Deutlich geringere Lesemenge in Baden

Oberkirch (tas) – Schwierige Witterungsbedingungen im Frühjahr und Sommer führen bei den badischen Winzergenossenschaften in diesem Jahr zu deutlichen Ertragseinbußen.

Traubenlese in Baden: Die Winzer werden 2021 deutlich weniger in den Bottichen haben.Foto: Philipp von Ditfurth

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Traubenlese in Baden: Die Winzer werden 2021 deutlich weniger in den Bottichen haben.Foto: Philipp von Ditfurth

Seit 30 Jahren ist Franz Männle schon im Weinbau aktiv. Doch ein Jahr wie dieses hat er noch nie erlebt. „Es war eine nervenzehrende Saison“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft Oberkircher Winzer. Frost an Ostern, ein sehr nasser Sommer und unterschiedliche Pilzkrankheiten haben den Reben zugesetzt. Für die Winzer bedeutet das jede Menge Arbeit und Koordinierungsaufwand im Weinberg.

Selbst dort, wo eigentlich pilzwiderstandsfähige Rebsorten, sogenannte Piwis, im Hang stehen, gibt es in diesem Jahr Ausfälle, sagt Männle. Hohe Luftfeuchtigkeit und zahlreiche Nebeltage hätten die Ausbreitung von Pilzkrankheiten begünstigt, die hohen Niederschlagsmengen – 650 Liter pro Quadratmeter allein zwischen Mai und August – sorgten für Probleme bei den Pflanzenschutzarbeiten, denn die nassen Böden seien teils nur schwer befahrbar gewesen.

Dabei war die Anbauregion Ortenau – sie reicht von Baden-Baden/Gernsbach im Norden bis Offenburg/Gengenbach im Süden – bereits an Ostern von Frösten heimgesucht worden, die die Ertragserwartungen schon damals deutlich gedämpft hatten. Die Bandbreite der Einbußen nur aufgrund eines Frostereignisses für das gesamte Anbaugebiet Baden ist groß und reicht von null bis 80 Prozent, wie der Generalbevollmächtigte des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), Ansgar Horsthemke, sagt. Er rechnet für 2021 insgesamt mit rund 30 Prozent weniger Ertrag als im Zehnjahresdurchschnitt. Vor allem Steillagen und ökologisch bewirtschaftete Flächen seien in besonderem Maß von den Ausfällen betroffen.

Die Oberkircher Winzer selbst rechnen mit einer Lesemenge von 50 bis 65 Prozent im Vergleich zu einem Normaljahr. „Das würde die kleinste Ernte der vergangenen vier Jahrzehnte darstellen“, sagt Markus Ell, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft. Vor allem bei der Hauptsorte Spätburgunder gebe es deutliche Einbußen.

„Die Winzer sind in diesem Jahr nicht nur körperlich, sondern auch mental an ihre Grenze gestoßen“, berichtet Horsthemke. Er hofft, dass das Wetter in den kommenden Tagen stabil bleibt, damit die noch im Weinberg verbliebenen Trauben sicher in die Keller geholt werden können. Der Weinqualität tue das schwierige Jahr in den Reben indes keinen Abbruch, sagt Horsthemke. „Die kühlen Nächte waren gut für die Aromareife.“

„Weitgehende Normalität“


Neben den schwierigen Witterungsbedingungen hält auch Corona die genossenschaftlichen Weinerzeuger in Schach. Der Absatz der badischen Betriebe verringerte sich laut dem BWGV im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent auf 42,7 Millionen Liter Wein und Sekt. Der Umsatz ging im selben Zeitraum um 2,2 Prozent auf 121,2 Millionen Euro zurück. Betriebe, die auf die Gastronomie ausgerichtet sind, seien in der Pandemie teilweise hart getroffen worden. Der Verband erwartet hier nur nach und nach eine Besserung, da weiterhin viele Veranstaltungen und Feste ausfielen. „Mit den Öffnungen im Gaststättenbereich und ersten erfolgreich durchgeführten Weinfesten hoffen wir auf einen Schritt in eine weitgehende Normalität“, sagt BWGV-Präsident Roman Glaser.

Insgesamt erwarten die Genossenschaften in Baden bei der Lese 2021 zusammen eine Menge von etwa 63 Millionen Litern. Im Vorjahr haben sie laut BWGV noch 85,4 Millionen Liter in die Keller eingebracht. Der Ertrag könnte dementsprechen von 83,6 Hektoliter je Hektar auf 62 Hektolitern je Hektar Rebfläche fallen.

Die 70 genossenschaftlichen Betriebe bewirtschaften etwa 65 Prozent der Gesamtrebfläche in Baden. In den vergangenen Jahren hatte der Marktdruck zu Fusionen in dem Lager geführt, für 2021 sind laut Roman Glaser bisher keine Zusammenschlüsse geplant.


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