„Die Maus“ unterhält Generationen

Köln (fh) – Seit 50 Jahren unterhält sie große und kleine Fernsehzuschauer und beantwortet spannende Fragen. „Die Sendung mit der Maus“ feiert am Sonntag ihr Jubiläum.

Vorspann zu den „Lach- und Geschichten“: Die Maus zaubert den Elefanten aus dem Hut. Foto: WDR/Trickstudio Lutterbeck

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Vorspann zu den „Lach- und Geschichten“: Die Maus zaubert den Elefanten aus dem Hut. Foto: WDR/Trickstudio Lutterbeck

Sie ist orange mit braunen Armen und Ohren und kurioserweise größer als ein Elefant. Ihren Schwanz kann sie abnehmen und als Universalwerkzeug benutzen. Dann klappert sie noch ein bisschen mit den schweren Lidern – der Zuschauer hört dabei das Geräusch einer Kastagnette –, aber ansonsten bleibt sie stumm. Und doch konnten Generationen von Kindern bei ihr in den vergangenen 50 Jahren zahlreiche Dinge lernen. Auch so mancher Erwachsener setzt sich am Sonntagmorgen gerne vor den Fernseher und lässt sich erklären, wie die Löcher in den Käse kommen, was ein Saugbagger macht oder wie der Henkel an den Kaffeebecher kommt.

„Die Sendung mit der Maus“ feiert am Sonntag ihren runden Geburtstag. Als „Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger“ flimmerte am 7. März 1971 die erste Folge über die Mattscheibe – mit „Frederiko Oktopod“, einer Lachgeschichte über Antonio und seinen Freund, den Tintenfisch, der Herstellung eines Kaffeelöffels und einer Gabel, damals noch ohne Kommentar, und natürlich mit der Maus, aber noch ohne den Elefanten. Dieser tauchte erst Mitte der 70er Jahre auf.

Die Maus selbst kam kurz nach dem Start der Sendung auch in der „Geschichte von der Maus im Laden“ vor, gezeichnet von Isolde Schmitt-Menzel. Ihre Illustration diente Friedrich Streich als Vorlage für die Maus-Spots, die immer zwischen den Beiträgen gezeigt werden. 1987 gesellte sich außerdem die gelbe Ente zu Maus und Elefant.

Die Maus-Spots trennen die Beiträge - natürlich mit der Ente, der Maus und dem Elefanten. Foto: WDR/Trickstudio Lutterbeck

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Die Maus-Spots trennen die Beiträge - natürlich mit der Ente, der Maus und dem Elefanten. Foto: WDR/Trickstudio Lutterbeck

Im Laufe der Jahre kamen viele Elemente hinzu, die für die Zuschauer untrennbar mit „Der Maus“ verbunden sind. Düd-düdedüdü-düdel-dü-dü erklingt zum Beispiel seit 1972 die Titelmelodie von Hans Posegga. Es folgt der Vorspann mit einem Überblick über die Lach- und Sachgeschichten in der aktuellen Sendung, zuerst auf Deutsch, meist gesprochen von Günter Dybus, und dann in einer Fremdsprache („Das war Arabisch“).

Improvisiert kommentiert

„Als wir damals angefangen haben, hätte niemand auch nur zu denken gewagt, dass die Sendung so lange laufen würde. Zumal sie am Anfang alles andere als erfolgreich war“, sagt Armin Maiwald in einer Pressemitteilung des WDR. „Viele Leute sagten: ‚Was ist das denn?‘, ‚Müssen wir das haben?‘ Es gibt kaum eine Sendung im Fernsehen, die so lange durchgehalten hat.“

Armin Maiwald macht Sachgeschichten für „Die Sendung mit der Maus“. Und das schon seit über dreißig Jahren. Foto: WDR/Bettina Fürst-Fastré

Armin Maiwald macht Sachgeschichten für „Die Sendung mit der Maus“. Und das schon seit über dreißig Jahren. Foto: WDR/Bettina Fürst-Fastré

Maiwald ist eine weitere Konstante der „Maus“, die Stimme der Sachgeschichten. Der mittlerweile 81-Jährige ist seit Beginn an dabei. Als Regisseur produzierte er die ersten Beiträge „Brötchen“, „Milch“, „Ei“. Am 3. Dezember 1976 war Maiwald erstmals als Sprecher zu hören. Zwar hatte er laut WDR als erstes die Sachgeschichte „Kindergeburtstag“ kommentiert, die war aber erst 1978 zu sehen. Premiere für die ersten Armin-Kommentare im Fernsehen war dafür in „Turmspringer“ und „Wasserhahn“.

Maiwald liest in den Sachgeschichten keine vorformulierten Texte vor, sondern kommentiert seine Filme frei. Das ergab sich durch einen Zufall, wie die deutsche Presseagentur schreibt: Er hatte dem zuständigen WDR-Redakteur Gert Müntefering einen schon geschnittenen Film vorgespielt und dabei sinngemäß erzählt, was später noch von einem professionellen Sprecher aufgenommen werden sollte. Müntefering gefiel Maiwalds improvisierte Version aber viel besser. „Das machst du ab jetzt immer so.“

Der grüne Pulli ist seit der „Atom-Maus“ das Markenzeichen von Christoph Biemann. Foto: WDR/Annika Fußwinkel

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Der grüne Pulli ist seit der „Atom-Maus“ das Markenzeichen von Christoph Biemann. Foto: WDR/Annika Fußwinkel

Ebenfalls durch einen Zufall geboren wurde der grüne Pulli, das Markenzeichen von Christoph Biemann. Als sich 1982 ein Schauspieler im Film „Tomaten-Ketchup“ über das Nagelbrett beschwerte, auf dem er sitzen musste, beschloss Regisseur Biemann, die Rolle selbst zu übernehmen und ist seither vor der Kamera zu sehen.

In einem Interview erzählt er, wie er für die berühmte „Atom-Maus“, die über mehrere Tage gedreht wurde, ein Kleidungsstück brauchte, das er während des ganzen Drehs tragen konnte, um Anschlussfehler zu vermeiden. Zufällig hatte Biemann zwei grüne Pullis, die sich dafür perfekt eigneten. Ebenfalls typisch für die Christoph-Beiträge: Den Kommentar spricht nicht Biemann selbst, sondern meist Evi Seibert, SWR1-Hörern bekannt als Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio.

Der Zeichner der Maus, Friedrich Streich (links unten), und die beiden Autoren Christoph Biemann (rechts) und Armin Maiwald 1996, als „Die Maus“ 25 wurde. Foto: WDR/Horst Galuschka

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Der Zeichner der Maus, Friedrich Streich (links unten), und die beiden Autoren Christoph Biemann (rechts) und Armin Maiwald 1996, als „Die Maus“ 25 wurde. Foto: WDR/Horst Galuschka

Maiwald und Biemann erhalten 1995 sogar das Bundesverdienstkreuz. Und noch ein weiteres großes Ereignis datiert Mitte der 90er Jahre: Das Maus-Jubiläum. „Was mich sehr beeindruckt hat, war der 25. Geburtstag der Maus“, erinnert sich Biemann in einem WDR-Interview. „1996 war ein Wendepunkt, mit einem riesigen Fest auf dem Roncalliplatz in Köln, ein Zug, der durch Deutschland fuhr, der Hit ‚Hier kommt die Maus‘ von Stefan Raab. Bis dahin haben wir eigentlich nur Fernsehen gemacht, möglichst schöne und gute Filme. Dann wurde uns Maus-Machern klar, mit welcher Begeisterung wir es beim Publikum zu tun haben.“

Käpt’n Blaubär spinnt sein Seemannsgarn

Daran nicht ganz unschuldig sind sicher auch die zahlreichen Lachgeschichten. Neben kurzen Zeichentrickfilmen und Bildergeschichten zu Kinderliedern und Gedichten – mancher erinnert sich vielleicht noch an den Internet-Hit „Schnappi, das kleine Krokodil“ –, gibt es auch Mini-Serien mit wiederkehrenden Figuren. Eine davon ist der kleine Maulwurf. Die tschechische Zeichentrickfigur ist seit 1972 dabei und damit eines der ältesten Mitglieder der „Maus“-Familie. Im gleichen Jahr hatte auch Peter Lustig, der später durch die Kindersendung „Löwenzahn“ bekannt wurde, einen Auftritt mit der Serie „Peter und Atze“.

Käpt’n Blaubär spinnt seit den 90er Jahren sein Seemannsgarn am Ende der Sendung. Heute im Wechsel mit Shaun das Schaf. Foto: WDR/Walter Moers

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Käpt’n Blaubär spinnt seit den 90er Jahren sein Seemannsgarn am Ende der Sendung. Heute im Wechsel mit Shaun das Schaf. Foto: WDR/Walter Moers

Ab 1991 spinnt außerdem Käpt’n Blaubär sein Seemannsgarn am Ende der Sendung. Mit dabei sind Hein Blöd und die drei Bärchen. Den prominenten Platz zum Schluss teilt sich der bekannte Lügenbär aus der Feder von Walter Moers seit 2007 mit Shaun das Schaf. Aber auch jüngere Lachgeschichten wie „Trudes Tier“ und „Rico und Oskar“ haben ihre Fans.

Ralph Caspers beantwortet von zu hause Kinderfragen an die Maus: Heißt es der oder das Virus? Und warum eigentlich Corona? Foto: WDR

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Ralph Caspers beantwortet von zu hause Kinderfragen an die Maus: Heißt es der oder das Virus? Und warum eigentlich Corona? Foto: WDR

Erweitert hat sich auch der Kreis der „Maus“-Moderatoren. Ralph Caspers beantwortet Kinderfragen genauso wie Johannes Büchs, Jana Forkel, Clarissa Correa da Silva und viele weitere. Caspers beschreibt sein Herangehen an eine Sachgeschichte als „absichtliches Vergessen“ nach der ersten Recherche: „Wenn ich alles weiß und die Frage beantworten kann, vergesse ich im Grunde alles das, was ich gelernt habe, und fange noch mal ganz von vorne an.“ Das sei wichtig, um zu überlegen, wie man einen Sachverhalt am besten erklären kann.

So sind in fünf Jahrzehnten zahlreiche denkwürdige Produktionen entstanden. 1999 begleitet die Maus beispielsweise in einer extralangen Sachgeschichten-Reihe den Bau eines Flugzeugs. Es gibt mehrere Auslandssendungen und Deutschlandreisen. Auch vor Themen wie Geburt und Tod schrecken die „Maus“-Macher nicht zurück. Und als Alexander Gerst 2014 ins All fliegt, wo er Kinderfragen von der ISS aus beantwortet, hat er die Maus im Gepäck. Für sie ist es nach 1992 schon die zweite Reise in den Weltraum.

Natürlich ist die Maus auch schon lange ins Netz eingezogen. „Maus“-Fans können auf der Homepage die-maus.de einen Blick durchs Schlüsselloch auf einige der geplanten Geburtstagsaktionen werfen. Es gibt zum Beispiel die Geburtstagssendung, ein großes Konzert ist geplant, und der Elefant hat ein ganz besonderes Ständchen einstudiert.


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