„Die Eisdecke ist echt dünn“

Gernsbach (stj) – Ohne Führerschein wäre ein 37-jähriger Weisenbacher fast zurück ins Gefängnis gefahren. Er kam noch mal mit einer Bewährungsstrafe davon.

Nachdem ein mehrfach vorbestrafter 37-jähriger Weisenbacher auf der Autobahn geblitzt wird, muss er sich wegen 25 km/h zu schnell vor dem Amtsgericht Gernsbach verantworten. Foto: Peter Steffen/dpa

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Nachdem ein mehrfach vorbestrafter 37-jähriger Weisenbacher auf der Autobahn geblitzt wird, muss er sich wegen 25 km/h zu schnell vor dem Amtsgericht Gernsbach verantworten. Foto: Peter Steffen/dpa

Was den normalen Autofahrer 70 Euro und einen Punkt in Flensburg kostet, hätte einen 37-Jährigen fast zurück ins Gefängnis gebracht. Der Weisenbacher hat nämlich ein umfangreiches Vorstrafenregister, dafür aber noch nie einen Führerschein besessen. Trotzdem saß er am 16. Mai vergangenen Jahres am Steuer eines Fahrzeugs – und das nicht zum ersten Mal. Dumm nur, dass er dabei auf der Autobahn mit 25 km/h zu schnell unterwegs war und geblitzt worden ist. Der polizeibekannte Mann musste sich deshalb jetzt vor dem Amtsgericht Gernsbach verantworten.

Vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis lautete die Anklage. Den Vorwurf räumte der Familienvater ein und erklärte ihn so: Auf der Heimfahrt von einem Besuch in Sachsen sei seiner Lebensgefährtin auf der A9 in Bayern plötzlich übel geworden, sie habe – auch aus Sorge um die beiden Kinder auf der Rückbank – ihn dann gebeten, das Steuer des Wagens zu übernehmen, weil sie nicht mehr konnte.

Auf dem Seitenstreifen habe man dann die Plätze getauscht, um zur Rastanlage Lipperts Ost zu kommen, wo eine längere Pause eingelegt wurde. In dieser habe sich die Fahrerin wieder erholen und anschließend die Fahrt fortsetzen können. In den circa zehn bis fünfzehn Minuten, die der Angeklagte verbotswidrig den Pkw geführt habe, sei er geblitzt worden, was vom entsprechenden Foto eindeutig belegt wurde.

„Ich habe ihn mehr oder weniger überredet“

„Ich habe ihn mehr oder weniger überredet“, erklärte die Freundin des Angeklagten im Zeugenstand und nannte ihr Verhalten „dumm und verantwortungslos“. Die 38-Jährige wurde dafür auch schon zur Kasse gebeten (750 Euro), weil nach Paragraf 21 Absatz eins Straßenverkehrsgesetz nicht nur jedem Fahrzeugführer, der trotz Verbots oder fehlender Fahrerlaubnis ein Kfz fährt, eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr droht, sondern auch den Haltern und Fahrerlaubnisinhabern, die das zulassen oder anordnen. Im Gegensatz zu ihrem Partner hat die Dame aber keine strafrechtliche Vergangenheit.

Wegen dieser ging es beim Verfahren vor dem Amtsgericht um die Hauptfrage, ob der unter Bewährung stehende Weisenbacher wieder ins Gefängnis muss. Bei der Beantwortung kamen dem Angeklagten zwei Dinge zugute: ein Empfehlungsschreiben seines Arbeitgebers und die familiäre Situation, die zusammengenommen eine positive Sozialprognose ergaben, wie auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft Baden-Baden in seinem Plädoyer feststellte. Verteidiger Mathias Albrecht sprach von einem „Vertrauensvorschuss“, sollte sein Mandant eine erneute Bewährungschance bekommen. Diese räumte Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch dem 37-Jährigen noch mal ein: Vier Monate auf Bewährung (bei einer Bewährungszeit von fünf Jahren), drei weitere Jahre Führerscheinsperre, 1.000 Euro Geldstrafe an den Bezirksverein Soziale Rechtspflege plus die Verfahrenskosten lautete das Urteil. Aber Koch mahnte: „Die Eisdecke ist echt dünn“, gab der Richter dem Verurteilten mit auf den weiteren Weg. Letzterer setzte durch einseitigen Rechtsmittelverzicht abschließend schon mal ein Zeichen der Einsicht.


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