Der graue „Lappen“ hat auch in Bühl ausgedient

Bühl (BNN) – Der Austausch von Führerscheindokumenten führt zu einem großen Ansturm bei den Gemeindeverwaltungen in Ottersweier und Bühl.

Verliert seine Gültigkeit: Wer noch das alte und farblose Dokument als Fahrerlaubnis bei sich trägt, muss dieses nun tauschen. Foto: Friso Gentsch/dpa

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Verliert seine Gültigkeit: Wer noch das alte und farblose Dokument als Fahrerlaubnis bei sich trägt, muss dieses nun tauschen. Foto: Friso Gentsch/dpa

Die Bühler Autofahrer hängen an ihren alten grauen „Lappen“. Das großformatige vierseitige Dokument wurde bis 1986 nach bestandener Führerscheinprüfung ausgehändigt und hat jetzt ausgedient. Der Umtausch bereitet Sandra Liebich, der Leiterin der Abteilung Bürgerservice im Bühler Rathaus, und ihrem Team allerdings jede Menge zusätzliche Arbeit. Bis zum 19. Januar haben die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 noch Zeit, ihre bisherigen Führerscheine gegen die neuen im Scheckkartenformat einzutauschen. Die sind in der gesamten Europäischen Union einheitlich und sollen besser gegen Fälschungen geschützt sein.

„Die Nachfrage ist groß“, sagt Liebich. „Vor allem in der vergangenen Woche, als wir wegen Feiertag und Brückentag nur drei Arbeitstage zur Verfügung hatten, kam es zu längeren Schlangen.“ Der Urlaub von Kollegen und ein Quarantänefall wegen Corona verschärften die Situation. Mehr als 80 Anträge sind inzwischen im Bürgerservice eingegangen.

„Meistens legen die Leute tatsächlich noch den grauen Führerschein vor“, berichtet Liebich. Nur wenige Autofahrer haben die Möglichkeit genutzt, diesen ab 1986 gegen das deutlich kleinere rosafarbene und faltbare „Modell der Europäischen Gemeinschaft“ umzutauschen.

Bearbeitungszeit aktuell mehrere Monate

Doch auch das war nur ein Provisorium. 1999 gab es bereits die nächste Reform, der rosa Führerschein hatte ausgedient und wurde durch die Scheckkarte ersetzt. Die bereits ausgestellten grauen und die rosafarbenen Dokumente behielten aber ihre Gültigkeit, zumindest bis jetzt. „Fast immer wollen die Bürger ihren alten Führerschein behalten“, sagt Liebich. „Vermutlich aus nostalgischen Gründen oder wegen des Passfotos, das sie meistens im Alter von
18 Jahren zeigt.“ Wer will, darf die graue Fahrerlaubnis nach Ausstellung des neuen Ausweises auch mit nach Hause nehmen. Der Bürgerservice macht das Dokument in diesem Fall lediglich ungültig.

Für den Antrag auf den neuen Führerschein müssen die Antragsteller eine Kopie des bisherigen Führerscheins, ihren Personalausweis und ein biometrisches Lichtbild vorlegen. Die Daten werden geprüft. Die Stadt ist in diesem Fall nur Dienstleister und erledigt diese Arbeit kostenlos. „Wir leiten die Unterlagen an das Landratsamt weiter“, berichtet Liebich. „Die Bearbeitungszeit dort beträgt aktuell zwischen zwei und vier Monaten.“

Wer nach dem 19. Januar mit dem alten Führerschein unterwegs ist, muss allerdings zunächst bei einer Kontrolle keine Strafe befürchten. Diese Regelung gilt bis zum 19. Juli. „Wir stellen allerdings keine Bescheinigungen aus, mit denen Autofahrer nachweisen können, dass sie einen Antrag auf den neuen Führerschein gestellt haben“, berichtet die Abteilungsleiterin.

Vorherige telefonische Absprache empfohlen

Liebich bittet wegen des großen Ansturms in ihrer Abteilung alle jüngeren Autofahrer, aktuell keine Fahrerlaubnis im Scheckkartenformat zu beantragen. „Die sollen bitte bis im Sommer warten“, sagt sie. „Bis dahin hat sich die Lage entspannt.“ Wegen steigender Coronazahlen müssen sie und ihr Team aktuell zusätzlich zur normalen Arbeit die Einhaltung der 3G-Regeln kontrollieren.

Das sorgt für Stress. Liebich empfiehlt deshalb jedem, der einen neuen Führerschein oder Personalausweis beantragen will, eine vorherige telefonische Terminabsprache. „Das verkürzt die Wartezeiten“, sagt sie. Die neuen Führerscheine können nach der Fertigstellung im Rathaus abgeholt werden. Die Fahrt zum Landratsamt nach Rastatt ist also in jedem Fall unnötig.

Auch im Ottersweierer Rathaus bereitet der Umtausch dem Bürgerservice jede Menge Arbeit. In diesem Jahr sind bereits 23 Anträge eingegangen. „Diese Woche sind noch neun Termine für den Umtausch im Online-Termintool gebucht“, berichtet Bürgermeister Jürgen Pfetzer. „Oftmals sind es aber Personen, die noch nicht umtauschen müssten. Dies liegt teils an mangelhafter Informationspolitik. Die Führerscheininhaber verstehen nicht, wann wer dran ist. Hier sollten Informationen in einfacherer und kürzerer Form zur Verfügung gestellt werden. Wir drängen zwar auf Terminvereinbarung, jedoch stehen auch viele Leute ohne Termin vor der Tür.“

Im Landratsamt ist man nicht unglücklich, dass die Gemeindeverwaltungen kräftig helfen. „Der Antrag auf Umtausch des Führerscheines kann bei jeder Gemeindeverwaltung im Landkreis gestellt werden“, berichtet Pressesprecher Benjamin Wedewart. „Eine Antragstellung direkt bei der Fahrerlaubnisbehörde ist nicht möglich.“

Riesiger Verwaltungsaufwand

Sämtliche vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Führerscheine müssen zeitlich gestaffelt bis 2033 umgetauscht werden. Die Geburtsjahrgänge 1959 bis 1964 müssen ihren Führerschein bis zum 19. Januar 2023 umtauschen. Die Jahrgänge 1965 bis 1970 folgen 2024 mit einer Frist bis zum
19. Januar. Führerscheininhaber, die 1971 oder später geboren sind, müssen ihren Schein bis 2025 umtauschen. Bei Dokumenten, die ab dem 1. Januar 1999 ausgestellt worden sind, richtet sich der Umtauschzeitraum nach dem Ausstellungsjahr des Führerscheins. Die Jahre 1999 bis 2001 haben eine Frist bis zum 19. Januar 2026. Der Landkreis Rastatt kassiert für den Umtausch Gebühren von derzeit 25,30 Euro. Die Polizei kassiert von säumigen Autofahrern ein Verwarnungsgeld in Höhe von zehn Euro. Ungültig wird dabei allerdings nur das Ausweisdokument. Die Fahrerlaubnis bleibt weiterhin gültig.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
12. Januar 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 35sec

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