Die Armbrust wird entstaubt

Ötigheim (manu) – BT-Mitarbeiterin Manuela Behrendt will bei einer Aufführung der Volksschauspiele Ötigheim im kommenden Sommer mitwirken und begleitet die Vorbereitungen in einer Artikelserie.

Keckes Gemälde von Volker Kirst auf einem Stromkasten in der Wilhelm-Tell-Straße: Einstimmung auf die neue BT-Serie „Etjer Apfelschuss“.  Foto: Manuela Behrendt

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Keckes Gemälde von Volker Kirst auf einem Stromkasten in der Wilhelm-Tell-Straße: Einstimmung auf die neue BT-Serie „Etjer Apfelschuss“. Foto: Manuela Behrendt

Alles auf Anfang, Neustart: „Apfelschuss und Jubiläumsfieber“. Sie erinnern sich? „Wilhelm Tell“ bei den Volksschauspielen Ötigheim (VSÖ)? Geplante Jubiläumsspielzeit 2020 im 110. Jahr nach der ersten badischen Saison von Friedrich Schillers Letztlingswerk. Jetzt heißt es: Armbrust entstauben, Pfeile polieren. Der „Tell“ kommt im Sommer 2022.
Der Theaterverein durfte wie ein Phönix aus der Asche den tiefen Coronawunden entschweben, erhielt Wertschätzung für die kulturellen Leistungen von höchster Stelle sowie Hunderten von Fans. Das kann nur beflügeln. Allen, die die schrille Pandemiespielzeit mit Hoffen, Bangen, ständigen Regeländerungen, Hygienekonzepten, der Krönung zum Modellprojekt mittrugen, wurde Enormes abverlangt, vor allem Nervenstärke. Das Rundumgelingen generierte auf und hinter der Bühne einen unbeschreiblichen, anhaltenden Motivationsschub. Entsprechend hoch ist der Adrenalinpegelausschlag. Da gibt es nur einen Weg. Mit Vollgas ran an den „Tell“.

Hinter den Kulissen mittendrin

Ich bin hinter den Kulissen mittendrin Teil des Ensembles. Jetzt nicht mehr passiv in depressiver Wartestellung. Doch ist die Luft raus in Sachen „Jubiläumsfieber“. Für ein so schönes Projekt, das mich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder den Pulsschlag einer zugänglichen und herzlichen Gemeinschaft spüren lässt, mit der ich etwas sehr Besonderes erleben darf, passt kein Krankheitssymptom im Serientitel. Schon gar keines, das an Corona erinnert. Deshalb heißt die BT-Reihe jetzt in aller Kürze: „Etjer Apfelschuss“.

Die Szene, in der einer der bekanntesten Äpfel der deutschen Literatur den Mittelpunkt bildet, erhält ab sofort meine volle Aufmerksamkeit. Und dass dabei alles so läuft, wie man es von Ötigheim kennt, mit massenhaft Volk, vielen Pferden, unzähligen Ballettratten, dem erweiterten Chor und vor allem den Ohs und Ahs aus dem Publikum, „davon gehen wir fest aus“, sagt Melanie Smiejkowski (Spielbetrieb).

Kennen Sie eigentlich die Erzählung um den schweizerischen Nationalhelden? Die Figur des Meisterschützen ist ein Mythos, steht bis heute für die Befreiung der Schweiz aus der brutalen Willkürherrschaft der habsburgischen Vögte. Die Kooperation der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden gilt als die erste Eidgenossenschaft des Alpenstaats.

Für Schiller war „Wilhelm Tell“ das letzte Bühnenwerk, uraufgeführt im Weimarer Hoftheater im Frühjahr 1804. Der Dichter interpretiert den kollektiven Freiheitskampf der Einheimischen, verbündet dabei Alte und Junge, Männer und Frauen, Angehörige hoher und niederer Stände. Historisch ordnet man den Volksglauben um „Wilhelm Tell“ dem Jahr 1291 zu.

Mit dieser kurzen geschichtlichen Auffrischung überlasse ich Sie Ihren eigenen Gedanken zum „Tell“ in Ötigheim. Machen Sie’s wie ich, bringen Sie sich in Stimmung für die kommenden Episoden über die Entstehung dieser gigantischen Produktion. Als Aufwärmer noch zwei Zitate von Regisseur Frank Strobel: „Manchmal nervt’s, aber wir werden viel Spaß haben.“ Und: „Vor uns liegt eine aufregende, aber auch fröhliche Zeit.“

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Erstellt:
26. Oktober 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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