Der unerfüllte Traum vom Eigenheim in Mittelbaden

Rastatt (sie) – Überhitzter Immobilienmarkt: Seit zwei Jahren versucht das Ehepaar Heißwolf mit seinen zwei kleinen Kindern, eine Immobilie im Raum Rastatt zu kaufen - bislang vergeblich.

Beengte Verhältnisse: Isabel und Steffen Heißwolf spielen mit ihren Kindern in ihrer Wohnung. Sie träumen vom Eigenheim mit Garten. Foto: Holger Siebnich

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Beengte Verhältnisse: Isabel und Steffen Heißwolf spielen mit ihren Kindern in ihrer Wohnung. Sie träumen vom Eigenheim mit Garten. Foto: Holger Siebnich

Die Excel-Tabelle auf dem Laptop von Steffen Heißwolf umfasst 16 Zeilen. In jeder Zeile stehen Eckdaten einer Immobilie, die er und seine Frau Isabelle in den vergangenen zweieinhalb Jahren besichtigt haben. Hinter jedem Eintrag steckt eine Geschichte, die mehrmals in einer Enttäuschung endete. Die Heißwolfs träumen wie viele junge Familien vom Eigenheim mit Garten in Mittelbaden. Bislang vergeblich.
Steffen Heißwolf platziert den Laptop auf der Arbeitsplatte der Küche, weil auf dem kleinen Tisch daneben nicht genug Platz ist. Der Raum ist ein schmaler Schlauch, die Gastherme an der Wand wummert in regelmäßigen Abständen. Vor knapp zehn Jahren sind er und seine Frau mit Mitte 20 nach ihrem Studium in den 80-Quadratmeter-Altbau in Karlsruhe eingezogen. „Das hat damals in unser Lebenskonzept gepasst“, sagt er. Doch seit drei Jahren sitzt Tochter Lara mit am Tisch, vor acht Monaten kam Elias zur Welt. Die Familie hat es sich in ihren drei Zimmern gemütlich gemacht, aber die Sehnsucht nach mehr Platz ist groß.

Die Eltern arbeiten als Bauingenieure, er in Baden-Baden, sie in Karlsruhe. Am liebsten würden sie in den nördlichen Landkreis Rastatt ziehen, in eine kleinere Kommune mit guter Infrastruktur und Natur. „Kuppenheim wäre unser Wunschort“, sagt Steffen.

Extrem hohe Nachfrage, sehr kleines Angebot

Das im besten Fall frei stehende Eigenheim mit kleiner, grüner Oase: Diesen Wunsch haben viele, wie auch Björn Disse vom Kuppenheimer Maklerbüro „Jutt und Disse“ weiß. Der extrem hohen Nachfrage stehe ein nur sehr kleines Angebot gegenüber. Darüber hinaus treiben Niedrigzinsen und hohe Baukosten die Preise immer weiter nach oben. Ein Ende der Spirale sehen Experten nicht. Hans-Michael Gieske, Leiter des Immobiliencenters der Sparkasse Rastatt-Gernsbach, sagt: „Ich glaube nicht, dass die Preise wieder runterkommen.“

2019, als die Heißwolfs mit ihrer Suche begannen, war die Situation bereits angespannt. Doch davon ließen sie sich nicht abschrecken. Die erste Immobilie, die sie besichtigten, kam für die Familie nicht infrage. „Das war nix“, erinnert sich Isabelle. Aber damit hatten sie auch nicht ernsthaft gerechnet. Es ging darum, einfach mal loszulegen und ein Gefühl für den Markt und auch die eigenen Wünsche zu bekommen. Haus Nummer vier wäre ein Volltreffer gewesen. Im April 2020 schauten sie sich eine Immobilie in Oberndorf mit großem Grundstück an. Der Preis aus heutiger Sicht schon fast ein Schnäppchen: 458.000 Euro. „Wir haben uns gleich verliebt in das Haus“, sagt Steffen. In Gedanken spielte er schon einmal die Sanierung durch.

„Muss immer bereit sein, etwas draufzulegen“

Doch obwohl die Gespräche gut verliefen waren, platzte der Traum und ein anderer Interessent erhielt den Zuschlag. Woran es im Einzelfall genau gelegen hat, wissen sie nicht: „Das erfährt man ja nicht.“ Ein Knackpunkt ist natürlich oft das Geld. Die vermeintlichen Festpreise in Immobilienanzeigen haben sich längst zu Mindestgeboten entwickelt: „Man muss immer bereit sein, etwas draufzulegen“, schildert Steffen seine Erfahrungen.

Sechs der 16 Häuser, die sie besichtigt haben, hätten sie gern gekauft. Und gingen doch immer leer aus. Jede Absage schmerzt, aber nicht mehr so stark wie am Anfang: „Mit der Zeit wird man abgebrüht.“

Doch wie hoch dieser Betrag X sein muss, sei im Einzelfall die große Unbekannte. Wenn das Traumhaus am Ende wegen ein paar wenigen tausend Euro an jemand anderen geht, sitzt der Frust tief. Am Ende auf einer überteuerten Immobilie zu hocken, will aber auch niemand riskieren. „Ich sehe das auch als Kapitalanlage fürs Alter“, sagt Steffen.

Mehrmals kam die Familie in die enge Auswahl: „Wir haben oft das Gefühl, wir landen auf Platz zwei.“ Ganz nah dran und doch vorbei. Trotz aller Emotionen versuchen sie entspannt und sachlich zu bleiben. Isabelle sagt: „Dann bleiben wir eben noch ein bisschen in der Wohnung.“ Steffen schränkt ein: „Wenn Lara in die Schule kommt, sollte es aber schon so weit sein.“

Doppeltes Einkommen ist keine Garantie

Ihren Suchradius und ihr Budget haben sie in den vergangenen Monaten erweitert. Mittlerweile haben sie auch schon ein Haus in Sinzheim angeschaut, was ihnen ursprünglich zu weit südlich gewesen wäre. Auch Makler Disse sagt: „Wer sucht, muss flexibel sein und einen möglichst großen Radius anlegen.“

Mit einem doppelten Einkommen ist das Ehepaar im Vergleich zu vielen anderen auch finanziell in einer privilegierten Situation. Doch all das ist in dem aufgeheizten Markt keine Garantie, zum Zug zu kommen. Diese Erkenntnis frustriert Steffen: „Wir haben beide studiert und gute Berufe. Das muss doch reichen für ein Einfamilienhaus mit Garten.“

Trotz allem bleiben sie am Ball. Und üben sich auch in Toleranz bei Forderungen von Verkäufern, zum Beispiel bei der Übernahme alten Interieurs. „Hässliche Küchen zu hohen Preisen“, nennt das Steffen und lacht. Freunde von ihnen hätten sich vor kurzem erstmals ein Haus angeschaut – und seien nun die neuen Eigentümer. Glück gehöre dazu: „Manchmal kann es ganz schnell gehen.“ Bis dahin wächst die Excel-Tabelle.

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Ihr Autor

Holger Siebnich

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Erstellt:
10. Februar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 44sec

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