Detektivin des Körpers

Gernsbach (stj) – Der lange Weg zur eigenen Praxis: Katharina Wedekind hat in der Osteopathie ihre Berufung gefunden.

Sieht die Osteopathie nicht nur als Beruf, sondern als Berufung: Katharina Wedekind, die seit 2018 ihre eigene Praxis in der Bleichstraße hat. Foto: Stephan Kaminski

© Stephan Kaminski

Sieht die Osteopathie nicht nur als Beruf, sondern als Berufung: Katharina Wedekind, die seit 2018 ihre eigene Praxis in der Bleichstraße hat. Foto: Stephan Kaminski

Der Raum ist spartanisch eingerichtet: Schreibtisch, Laptop, zwei Schränkchen, Behandlungsliege, ein paar Bilder an der Wand, das war’s. Mehr braucht Katharina Wedekind für ihre Praxis in der Bleichstraße nicht. Als Osteopathin behandelt sie ihre Patienten mit den Händen und versucht, Funktionsstörungen im Körper zu erkennen und zu therapieren. „Wie eine Detektivin“, schmunzelt sie, „eine Detektivin des Körpers“.

Die 34-jährige Murgtälerin hat in der Osteopathie ihre Berufung gefunden, betont sie im BT-Gespräch. Bis es so weit war, insbesondere mit der eigenen Praxis, galt es aber, viele Etappen zu überwinden. Nach dem Abschluss an der Realschule Gernsbach und dem Abitur am Biotechnologischen Gymnasium in Ettlingen schnupperte sie als Praktikantin im Rehazentrum Gernsbach erstmals „medizinische Luft“. Die junge Frau entschied sich für eine Ausbildung zur Physiotherapeutin in Langensteinbach. Drei Jahre musste sie dafür auf die staatlich anerkannte Privatschule unter Trägerschaft des SRH-Klinikums.

Nach dem erfolgreichen Abschluss folgte sogleich eine Anstellung in einer Praxis in Durmersheim. „Mein damaliger Chef hat mich auf die Osteopathie gebracht“, blickt Wedekind dankbar auf dieses einjährige Intermezzo zurück. Denn schon bald wechselte sie ins Murgtal, in die Praxis für Physiotherapie von Jürgen Krämer in Weisenbach. Mit den Fortbildungen, die sie am AVT College für osteopathische Medizin in Nagold bereits begonnen hatte, machte Katharina Wedekind aber weiter. „Es hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht – auch wenn es eine anstrengende Zeit war.“

1.800 Stunden Zusatzausbildung

In 1.800 Stunden, meist im Blockunterricht in vier bis fünf Tagen am Stück, absolvierte sie neben ihrem Job in Weisenbach diese Zusatzausbildung. „Der Beruf Osteopath ist in Deutschland noch nicht anerkannt“, nennt Wedekind einen weiteren Aspekt ihrer Vita, die sie um die Qualifikation zur Heilpraktikerin bereichern musste, um als Osteopathin arbeiten zu können. Dafür drückte sie 2014 ein ganzes Jahr lang einmal wöchentlich die Schulbank einer Abendschule in Karlsruhe. Mit dem Heilpraktiker in der Tasche und dem Abschluss am AVT College in Nagold im Jahr 2016 kam die sympathische junge Dame ihrem finalen Berufswunsch ganz nah.

Unterdessen hatte sie sich bereits 2015 – ebenfalls nebenher – selbstständig gemacht und sich mit einer Minipraxis im Elternhaus in Hörden eingemietet. Es folgten vor allem privat turbulente Jahre: Erst ein familiärer Schicksalsschlag, dann das Babyglück mit ihrem Mann Thomas. „Seit 2018 bin ich richtig durchgestartet“, blickt sie zurück auf das Jahr, in dem sie endgültig den Weg in die Selbstständigkeit eingeschlagen und ihre Praxis in der Bleichstraße eröffnet hat: „Jetzt bin ich vollauf zufrieden.“

Dabei komme es ihr entgegen, nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis tätig zu sein. „Wenn ich weniger Termine habe, habe ich mehr Zeit für die Familie“, sieht es die Osteopathin pragmatisch und freut sich über die flexible Vereinbarung von Arbeit und Familie. Beruflich sei es für sie das größte Glück, zufriedenes Feedback von ihren Patienten zu bekommen. „Wenn jemand sagt, die Schmerzen sind besser, dann weiß ich, warum ich arbeite“, erläutert Wedekind. Grundgedanke der Osteopathie ist, dass Bewegungsapparat, Schädel und Rückenmark sowie die inneren Organe als Systeme zusammenhängen. Sie sind durch feine Gewebenetze, Faszien genannt, verbunden. Mit sanften Griffen sollen auftretende Blockaden in diesen Verbindungen gelöst und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.

„Ein spannender, sehr dankbarer Job“

Diesen Ansatz hat Katharina Wedekind zuletzt mit einer Zusatzausbildung in Ettlingen auch auf Kinder und Jugendliche übertragen, die sie seit diesem Jahr ebenfalls in ihrer Praxis behandelt. „Das sind keine kleinen Erwachsenen, deshalb kann man die Anwendungen nicht einfach auf sie übertragen“, betont die 34-Jährige. Hinzu komme, dass ein Baby nicht sagen kann, wo es weh tut. Umso schöner sei es, wie Wedekind verrät, wenn man sieht, dass man ihre Beschwerden lindern oder beseitigen konnte. „Das ist ein spannender, sehr dankbarer Job.“

Die Osteopathin und Heilpraktikerin hat sich vorgenommen, demnächst verstärkt Kontakt zu den ortsansässigen Arztpraxen zu suchen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten zu können. Auch Zahnärzte hat sie dabei im Blick, denn Wedekind ist auch ausgebildet für Fehlfunktionen des Kiefergelenks.


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