Die Murg soll „HQ 100“-tauglich werden

Gaggenau (tom) – Erkundungsbohrungen im Vorland der Murg liefern Aufschlüsse über den Baugrund.

Blick vom Glasersteg flussaufwärts. Auch in diesem Bereich soll die Hochwassersicherheit verbessert werden. Foto: Senger

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Blick vom Glasersteg flussaufwärts. Auch in diesem Bereich soll die Hochwassersicherheit verbessert werden. Foto: Senger

Das Hämmern war unüberhörbar, das Bohrgerät unübersehbar: Am Murgufer in der Kernstadt wurde dieser Tage geschafft. Denn der Schutz vor Hochwasser soll besser werden. Deshalb wird der Baugrund untersucht.

„Baugrunduntersuchungen für eine Machbarkeitsstudie für Hochwasserschutz von der Schillerbrücke bis zum Pegel Bad Rotenfels“, heißt es aus dem Rathaus. Zuständig dafür ist das Regierungspräsidium; schließlich ist die Murg ein sogenanntes „Gewässer erster Ordnung“.

Aus den Bohrkernen erhoffen sich die Fachleute Aufschluss über die Beschaffenheit des Untergrunds. Denn künftig soll die Murg auch in diesem Bereich ein hundertjährliches Hochwasser ohne Überschwemmung des Stadtgebiets abführen können. „HQ 100“ heißt das im Fachjargon. „Die Erkundungsbohrungen werden durchgeführt, um beurteilen zu können, inwiefern verschiedene Lösungsansätze, wie beispielsweise Hochwasserschutzmauern und Ertüchtigung von Dämmen, technisch und in welcher Form realisierbar sind“, erläutert RP-Sprecherin Irene Feilhauer.

Ob und wie hoch der Damm erhöht werden könnte, darüber sei noch lange nicht befunden: „Die Lösungsvorschläge befinden sich noch in Bearbeitung und beinhalten unterschiedliche Varianten.“

Abstimmung mit Ausbau der B 462

Bei der Nutzen-Kosten-Untersuchung schließlich muss ein Wirtschaftlichkeitsnachweis erbracht werden, es werden neben der Ertüchtigung von Dämmen unter anderem auch Hochwasserschutzmauern als Lösungsvariante betrachtet. Wann gebaut werden soll und wie hoch die Kosten sein würden, darüber könne man derzeit keine Aussagen treffen.

Die Kosten der Machbarkeitsstudie einschließlich der Erkundungsbohrungen werden zu 70 Prozent vom Land getragen. Den Rest muss die Stadt Gaggenau bezahlen. Die Erkundungsbohrungen allein kosten inklusive Gutachten, Laborversuchen und geotechnischer Beratung rund 25 000 Euro.

Nicht nur die Murg selbst und ihr unmittelbares Vorland werden bei der Machbarkeitsstudie eine Rolle spielen: Diese erfolge in Abstimmung mit den Planungen zum vierspurigen Ausbau der B 462 zwischen Unimog-Museum und Rotherma-Kreisel. „An dem wird kräftig geplant und dort sind wir ja unmittelbar am Murgufer“, erläutert Gaggenaus Bürgermeister Michael Pfeiffer.

Das Vorhaben ist im Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf und befindet sich derzeit in der sogenannten Vorplanung. Irene Feilhauer: „Geplant ist, diese Ende 2020 abzuschließen.“ Nach einer Genehmigung durch die Verkehrsministerien in Land und Bund könnte das Vorhaben ab dem Jahr 2021 in das Planfeststellungsverfahren gehen.

Bis zu einem Baubeginn würde aber noch viel Wasser die Murg hinunter fließen: Frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts, so rechnen Fachleute, und möglicherweise erst später werde man diesen Baubeginn erwarten können.

Auf alle Fälle verlegt werden soll die kleine Fußgängerunterführung vom Badsteg bei St. Laurentius hinüber in den Kurpark. Diese stelle eine Schwachstelle im Hochwasserschutz dar und soll deshalb im Zuge des B 462-Ausbaus rund 30 Meter nach Norden, also murgabwärts, verlegt werden.

Aus dem Bundesverkehrswegeplan bekanntlich herausgeflogen ist der vierspurige Ausbau zwischen Rotherma-Kreisel und Gaggenau-Mitte.

Zum Thema

Ende 2016 war bereits an der Murg zwischen Daimler-Steg und Berliner Brücke „eine hohe Hochwassergefahr“ entschärft worden. Durch Ausuferungen hätten hier ausgedehnte Überschwemmungsflächen bis in die Innenstadt entstehen können, so die Befürchtung an Stuttgarter Schreibtischen. Auf rund 400 Meter erfolgten im Wesentlichen eine Erhöhung des Ufers durch Auffüllung mit bindigen Erdmaterialien sowie Mauern und Dammbalkenverschlüssen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf knapp 400 000 Euro. Die Stadt hatte 30 Prozent zu übernehmen. Weil Daimler von der Maßnahme profitierte, beteiligte sich der Konzern mit 50 Prozent an den städtischen Kosten.

Baugrunduntersuchung anhand von Bohrkernen an der Murg in Gaggenau.

© tom

Baugrunduntersuchung anhand von Bohrkernen an der Murg in Gaggenau.


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