Die Fernsehfastnachterin aus Gaggenau

Gaggenau (tom) – Am Fastnachtssonntag ist Marion Striebich von der Grokage Gaggenau bei der Sendung Fernsehfastnacht der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine im SWR-Fernsehen zu sehen.

Nach 34 Auftritten bei der vergangenen Fastnacht gibt es 2021 für Marion Striebich nur einen einzigen Auftritt. Unser Bild zeigt sie auf der Bühne der Grokage Gaggenau im Jahr 2019. Foto: Jörg Schumacher

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Nach 34 Auftritten bei der vergangenen Fastnacht gibt es 2021 für Marion Striebich nur einen einzigen Auftritt. Unser Bild zeigt sie auf der Bühne der Grokage Gaggenau im Jahr 2019. Foto: Jörg Schumacher

Das waren noch Zeiten: 34 fastnachtliche Auftritte – so viele wie noch nie – hatte Marion Striebich (53) im vergangenen Jahr. In diesem Jahr ist es exakt einer – am 14. Februar im SWR-Fernsehen in ihrer Paraderolle „Klara Kohlbecker“. Mit Marion Striebich sprach BT-Redakteur Thomas Senger.

BT: Frau Striebich, bei der Fastnacht in Frankenthal sind Sie seit 2013 jedes Jahr dabei. Wie kam es dazu?
Marion Striebich: „Schuld“ sind die Iffezheimer (lacht). Dort wurde ich 2012 zur „Fastnachterin des Jahres“ gewählt. Und dann meinte Edgar Wille, Ehrenmützenträger vom Iffezheimer Carnevals Club: „Warum gehst du nicht zum Fernsehen?“ „Haja“, hab‘ ich gesagt, „das ist ja mein Kindheitstraum, aber wie mache ich das?“ „Ruf Jürgen Lesmeister an, den Präsidenten der Badisch-Pfälzischen Karnevalvereine“, riet mir Edgar Wille. Und so ist es dann losgegangen.

BT: Und dieses Jahr ist alles anders.
Striebich: Das fing schon beim Schminken an: Normalerweise bekommen wir so ein HD-Make-up, also Schminke, bei der das Gesicht auch für hochauflösende Kameras schön glatt ist. Dieses Mal wurde mir das aus Vorsichtsgründen nur um die Augen herum angelegt; untenrum im Gesicht musste ich mich selber schminken.

BT: Die Sendung wird nicht live übertragen, sondern als Aufzeichnung ganz ohne Publikum gesendet. Sicher eine Herausforderung.
Striebich: Wir Akteure waren das Publikum! Jeder von uns hatte einen kleinen runden Tisch mit Tischlampe und Luftschlange. Man musste immer damit rechnen, dass man ins Bild kommt. Mal sollten wir kurzen Applaus spenden, mal langen Applaus, dann tosend, dann ein komischer Applaus, ein schwacher Applaus – kein Witz! Einmal sollten wir interessiert aussehen, ein andermal neutral gucken.

BT: Trotzdem: So vor fast leerem Saal, das sind Sie nicht gewohnt.
Striebich: Deshalb habe ich mir während der Aufzeichnung letzten Sonntag tatsächlich vorgestellt, dass eine Person im Publikum sich schier wegwirft vor Lachen; so etwas pushed mich ungemein. Ich habe mir also nicht vorgestellt, dass ich vor der Kamera stehe, sondern vor einer Person spiele.

BT: Was ist das für eine Person?
Striebich: Das kann ich nicht genau sagen. Aber ich weiß, dass ich mehr Frauen als Fans habe als Männer. Karl Altmann, der verstorbene legendäre Büttenredner der Grokage Gaggenau, hatte mir mal gesagt: Wenn eine Frau sich auf der Bühne hässlich macht, dann hat sie die Sympathien der Frauen gewonnen.

BT: Also, hässlich sind Sie ja nun keinesfalls, aber Ihre Ulkfigur Klara Kohlbecker kokettiert wunderbar mit vielen Klischees. Was werden die Zuschauer am Sonntag sehen?
Striebich: Die Gaggenauer kennen es bereits: Für Frankenthal habe ich mir mein Programm von 2019 noch mal draufgeschafft. Es war leichter, als ich gedacht hatte.

BT: Es war ja relativ früh klar, dass es 2021 keine Fastnachtsveranstaltungen geben würde und damit kein neues Programm. Normalerweise bereiten Sie sich ja monatelang mit einem neuen Programm auf ihre Auftritte vor.
Striebich: Von August bis Januar nutze ich wirklich jede freie Minute. Das Textgerüst ist dann zwar schon in meinem Kopf, aber ich feile unablässig daran. Dazu dann die Kostümschneiderei, das Schneiden der Musik, die Abläufe einstudieren ... In den letzten zwei Wochen vor dem ersten Auftritt spiele ich dann meiner Familie vor, der Freundin, der Nachbarin. Aber da geht es nur noch um Kleinigkeiten.

BT: Die Fastnacht 2021 ist nun also bald vorbei, ohne dass sie richtig begonnen hätte. Wie geht es bei Ihnen weiter?
Striebich: Ich bin für 2022 schon nahezu ausgebucht. Am 15. Januar 2022 stehe ich in Maxdorf auf der Bühne. Das heißt, ab Juni geht es wieder los.

BT: Und natürlich sind Sie bei den Comedy-Abenden der Grokage Gaggenau am 18. und 19. Juni in der Jahnhalle dabei. Was dürfen wir denn da von Ihnen erwarten?
Striebich: Das verrate ich noch nicht. Jedenfalls wollen wir unser Bestes geben.

BT: Ist das nun professionelle Fastnacht, was Sie betreiben oder semiprofessionell – oder wie nennt man das?
Striebich: Ich arbeite an meinen Auftritten sehr lange und habe einen hohen Anspruch an mich. Insofern würde ich diese Arbeit schon als professionell bezeichnen. Mein Haupterwerb stellt diese jedoch nicht dar. Hauptberuflich arbeite ich in der Suchtrehabilitation.

Sendung beginnt um 20.15 Uhr

Die zweitgrößte Karnevalsvereinigung Deutschlands präsentiert ihre besten Akteure am Sonntag, 14. Februar, ab 20.15 Uhr im SWR- Fernsehen. Ein Beitrag über Marion Striebich läuft bereits am Freitag, 12. Februar, in der SWR-Landessschau ab 18.45 Uhr.

Diese Gelenkigkeit traut „Klara Kohlbecker“ nicht jeder zu. Foto: Jörg Schumacher

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Diese Gelenkigkeit traut „Klara Kohlbecker“ nicht jeder zu. Foto: Jörg Schumacher

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
11. Februar 2021, 14:42 Uhr
Lesedauer:
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