Weg zur Megafusion der Volksbanken geebnet

Offenburg/Villingen-Schwenningen (tas) – In Baden-Württemberg entsteht ein neues genossenschaftliches Großinstitut. Nur die Vertreterversammlungen müssen noch zustimmen.

Markus Dauber, Vorstandschef der Volksbank in der Ortenau: „Es geht bei der Fusion nicht um Personaleinsparungen.“ Foto: Volksbank

© Volksbank in der Ortenau

Markus Dauber, Vorstandschef der Volksbank in der Ortenau: „Es geht bei der Fusion nicht um Personaleinsparungen.“ Foto: Volksbank

Im Südwesten wird eine der größten Volksbanken in Deutschland entstehen. Am Donnerstag teilten die Volksbank in der Ortenau und die Volksbank Schwarzwald Baar Hegau mit, dass sie den Verschmelzungsprozess der beiden genossenschaftlichen Institute eingeleitet haben.

Seit Wochen verhandeln die Vorstände der beiden Banken über den Zusammenschluss, nun haben die jeweiligen Aufsichtsratsgremien beider Institute grünes Licht für den Fusionsvertrag gegeben. Mit einer Bilanzsumme von mehr als acht Milliarden Euro, einem Kreditvolumen von knapp 5,5 Milliarden Euro, 115000 Mitgliedern und 238000 Kunden wird eine der größten Genossenschaftsbanken in Deutschland entstehen.

Markus Dauber, Vorstandschef der Volksbank in der Ortenau, rechnet damit, dass die neue Bank mit dem Namen Volksbank im Südwesten in drei bis vier Jahren bereits auf eine Bilanzsumme von zehn Milliarden Euro wachsen wird. Damit würde das Institut zu den Top-5-Volksbanken in Deutschland zählen.

Das künftige Geldhaus werde in zwei große Regionalmärkte untergliedert und in insgesamt sieben Marktbereichen aufgeteilt, die Bank soll von den beiden Zentralen in Offenburg und Villingen aus von Dauber und Joachim Straub, dem Chef der Volksbank Schwarzwald Baar Hegau, als Co-Vorstandsvorsitzende gelenkt werden.

Dass das gemeinsame Geschäftsgebiet geografisch nicht verbunden ist, stört die Verantwortlichen anscheinend nicht: „Die regionalen Grenzen spielen im digitalen Zeitalter eine immer kleinere Rolle“, sagte Joachim Straub am Donnerstag im Rahmen einer Videokonferenz. Er zeigte sich aber zugleich offen für weitere Gespräche mit den benachbarten Volksbanken. In den kommenden beiden Jahren werde die neue Volksbank im Südwesten jedoch erst einmal mit ihrem eigenen Integrationsprozess beschäftigt sein.

Er und seine künftig fünf Vorstandskollegen sind davon überzeugt, dass die physische Kraft einer Bank in den kommenden Jahren entscheidend für den Geschäftserfolg sein wird. Ein „weiter so“ werde in keinem Zukunftsszenario möglich sein. „Nicht nur die zahlreichen Herausforderungen, die wir in ‚normalen Zeiten‘ zu bewältigen haben, sondern auch die aktuelle Extremsituation, die durch die Corona-Virus-Pandemie ausgelöst wurde (...), zeigen deutlich, dass wir die vielfältigen Aufgaben ‚besser gemeinsam als jeder alleine‘ schaffen“, hieß es.

„Größe ist relativ, aber Größe bedeutet auch mehr Schwungmasse“, sagte Straub. Diesen Zuwachs an gleichlaufender Schwungmasse will die Regionalbank dafür einsetzen, auch in Zukunft noch attraktiv für Kunden zu sein – beispielsweise um noch größere Kreditengagements einzugehen oder über mehr Finanzkraft für Investitionen in Zukunftstechnologien zu verfügen.

Durch den Zusammenschluss beider Institute bekommen auch die knapp 1000 Beschäftigten der Bank an den insgesamt 37 Standorten mehr Einfluss auf die Geschäftstätigkeit. Die Belegschaft wird künftig im neuen 45-köpfigen Aufsichtsrat 15 Mitglieder stellen. Dauber betonte: „Es geht bei der Fusion nicht um Personaleinsparungen. Beide Banken laufen unter Volllast, jeder wird gebraucht. Niemand muss sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen.“

Ob die Vertreterversammlungen beider Banken die Verschmelzung noch im Juni beschließen können, steht aufgrund der Corona-Pandemie allerdings noch in den Sternen. Geht beim Zeitplan alles glatt, könnte im November bereits die technische Fusion über die Bühne gehen.

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Erstellt:
27. März 2020, 06:55 Uhr
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