Die Freundschaft wird mit Herzblut verteidigt

Rastatt (ar/vn) – Das deutsch-französische Manifest mit dem Titel „Die Grenzen schließen sich, aber nicht unsere Herzen“ stößt in Mittelbaden auf große Zustimmung.

Offene Grenze, enges Miteinander: Dieses Bild mit deutschen und französischen Akteuren ist im Juli 2019 beim „Gipfel“ an der Wintersdorfer Rheinbrücke entstanden. Foto: Gangl/Archiv

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Offene Grenze, enges Miteinander: Dieses Bild mit deutschen und französischen Akteuren ist im Juli 2019 beim „Gipfel“ an der Wintersdorfer Rheinbrücke entstanden. Foto: Gangl/Archiv

Das Manifest geht auf eine Initiative von Bürgermeistern in der Pfalz und im Elsass zurück und wurde mittlerweile von rund 200 Bürgermeistern und Kommunalpolitikern unterzeichnet (wir berichteten). Es soll ein Gegengewicht zu negativen Erfahrungen bilden, die viele Pendler aus dem Elsass in jüngster Zeit bei der Fahrt zur Arbeit in Deutschland gemacht haben.

Auch auf badischer Seite wird die deutsch-französische Freundschaft mit Herzblut verteidigt, auch wenn viele Bürgermeister erst durch den BT-Bericht auf das Manifest aufmerksam wurden. „Das war keine böse Absicht“, entschuldigt sich Initiator Matthias Ackermann, Bürgermeister von Birkenhördt, und schreibt den Umstand der allgemein hektischen Situation zu.

Umso mehr freut er sich, dass nun auch schon einige badische Kollegen ihre Solidarität bekundet haben. Auch Gerd Hager, der Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, habe in einem Telefonat seine Unterstützung zugesagt.

Südpfalz mit Draht nach Berlin

„Wir stehen auch in ständigem Kontakt mit dem Bundestagsabgeordneten der Südpfalz und Staatssekretär beim Bundesgesundheitsminister, Thomas Gebhart (CDU), der diese Woche den Bundesinnenminister wegen der Situation an den Grenzübergängen angeschrieben hat“, berichtet Ackermann im BT-Gespräch.

Unterstützt wird das Manifest auch von Bürgermeister Siegfried Schaaf aus Steinmauern, der zugleich Vorsitzender des Pamina-Rheinparks ist. Schaaf möchte den CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker einschalten. „Grundsätzlich halte ich es für dringend notwendig, die Situation für die Grenzgänger zu verbessern. Wir sind in unserer Region auf vielen Ebenen so stark vernetzt, hier müssen pragmatische Lösungen im täglichen Austausch her“, sagt Schaaf.

Solidarisch zeigt sich auch Bürgermeister Helmut Pautler aus der Gemeinde Rheinmünster, für den die freundschaftlich-nachbarschaftliche Verbindung an oberster Stelle steht. „Es ist wichtig, dass wir unsere gemeinsamen regionalen Anliegen gegenüber den nationalstaatlich geprägten Vorgaben behaupten. Wir sind mehr als nur ein reiner Wirtschaftsraum. Im Kern sind wir eine Schicksalsgemeinschaft, deren gemeinsames Wohl nur mit dem geschwisterlich verbundenen Nachbarn denkbar ist“, so Pautler.

Ähnlich hatte sich bereits vor Ostern Landrat Toni Huber (CDU) aus Rastatt in einem Brief an Rémi Bertrand und Patrice Harster vom Eurodistrict Pamina geäußert: „Auf keinen Fall darf diese Krise einen Schatten auf unsere gewachsene und lebendige Freundschaft werfen. Mittelbaden und das Elsass verstehen sich als ein Lebensraum und gerade in dieser schweren Zeit, in der wir diesseits und jenseits des Rheins die gleichen Probleme haben, gilt es fest zusammenzuhalten.“

„Wachsende Angst vor den Anderen“

Die evangelischen Kirchen in Elsass-Lothringen, in Baden und in der Pfalz haben gestern dazu aufgerufen, bei der Bekämpfung der Infektion stärker grenzüberschreitende Strukturen zu nutzen. Zugleich blicken sie mit Sorge auf eine „wachsende Angst vor den Anderen, die ansteckend sein könnten“. Derzeit sei die Grenze zu einem „problematischen Schwerpunkt“ geworden. Menschen würden anschließen an „alte nationalistische Haltungen und Klischees, die wir auf dem langen Weg der deutsch-französischen Versöhnung gehofft hatten, überwunden zu haben“. die leitenden Geistlichen Christian Albecker (Straßburg), Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) und Christian Schad (Speyer) bekräftigen, dass Grenzen als „Orte der Begegnung und der Zusammenarbeit Geschwisterlichkeit und Solidarität ermöglichen“.

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Erstellt:
22. April 2020, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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