Besuch auf der Straußenfarm in Schwarzach

Rheinmünster (vr) – Das Federvieh der Superlative war wegen seines Fleisches und Leders sowie seiner Federn zeitweise für den Menschen von so großem Interesse, dass es in vielen seiner Heimatregionen nahezu ausgerottet war. Als beispielsweise im 18. Jahrhundert Straußenfedern als Hutschmuck der reichen Damen Europas en vogue waren, nahm die Jagd auf diese Vögel solche Ausmaße an, dass sie tatsächlich den Bestand der Art bedrohten.

Stolzer Gang: Der Blauhals-Strauß fühlt sich in den weitläufigen Gehegen sehr wohl. Gerade die Hähne bringen es auf eine beeindruckende Größe. Foto: Rechel

© vr

Stolzer Gang: Der Blauhals-Strauß fühlt sich in den weitläufigen Gehegen sehr wohl. Gerade die Hähne bringen es auf eine beeindruckende Größe. Foto: Rechel

Doch davon kann heute keine Rede mehr sein, und vor allem nicht bei den Blauhalsstraußen, wie sie Rudi Zimmer auf seiner Straußenfarm in Schwarzach bei Rheinmünster züchtet. „Ihre Federn sind nicht so schön wie bei den Schwarzhalssträußen, dafür haben sie mehr Fleisch auf den Rippen“, erklärt der Strauß-Experte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich schon mit der Haltung und Zucht von Straußen. 2004 fing er mit einem Hahn und drei Hennen an. Inzwischen hat er vier Hähne und elf Hennen, die ihm pro Jahr rund 100 Jungtiere für Fleisch bringen. Da es mager, eiweißreich und im Vergleich zu anderen Fleischarten sehr cholesterinarm ist, gilt es zunehmend als kulinarischer Trendsetter. Eine erstaunliche Karriere für eines der ältesten Tiere der Welt.

Der Strauß hat die größten Augen aller Landwirbeltiere mit Wimpern, die eigentlich Federn sind. Foto: Rechel

© vr

Der Strauß hat die größten Augen aller Landwirbeltiere mit Wimpern, die eigentlich Federn sind. Foto: Rechel

Rund 250 Zuchtbetriebe in Deutschland beliefern den heimischen Markt. Rudi Zimmer ist einer von ihnen. „Bei uns legen die Strauße von März bis September Eier, weil das bei uns die wärmste Zeit ist“, erzählt er. In ihrer Heimat Afrika dagegen ist es klimamäßig genau umgekehrt. Doch Strauße sind ausgesprochen anpassungsfähig und fühlen sich deshalb in Schwarzach auf ihren weitläufigen Gehegen sehr wohl.

Im Brutschrank werden die Straußeneier mit einem Durchmesser von gut 15 Zentimeter künstlich ausgebrütet. Foto: Rechel

© vr

Im Brutschrank werden die Straußeneier mit einem Durchmesser von gut 15 Zentimeter künstlich ausgebrütet. Foto: Rechel

„Die artgerechte Haltung der Tiere liegt uns sehr am Herzen“, betont Rudi Zimmer. Wenn die Küken geschlüpft sind, kommen sie erst mit einem halben Jahr ins Gehege, wo sie Tag und Nacht herumlaufen können. Vorher sind sie nicht groß genug, um sich gegen die Füchse zu wehren, die das zarte Fleisch ebenfalls als Leckerbissen schätzen. Mit 15 bis 18 Monaten werden sie geschlachtet, während die Zuchttiere nach 15 Jahren abgegeben werden etwa an einen Zoo oder Tierpark.

Der kleine Strauß links ist total erschöpft, der rechte hat es auch bald geschafft. Foto: Rechel

© vr

Der kleine Strauß links ist total erschöpft, der rechte hat es auch bald geschafft. Foto: Rechel

Die Hennen legen jeden zweiten Tag ein Ei, die eine Woche lang gesammelt und dann bei 36,4 Grad für 42 Tage in den Brutschrank kommen. Nur so ist eine wirtschaftliche Haltungsweise möglich. „Wenn die Henne einmal im Jahr gebrütet hat, legt sie nämlich keine Eier mehr“, so Zimmer. Andernfalls legt sie circa 30 bis 70 Stück pro Jahr. Die überschüssigen Eier werden zu cholesterinarmen Straußennudeln verarbeitet. Überhaupt ist der Strauß, abgesehen von seinem Fleisch, komplett verwertbar. Die Haut wird roh gesalzen, dann von einem französischen Händler nach Afrika geliefert und dort zu Handtaschen und Accessoires verarbeitet. Straußenleder ist sehr weich und gleichzeitig ungeheuer strapazierfähig, was die Damentaschen daraus bis heute zu einem begehrten Luxusartikel macht. Die Staubwedel aus Straußenfedern dagegen mussten sprichwörtlich Federn lassen und antistatischen Microfasertüchern weichen. Sie eignen sich heute eigentlich nur noch als nostalgisches Zierstück.

Rudi Zimmer mit einem seiner Straußen-Küken. Foto: Rechel

© vr

Rudi Zimmer mit einem seiner Straußen-Küken. Foto: Rechel

Zum Artikel

Erstellt:
24. Juni 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 18sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.