioren- und Pflegeheime ansteuern werden, soll zudem sehr zügig auf fünf gesteigert werden.

Oberarzt Achim Aisenbrey vom Städtischen Klinikum Karlsruhe war von Anfang an in der dortigen Corona-Station im Einsatz. Jetzt wurde der 35-Jährige gefragt, ob er bereit sei, sich als „Patient Zero“ (Mentrup) zur Verfügung zu stellen. Er habe sich nicht vorgedrängt und betrachte es durchaus als Privileg, so früh an der Reihe zu sein. Dass er sich impfen lassen würde, bedurfte keinerlei Diskussion, so wie er sich auch jedes Jahr gegen Grippe impfen lässt. „Das ist der Weg, der uns durch die Pandemie bringen wird. Jede Impfung zählt, jede Impfung ist wichtig.“ Aisenbrey weiß, wovon er spricht. „Ich habe auf der Corona-Station viele Patienten mit schrecklichen Verläufen erlebt. Wenn man sieht, was die Krankheit auch bei jungen Menschen anrichten kann, die vermeintlich keine Vorerkrankungen haben, dann macht das nachdenklich.“

Wer geimpft worden ist, bekommt es in einem Impfausweis bestätigt. Foto: Winfried Heck

© Winfried Heck

Wer geimpft worden ist, bekommt es in einem Impfausweis bestätigt. Foto: Winfried Heck

Obwohl vom Fach, musste sich aber auch Aisenbrey dem üblichen Prozedere unterwerfen. Ausweis und Impfausweis zeigen, bestätigen, dass er keinen Infekt hat und sich belehren lassen und die Informationsblätter studieren. Von Dr. Philipp Morakis aus Stuttgart bekam er nach einer weiteren Belehrung und einigen weiteren Fragen das Impfserum verabreicht, die Impfung selbst dauerte nur Sekunden und verlief völlig problemlos. „Nicht anders als gegen Grippe, Masern oder Tetanus geimpft zu werden,“ sagte er.

Zweite Impfdosis zum Geburtstag

Auch bei Rosa Maria Neu, einer 87-jährigen Bewohnerin des Seniorenheims am Rösselsbrünnle in Rheinstetten, gab es keinerlei Komplikationen. Hier war seit dem Vormittag ein Mobiles Impfteam unter Leitung von Dr. Lutz Zöller aus dem Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe im Einsatz und hatte vor Frau Neu bereits 18 Bewohner und 16 Mitarbeiter geimpft. Frau Neu war lediglich über den Menschenauflauf etwas verwundert. „Eigentlich bin ich gar nicht fotogen“, scherzte sie.

Als Dr. Zöller nach Befragung über mögliche Infekte sich auf die „Suche nach dem Oberarmmuskel“ machte, in den er das Serum einspritzen müsse, bemerkte sie trocken: „Da werden sie nichts finden.“ Und lachte. Der Piks selbst war dann nicht schlimmer als bei der Grippeimpfung, die sie im November erhalten hatte. Am 17. Januar wird sie die zweite Dosis bekommen und danach mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun gegen das Virus sein, gerade rechtzeitig, um ihren 88. Geburtstag zu feiern.

Extrem wichtig im Zusammenhang mit den Impfungen ist die Dokumentation des Impfvorgangs selbst. „Wir müssen auch nach Jahren noch nachvollziehen können, wer wann wo und mit welchem Serum geimpft wurde“, sagt Dr. Andreas Ruf, der Leiter des Zentralen Impfzentrums in der Messe Karlsruhe. „Nur dann funktioniert die Qualitätssicherung, nur dann können wir auf eventuelle Fehler reagieren.“ Dies sei auch wichtig im Hinblick auf künftige Mutationen des Virus‘, um zu sehen, ab wann das Serum seine Wirkung verliert. „Jetzt wild drauf los zu impfen ohne die Daten aufzunehmen, wäre ein Fehler, der nur schwer oder gar nicht zu heilen wäre.“

Bis in der Messe Karlsruhe der Normalbetrieb mit dann bis zu 1500 Impfungen täglich läuft, wird es wohl noch einige Tage, wenn nicht gar Wochen dauern. Limitierender Faktor ist die zur Verfügung stehende Menge Impfstoff. Nur 1.000 Impfdosen umfasste die erste Lieferung, mehr soll aber in den kommenden Tagen geliefert werden. Und es gibt Hoffnung, dass schon bald ein zweiter Impfstoff zugelassen wird. Anmelden zur Impfung kann man sich unter der bundesweiten Rufnummer 116 117 oder hier.


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