Heime und Kliniken unter Druck

Bühl/Baden-Baden (BNN) – Was geschieht mit ungeimpften Mitarbeitern in den Bühler Pflegeeinrichtungen und im Krankenhaus nach dem 15. März? Zum Stichtag müssen sie dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Täglich neue Ausfälle durch Covid-Infektionen und Quarantäne durch Kontaktpersonen zwingen die Mitarbeiter des Klinikums Mittelbaden zusätzliche Schichten zu übernehmen. Foto: Jürgen Volz/av

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Täglich neue Ausfälle durch Covid-Infektionen und Quarantäne durch Kontaktpersonen zwingen die Mitarbeiter des Klinikums Mittelbaden zusätzliche Schichten zu übernehmen. Foto: Jürgen Volz/av

Die Leiter der Einrichtungen gehen zunächst von Einzelprüfungen aus. Im SWB-Wohnstift Bühl erwägt man einen Aufnahmestopp, um einem Versorgungs-Engass rechtzeitig entgegenzuwirken.

Die Mitarbeiter in den Kliniken und Pflegeheimen in der Region stehen wegen der anhaltenden Infektionsrate sowie Quarantäne-Ausfälle dauerhaft unter Druck. Jetzt kommt als weiterer Stressfaktor die einrichtungsbezogene Impfpflicht ab 15. März hinzu. Dieses Datum ist für die Leiter der Einrichtungen der Stichtag, an dem sie bisher nicht-geimpfte Mitarbeiter dem Gesundheitsamt Rastatt melden müssen. Was dann geschieht, ist zweifelsfrei noch mit vielen Fragezeichen verbunden. Theo Höll im Bühler Erich-Burger-Heim hofft, dass sich einige Mitarbeiter wegen des neuen Impfstoffs doch noch impfen lassen.

Am Klinikum Mittelbaden mit seinen Standorten Bühl, Baden-Baden, Rastatt und Forbach steigen die Covid-Infektionen stark an: „Wir sehen aktuell eine starke Steigung. Wir haben bei Pflegeärzten und im sonstigen patientennahen Bereich, pro Tag einen Ausfall von bis zu 25 Mitarbeitern, sei es infiziert oder wegen Quarantäne als Kontaktperson“, schildert Daniel Herke die angespannte Lage. Der Kaufmännische Geschäftsführers des Klinikums zeigt sich froh über die Bereitschaft einiger Mitarbeiter bei aktuell rund 200 Ausfällen über die Einrichtungen hinweg Schichten zu übernehmen. „Wir haben nicht unerhebliche Personalverschiebungen und sind dankbar für die Flexibilität, einzuspringen und die Versorgung hier sicher zu stellen.“

Übergangsphase deutet sich an

Wie geht es ab dem 15. März weiter? „Wir haben die Pflicht, alle Geimpften und Nicht-Geimpfte pünktlich zu melden. Ab dem Zeitpunkt muss das Gesundheitsamt dann entscheiden, wie es mit diesen Mitarbeitern weiter geht. Dafür werden Einzelfallentscheidung getroffen“, erläutert Daniel Herke. Solange diese Entscheidung nicht vorliegt, könnten die Mitarbeiter weiter eingesetzt werden, was so gesetzlich geregelt sei. „Ich gehe davon aus, dass wir die Mitarbeiter weiterhin einsetzen, bis wir eine Entscheidung des Gesundheitsamtes haben. Es gibt also keine Entscheidung, ab sofort darf keiner mehr eingesetzt werden“, deutet Herke auf eine Übergangsphase hin.

Bis dorthin gebe es eine verstärkte Impfkampagne, auch mit Blick auf den neu zugelassenen Impfstoff Novavax. „Ich gehe davon aus, dass bis zum 15. März noch weitere Mitarbeiter sich impfen lassen. Wir haben die Zusicherung, dass diese Personen auch mit einer Erstimpfung ohne Einschränkung weiter arbeiten könne. Das hilft uns auch weiter“, blickt Geschäftsführer Herke auch auf jene Mitarbeiter, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. „Die sind ja auch von weiteren Maßnahmen nicht betroffen und testen sich täglich mit dem Schnelltest und PCR, falls der erste positiv sein sollte.“

Hohe Impfquote im Erich-Burger-Heim

Über eine hohe Impfquote von 95 Prozent bei den Mitarbeitern ist Betriebsleiter Theo Höll im Bühler Erich-Burger-Heim froh. „Bei den jetzt noch ungeimpften Mitarbeitern hoffe ich auf den neuen Impfstoff, der jetzt zugelassen wurde, und generell auf die Vernunft, sich in dieser Situation nun doch noch impfen zu lassen. Wir müssen deshalb erstmal sehen, wer am 15. März wirklich noch übrig bleibt“, gibt Höll zu bedenken. Spannend sei, „was passiert nach diesem Stichtag“, fragt der Leiter der Senioreneinrichtung des Klinikums Mittelbaden in Bühl. Nach seiner Information wird das das Gesundheitsamt mit diesen Mitarbeitern in Verbindung setzen und „dann im Einzelfall prüfen, was zu tun ist“, räumt er ein und stellt eine Freistellung durch das Gesundheitsamt in den Raum.

„Wir haben uns bereits einen genauen Überblick verschafft, um diese Herausforderung Impfpflicht anzugehen. Ich gehe davon aus, in fünf konkreten Häusern - dazu gehört auch Bühl - jeweils zwischen drei und vier Mitarbeiter zu verlieren“, zeigt Hubertus Seidler die Situation bei der SWB Wohnstift auf, die neben Bühl im Land 16 Pflegeheime und betreute Wohnanlagen mit rund 1500 Mitarbeitern betreibt. Der Geschäftsführer geht davon aus, dass sich diese Mitarbeiter auch auf Sicht nicht impfen lassen möchten und somit bei der SWB aufhören. „Wie das genau vonstatten geht, ist noch nicht klar. Wir dürfen sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter beschäftigen. Wir werden sie aber auch nicht kündigen, somit besteht das Arbeitsverhältnis aber fort. Das ist, gelinde gesagt, arbeitsrechtlich sehr umstritten“, stellt Seidler fest. Um einem Versorgungs-Engass rechtzeitig entgegenzuwirken, stehe ein Aufnahmestopp für die betroffenen SWB-Häuser im Raum. „Die Impfpflicht ist mehr als fraglich. Was steht eigentlich der erfolgreichen Praxis eines täglichen Tests vor dem Dienstbeginn etwa mit einem PCR-Test entgegen? Das würde aber voraussetzen, dass die Laborkapazitäten dafür auch ausreichen. Bislang dauert das aber immer noch viel zu lang.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Andreas Bühler

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Erstellt:
10. Februar 2022, 15:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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