Der letzte Küfer im Elsass

Kutzenhausen (vkn) – Der Letzte seiner Art: Ernest Ehresmann aus Kutzenhausen im Elsass hält die Profession des Küfers am Leben: Er zimmert Holzfässer. Allerdings nur noch zu Schauzwecken.

In ehrlicher Handarbeit fertigt Ehresmann kleine Holzfässer. Früher verkaufte er sie an Winzer. Foto: Volker Knopf

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In ehrlicher Handarbeit fertigt Ehresmann kleine Holzfässer. Früher verkaufte er sie an Winzer. Foto: Volker Knopf

Gänzlich dem Material Holz hat sich Ernest Ehresmann aus Kutzenhausen im nördlichen Elsass verschrieben. Der putzmuntere 89-Jährige hält die Profession des Küfers am Leben. Er zimmert Holzfässer für die Weinernte aus Eiche oder Kastanie. Allerdings nur noch zu Schauzwecken. Denn der Beruf ist schon lange ausgestorben.
Insbesondere im Bauernhof-Museum „Maison rurale de l`Outre Foret“ in seinem Heimatort, das aktuell natürlich geschlossen hat, zeigt er ehrenamtlich Kindern, wie Böttcher oder Fassbinder, wie das Metier auch genannt wird, arbeiten.

„Früher hat jedes Dorf im Elsass seinen Küfer gehabt“

„Früher hat jedes Dorf im Elsass seinen Küfer gehabt. Aber mit der industriellen Produktion und dem Siegeszug des Kunststoffs war das alles vorbei“, sagt der Pensionär ohne einen Anflug von Wehmut. Die Zeiten ändern sich eben. Man musste sich anpassen. Auch Ernest Ehresmann passte sich an und ging in die Fabrik, um die Familie durchzubringen.

Dem Material Holz blieb der Elsässer trotzdem treu und richtete sich im Keller eine kleine Werkstatt ein. Dort fertigte er weiter wie anno dazumal Fässer oder Weintrichter für die Ente an und verkaufte sie an Liebhaber sowie die örtlichen Winzer und Großwinzer an der elsässischen Weinstraße. Rund 15 Stunden benötigt er, bis ein Holzfass fertiggestellt ist. Harte körperlich Arbeit, die ihm aber nach wie vor trotz seines fortgeschrittenen Alters enorm viel Freude bereitet.

Mit Hammer und Drechselbank rückt er dem Holz zu Leibe, setzt mit einer seiner Schablonen immer wieder an, um auszumessen, schaut akribisch nach, ob die Daube richtig sitzt. Die Winkel müssen exakt passen.

Am Ende entsteht ein Weinfass mit einer Technik, die bereits im ersten Jahrhundert v. Chr. in Gallien bekannt war. Auch die Arbeit des Wagners, der einst zu Schabhobel oder Schmiege griff, kennt Ehresmann aus dem Eff-Eff.

Zuweilen bekommt er sein Holz direkt aus dem nahen Haguenauer Forst. Außer ihm kennt er im Elsass nur noch einen Hobby-Küfer im Winzerort Barr in der Nähe der Vogesen, der sich dem alten Handwerk widmet, wie der rüstige Senior in elsässischer Mundart berichtet. Dem passionierten Handwerker bereitet es viel Vergnügen, wenn er das alte Wissen des Küfers im Bauernhof-Museum mit seinen Werkstätten an die jüngere Generation weitergeben kann.

Kein Nachfolger in Sicht

Auch eine alte Schmiede, eine Schuhmacherei, eine Backstube, Viehhaltung oder ein Schulklassenzimmer von anno dazumal gibt es in der Einrichtung westlich von Seltz, welches nachkommenden Generationen das bäuerliche Leben um 1900 näherbringen möchte.

Allerdings: Im aktuellen Corona-Jahr war er nur selten als „Schau-Küfer“ bei öffentlichen Veranstaltungen im Einsatz. Ob Bauern-, Ostern- oder Weihnachtsfest im Museum – alles abgesagt. „Und mit 89 Jahren kann man jetzt auch mal einen Schritt zurückmachen. Ich kann ja zu Hause in der Werkstatt noch ein bisschen für mich arbeiten“, denkt er an seine endgültige „Pension“ vom Ehrenamt.

Schade sei allerdings, dass das Museum in der Pamina-Region bislang keinen Nachfolger für sein Gewerk finden konnte und vermutlich auch nicht finden wird, wie er anmerkt.

Wer weiß, eventuell kommt der hochbetagte Mann mit der blauen Latzhose dann 2021 nach einem möglichen Pandemie-Ende doch noch mal zum Einsatz. Zuzutrauen wäre es ihm.

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Erstellt:
30. Dezember 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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