Deutsche Handball-Meister aus Sandweier

Baden-Baden (moe) – Sandweierer Handballer Franz und Johannes Henke haben mit der baden-württembergischen Auswahl den Titel bei der deutschen Polizeimeisterschaft geholt

Dekoriertes Duo: Franz (links) und Johannes Henke freuen sich über den Titelgewinn mit den Polizeikollegen. „Das war keine Freizeitveranstaltung“, versichert Franz. Foto: Privat

© pr

Dekoriertes Duo: Franz (links) und Johannes Henke freuen sich über den Titelgewinn mit den Polizeikollegen. „Das war keine Freizeitveranstaltung“, versichert Franz. Foto: Privat

Franz Henke und sein jüngerer Bruder Johannes sind in der vergangenen Woche polizeilich auffällig geworden. Nicht im kriminellen Sinn. Das wäre auch ziemlich kontraproduktiv gewesen, schließlich arbeiten die zwei jungen Männer aus Sandweier bei der Polizei. Und mit seinem Arbeitgeber sollte man es sich selbstredend nicht verscherzen. Bei den Henke-Brüdern war freilich das Gegenteil der Fall: Mit der Auswahl Baden-Württembergs holten die beiden Handballer die Goldmedaille bei der deutschen Polizeimeisterschaft.

„Unglaublich“ und „mega-mega-geil“, fand Johannes Henke – frisch gebackene 28 – Jahre alt – die Tage beim Finalturnier in Hannover. „Das war eine wahnsinnige Erfahrung“, fügt sein knapp drei Jahre älterer Bruder hinzu. Und damit meinen die beiden gar nicht mal nur den sportlichen Aspekt, nicht nur die Goldmedaillen oder den Siegerpokal, sondern eher die zwischenmenschlichen Erfahrungen. „Es war total cool, die Kollegen aus anderen Bundesländern kennenzulernen“, erzählt Franz Henke. Auswahlteams aus acht Bundesländern hatten sich für die Endrunde qualifiziert, die nur alle drei Jahre stattfindet. Gemeinsam war die handballerische Exekutive in einem Hotel untergebracht. „Es war alles top organisiert und wir konnten uns wirklich gut austauschen“, bilanziert Johannes Henke.

In mehreren Sichtungslehrgängen überzeugt

Und auch sportlich „lief alles für uns so“, so Johannes, den seine Kollegen beim TVS Baden-Baden, für den er als Linksaußen in der Oberliga mit seinen wieselflinken Trippelschritten die Linie entlang trommelt, alle nur „Jay“ nennen. Zusammen mit seinem Bruder hat er es zum ersten Mal in den finalen Kader geschafft, das Auswahlverfahren war dabei durchaus knackig. Schon vor einigen Jahren, beim Beginn der Ausbildung, hatten die beiden ihre Vorliebe für den Handballsport hinterlegt, zusammen mit ihrem Verein und der Ligazugehörigkeit. In der Folge setzte sich das Sandweierer Duo in mehreren Sichtungslehrgängen und Trainingseinheiten durch, die besten 15 Spieler aus dem Ländle fuhren letztlich nach Hannover. Durchaus mit Ambitionen. Nach den Eindrücken der Lehrgänge und aufgrund der Erfahrungswerte der Kollegen – unter anderen waren Drittliga-Ass Christopher Tinti (Salamander Kornwestheim), Ex-Profi Matthias Gerlich, Chris Hellerich (ehemals HC Oppenweiler/Backnang) und Marvin Lehmann (SG Ohlsbach/Elgersweier) für Baden-Württemberg auf Torejagd, Manuel Schnurr, also auch ein Mann mit Sandweierer Vergangenheit, hielt den Kasten sauber – „war uns schon klar, dass wir eine gute Mannschaft haben“, berichtet Franz, Abwehrchef des TVS und im wahren Leben Kriminalkommissar beim Kriminaldauerdienst im Polizeipräsidium Stuttgart: „Insofern war klar, dass wir da hinfahren können, um den Titel zu gewinnen.“

Und schon auf dem Weg ins Finale am vergangenen Donnerstag wurden Punkte verhaftet: Nach den ungefährdeten Auftaktsiegen gegen Hamburg (25:9) und Berlin (15:11) gab es im abschließenden Gruppenspiel gegen die Auswahl Nordrhein-Westfalens – später auch Finalgegner – ein 24:24-Unentschieden. Durch das 28:25 im Halbfinale gegen Hessen buchten die Baden-Württemberger das Ticket für das Endspiel.

„Das war keine Freizeitveranstaltung“

„Das war keine Freizeitveranstaltung. Das Niveau gerade im Finale war sehr gut“, schildert Franz Henke – mit dem besseren Ende für die Jungs aus dem Südwesten. Bruder Johannes, Kriminaloberkommissar und Kriminaltechniker im Präsidium Karlsruhe, fasst den Showdown folgendermaßen zusammen: „Wir waren einfach geil auf den Sieg und sehr emotional. Deshalb war das Ergebnis auch so deutlich.“ Am Ende gewann die baden-württembergische Auswahl mit 31:25.

Wie hätten die sportlichen Staatsdiener wohl gegen die Grün-Weißen aus Sandweier abgeschnitten? „Das kommt darauf an, ob wir für die Polizei oder den TVS gespielt hätten“, scherzt Johannes Henke, ein schelmisches Grinsen im Gesicht. Mit den Polizeikollegen sei es zwar so gewesen, „als hätten wir schon in der Jugend alle zusammengespielt“, noch eingespielter sei aber natürlich der TVS, ergänzt Bruder Franz.

Bei der abschließenden Frage muss der jüngere Henke-Sprössling erstmal durchschnaufen. Können Polizisten gut feiern? „Das kann man laut sagen!“, lautet die passende Antwort: erst Abschlussfeier in der Halle, danach in die Disko. Aber polizeilich auffällig, das versichern die beiden Brüder, ist niemand geworden.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.