Der goldene Glanz bröckelt

Baden-Baden/München (fk) – Die Bambi-Gala kämpft um ihre Existenz: Veranstalter Burda will ein neues Konzept und erteilt Baden-Baden für 2020 eine Absage.

Vorerst ein einmaliges Schauspiel: Das Baden-Badener Festspielhaus wurde 2019 mit viel Aufwand ins Galakleid für die Bambiverleihung gezwängt. Fortenbacher/Archiv

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Vorerst ein einmaliges Schauspiel: Das Baden-Badener Festspielhaus wurde 2019 mit viel Aufwand ins Galakleid für die Bambiverleihung gezwängt. Fortenbacher/Archiv

Alles Beteuern, alles Hoffen, es hat nichts gebracht: Das Bambi und Baden-Baden gehen getrennte Wege – zumindest 2020. Die altehrwürdige Preisverleihungsgala wird nicht im Festspielhaus, wird nicht in der Stadt an der Oos stattfinden. Das sickerte am Donnerstag aus Kreisen des Veranstalters, der Offenburger Hubert Burda Media, an die Presse durch. Grund ist die Entscheidung der ARD, die Gala rund um das goldene Rehkitz nicht mehr zu übertragen. Im Burda-Media-Turm an der Kinzig und in der Zweigstelle in München steht deshalb das ganze Konzept auf dem Prüfstand. Offiziell will zwar niemand die Existenz des Bambi infrage stellen, aber es wird und es muss wohl Veränderungen geben.

Burda beteuert: „Bambi wird es immer geben“

Zwar hatte Burda-Vorstandsmitglied Philipp Welte noch vor knapp zwei Wochen mit Blick auf die mediale Reichweite beteuert: „Bambi wird es immer geben. Es ist eine multimediale journalistische Plattform geworden, die würdigt, was den Menschen wichtig ist.“ Aber schon damals wird vielen hinter den Kulissen klar gewesen sein, dass der Wegfall der TV-Übertragung ein herber Schlag und quasi ein Angriff auf die Existenzberechtigung der Galashow ist. Denn zumindest unter Society-Journalisten wurde längst getuschelt, dass so manch Star nur noch zur Bambi-Verleihung komme, weil er davon ausgehe, dass sein Film gewinne und er diesen und sich selbst so im TV promoten könne. Nicht von ungefähr will Burda daher das gesamte mediale Konzept und den Aufbau der Veranstaltung auf den Prüfstand stellen – so zumindest verlautet es offiziell aus der hauseigenen Pressestelle in München.

Noch drängender dürfte aber der Aspekt der zukünftigen Finanzierung der Preisverleihungsgala sein. Sie soll, so ergaben BT-Recherchen, ebenfalls ein großes Fragezeichen auf der Liste der Bambi-Macher sein.

All das führte, so war aus Kennerkreisen weiter zu erfahren, zu der Absage für Baden-Baden. Denn eigentlich hatte sich Burda eine Option beim Festspielhaus auf eine Neuauflage der Gala 2020 ausbedungen. Diese hat der Medienkonzern am Donnerstag zurückgezogen. Man bedauere diesen Schritt sehr, hieß es aus der Burda-Pressestelle. Die zurückliegende Verleihung in Baden-Baden sei sehr schön und positiv verlaufen, die Absage der ARD lasse aber aktuell keine andere Entscheidung zu. Es müsse zunächst geklärt werden, wie es mit dem Bambi weitergeht.

Baden-Baden bleibt für Zukunft potenzieller Veranstaltungsort

Dass es eine Zukunft für das goldene Rehkitz gibt, daran will man indes keine Zweifel zulassen. Ob die sich allerdings noch im TV abspielen wird, oder etwa nur noch online, das gelte es zu überprüfen. Solange all das nicht geklärt sei, wolle man auch keine Aussagen über zukünftige Standorte der Verleihung nach 2020 treffen. Baden-Baden bleibe aber auf der Liste. Die ARD hatte Anfang Februar in Bezug auf die Bambi-Übertragung schmallippig mitgeteilt: „Der Vertrag ist 2019 ausgelaufen; in der ARD gab es ein Votum, keinen neuen Vertrag zu schließen.“ Gründe nannte das Senderkonsortium keine, aber das öffentlich-rechtliche Fernsehen wie auch der Rundfunk unterliegt schon seit geraumer Zeit einem selbst auferlegten Spardiktat und das Format der Samstag-Abend-Gala verliert im TV seit Jahren zunehmend an Bedeutung.

Stadt: „Die Türen bleiben offen“

Von städtischer Seite gab es in Baden-Baden erwartungsgemäß Bedauern über die Absage zu hören. Aber, so verlautete es aus dem Rathaus, bei Burda wisse man, dass die Türen in der Kurstadt immer offen stünden, auch für andere Formate – sowohl Bambi im neuen Kleid als auch gänzlich andere Veranstaltungen des Medienunternehmens, betonte Stadtpressesprecher Roland Seiter. Eine ähnlich gelagerte Antwort kam aus dem Festspielhaus. Intendant Benedikt Stampa sagte: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir nach der erfolgreichen Premiere weiterhin der Gastgeber hätten sein dürfen. Baden-Baden und das Festspielhaus haben bewiesen, dass solche Veranstaltungen hier ein besonderes Flair entwickeln.“ Auch er betonte, dass die Tür immer offenstehen werde. Mit Blick auf die Zukunft äußerte Stampa gegenüber dem BT: „Vielleicht kommt Bambi in neuer Form einmal zurück. Das würde mich sehr freuen.“

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Erstellt:
21. Februar 2020, 05:00 Uhr
Lesedauer:
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