Deutscher Musikrat will den Amateurbereich stärken

Baden-Baden/Karlsruhe (sr) – Die Dachverbände der Kulturschaffenden arbeiten mit Nachdruck an Plänen für die Nach-Corona-Zeit. Der Musikrat befürchtet heftige Kämpfe um weniger Geld.

In den großen Konzertsälen –hier die Elbphilharmonie – ist alles bereit für Künstler und Publikum. Aber wann es tatsächlich wieder losgehen kann, steht noch in den Sternen. Foto: Axel Heimken/dpa

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In den großen Konzertsälen –hier die Elbphilharmonie – ist alles bereit für Künstler und Publikum. Aber wann es tatsächlich wieder losgehen kann, steht noch in den Sternen. Foto: Axel Heimken/dpa

Jetzt schon an später denken: Der Deutsche Musikrat fordert eine freiwillige Selbstverpflichtung der Länderparlamente für die Festschreibung der Kulturausgaben im Amateurbereich „mindestens auf dem Niveau von 2020“. Dabei nehmen die Verantwortlichen mit Sorge das Superwahljahr 2021 mit sechs Landtagswahlen und der Bundestagswahl im Herbst in den Blick. Sie fürchten, dass im Musikleben der Amateure gute und bewährte Angebote nicht mehr aufgenommen werden könnten, weil nach der Corona-Pandemie der Verteilungskampf um Kulturgelder noch deutlich größer werden dürfte.

Wie Generalsekretär Christian Höppner sagte, gehen beim Musikrat täglich neue Schreckensmeldungen ein – von Soloselbstständigen, die an den komplexen Anträgen auf Hilfsgelder scheitern, aber auch von großen Firmen der Musikindustrie, die Rückzahlungen bereits ausgezahlter Hilfen befürchten müssen, weil der Bund bei den Hilfen das EU-Beihilferecht nicht ausreichend berücksichtigt habe und jetzt rückwirkend nachjustiere.

Umfrage läuft noch bis 28. Februar

Der Deutsche Musikrat hat zusammen mit dem Zentrum für Kulturforschung eine Online-Umfrage gestartet, die bis 28. Februar verlässliches Datenmaterial erfassen soll, um die Folgen der Pandemie zu umreißen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass Musiker in andere Berufe abwandern und dass viele Kultur- und Bildungseinrichtungen in ihrer Existenz bedroht seien, heißt es. Gefragt wird in der Umfrage nach Alter und Geschlecht, Bundesland, Tätigkeitsbereich, ob Unterstützung beantragt oder bereits gewährt wurde. Gefragt wird auch nach der Höhe des Einkommens vor Corona und im Jahr 2020. Dabei wird dieses Ausnahmejahr gestaffelt nach Monaten mit oder ohne Lockdown erfasst.

Christian Höppner betont, die Bundespolitik habe mittlerweile verstanden, dass Hilfen im großen Maßstab nötig sein würden. Der Musikrat unterstütze ausdrücklich das „Neustart“-Projekt der Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters (CDU), die weitere 1,5 Milliarden Euro beantragt hat und dieses Hilfsprojekt im Zusammenspiel mit den kulturellen Dachverbänden weiter entwickeln will. Die bisherigen Hilfen seien alle vielfach überzeichnet, so Höppner.

Finanzminister kündigt neuen Fonds an

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat die Einrichtung eines Fonds angekündigt, um die Planungssicherheit für die Kulturbranche zu erhöhen und dadurch nach Abflauen der Pandemie möglichst schnell kulturelle Aktivitäten wieder zu ermöglichen. So soll der Fonds zum einen kleinere Kulturveranstaltungen finanziell unterstützen, wenn diese aufgrund von Hygienevorgaben mit wenig Publikum und damit unrentabel stattfinden. Zum anderen wird der Fonds als eine Art Versicherung einspringen, sollten größere Kulturveranstaltungen aufgrund der Corona-Entwicklungen kurzfristig abgesagt werden müssen. Details zu den Bedingungen sind noch nicht bekannt.

Der Musikrat fordert eine vereinfachte Umsetzung aller Förderhilfen, die kompliziert seien und viele Künstler dennoch durchs Raster fallen lassen. Außerdem sei die massive Verzögerung bei der Auszahlung ein Problem für die Branche, die seit Monaten unter einem totalen Stillstand leidet.

Frist für „Jugend musiziert“ wird verlängert

Wie in allen künstlerischen Berufen ist die Corona-Zeit auch für angehende Berufsmusiker folgenschwer. Weniger Praxiserfahrung und erschwerter Unterricht via Internet machen den Profis von morgen zu schaffen. Für viele ist es auch wichtig, beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ eine Platzierung für den Bundeswettbewerb zu schaffen, der in diesem Jahr vom 20. bis 27. Mai in Bremen und Bremerhaven stattfinden soll.

„Wir tun, was wir können, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, mitzumachen. Gerade in den älteren Altersgruppen ist es in der Regel die letzte Chance dabei zu sein – immerhin kann eine gute Platzierung beim Bundeswettbewerb Vorteile bei der Studienplatzvergabe mit sich bringen“, sagt der Vorsitzende von „Jugend musiziert“ in Baden-Württemberg, Hermann Wilske. Denn zunächst kommen die Landeswettbewerbe: Die Teilnahme ist dieses Jahr mit besonderem Aufwand verbunden. Die Jugendlichen müssen ihren Beitrag auf Video aufnehmen und im Internet hochladen. Die digitale Einreichung ist bis bis 7. März möglich.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
1. Februar 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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