„Deutscher Hof“: Sanierung führt zu Rechtsstreit

Baden-Baden (hol/co) – Die Sanierungspläne für den „Deutschen Hof“ bringen einen Geschäftsmann zur Verzweiflung. Der Besitzer des Internetcafés am Hindenburgplatz findet keine neuen Geschäftsräume.

Das Gebäude am Hindenburgplatz soll denkmalgerecht saniert werden. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Das Gebäude am Hindenburgplatz soll denkmalgerecht saniert werden. Foto: Monika Zeindler-Efler

Die bevorstehende Sanierung des Gebäudes „Deutscher Hof“ in der Lange Straße 54 ist positiv für das Stadtbild, aber eine Katastrophe für einen Geschäftsmann. Haukar Hama, der im Erdgeschoss des Hauses ein Internetcafé betreibt, muss ausziehen. Er sucht händeringend nach einem freien Ladengeschäft in der Nähe, das er sich leisten kann. Mit dem Besitzer des Gebäudes, dem European Heritage Project (EHP), liegt er im Rechtsstreit.

Seit 13 Jahren betreibt der Kurde, der 1995 aus dem Irak nach Deutschland kam, in seinem Heimatland Elektronik studierte und zusätzlich einen Abschluss als IT-System-Elektroniker hat, seinen bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebten Shop. „Es ist noch das einzige Internetcafé in der Innenstadt“, sagt Hama. Seine Stammkunden können bei ihm jedoch nicht nur ihre Mails checken oder im Internet recherchieren. Hama bietet auch einen Reparaturservice für Handys und PC-Service an, bei ihm kann auch ausgedruckt, gefaxt, kopiert oder gescannt werden. Seine Hilfsbereitschaft gerade gegenüber älteren Menschen, die in der Materie nicht so firm sind, hat sich schon bis zur Post rumgesprochen, die betagte Senioren deshalb schon mal zu ihm schickt. Auch Lottoscheine können bei ihm abgegeben werden, und einfache Lebensmittel des täglichen Bedarfs bekommt man auch.

Gutes Verhältnis zum früheren Vermieter

Nun schwebt die Kündigung wie ein Damoklesschwert über dem 52-Jährigen und seiner Familie. Von dem neuen Besitzer habe er drei Tage vor Heiligabend letztes Jahr die Kündigung bekommen, den Inhabern der benachbarten Schneiderei und eines Friseursalons sei es nicht anders ergangen. Mit seinem früheren Vermieter habe er sich immer gut verstanden: „Ich war wie ein Hausmeister hier und habe viel gemacht, ohne Bezahlung, auf freundschaftlicher Ebene“, erzählt er rückblickend.

Verzweifelt: Haukar Hama findet keine bezahlbaren Geschäftsräume. Foto: Cornelia Hecker-Stock

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Verzweifelt: Haukar Hama findet keine bezahlbaren Geschäftsräume. Foto: Cornelia Hecker-Stock

Der neue Eigentümer lasse dagegen überhaupt nicht mit sich reden, obwohl er ihm mehrere Angebote unterbreitet habe. „Ich wäre bereit gewesen, zwei Monate aus dem Laden zu gehen während der Renovierung, oder ich habe ihm angeboten, danach das Geschäft zu verkleinern, sodass er künftig stattdessen zwei Läden vermieten könnte, doch er ist überhaupt nicht darauf eingegangen“, sagt der Inhaber. Der Familienvater mit zwei Töchtern sorgt sich mittlerweile so um seine weitere Existenz, dass er schon gesundheitlich angeschlagen ist. Da seine Stammkundschaft ihn auch menschlich sehr schätzt und nicht verlieren will, bekommt er immer wieder Hinweise auf leer stehende Geschäfte – doch die Mieten seien einfach zu horrend. „Mehrere Tausend Euro, das kann ich mir beim besten Willen nicht leisten“, sagt Hama und wischt sich verstohlen Tränen aus den Augen, so sehr wühlt ihn die ganze Situation auf. Ein Laden hätte gepasst und wäre sogar in der Nähe gewesen. Doch der neue Eigentümer habe auf der Miete bis zum letzten Tag für seinen jetzigen Shop bestanden. Und doppelte Mietzahlungen sind für Hama nicht drin. Er hat sich jetzt juristischen Beistand geholt, für den 21. Dezember ist die Verhandlung angesetzt, genau am Jahrestag der Kündigung.

Räumungsklage eingereicht

Nina Kremer, Sprecherin des Vermieters EHP, bestätigt, dass man eine Räumungsklage gegen Hama eingereicht habe. Erste Gespräche mit den drei Lademietern über die bevorstehenden Arbeiten seien schon Mitte 2019 geführt worden. Die Kündigung im Dezember sei also nicht überraschend und zudem mit sechs Monaten Vorlauf erfolgt. „Dadurch sollten alle Mieter genug Zeit erhalten, sich anderweitig zu orientieren“, so Kremer. Die beiden anderen Mieter hätten das akzeptiert und seien am 30. Juni und am 31. Juli ausgezogen. Hama aber weigere sich, auszuziehen. Die dringend notwendige Sanierung des Hauses könne deshalb nicht in Angriff genommen werden.

Wie bereits berichtet, hat EHP das denkmalgeschützte Gebäude am Hindenburgplatz im Februar 2019 erworben. Das Haus befinde sich zum Teil in einem desolaten Zustand, so Kremer. Das gesamte Dach müsse erneuert werden, die Elektrik des Hauses sei nicht auf dem neuesten Stand und zwischen dem dritten und vierten Stockwerk sei die Decke durchgebrochen. Zudem plant EHP die Überarbeitung der Fassade. „Eine Mieterhöhung für die Wohnmieter des Hauses ist damit nicht verbunden“, betont sie. Das EHP arbeite „nicht mit dem Ziel, Gewinne zu erwirtschaften, sondern erhaltenswerte Bauwerke instand zu setzen und zu bewahren“.

Vertrauensverhältnis zerstört

Eine Renovierung und Neuausrichtung der Ladenlokale im Erdgeschoss sei unumgänglich, da diese nicht mehr aktuellen Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen entsprächen und deshalb künftig nicht mehr so wie bisher betrieben werden dürften. Eine Neuvermietung sei geplant. „Eine Präferenz für bestimmte Branchen gibt es dabei nicht“, so Kremer. Es gehe ausdrücklich nicht darum, repräsentativere Geschäfte dort unterzubringen. Es könne sich jeder um die Flächen bewerben. Eine Fortsetzung des Mietverhältnisses mit Hama komme aber wegen der „nachhaltigen Zerstörung des Vertrauensverhältnisses nicht in Betracht“, betont die EHP-Sprecherin.


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