„Die Natur ist der eigentliche Künstler“

Gaggenau (stn) – Peter Eberle aus Gaggenau fertigt Krippen, Häuser und Schmuck mit viel Liebe zum Detail aus Holz.

Schaffensort: In seiner im Keller eingerichteten kleinen Werkstatt verbringt Peter Eberle oft viele Stunden. Foto: Nora Strupp

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Schaffensort: In seiner im Keller eingerichteten kleinen Werkstatt verbringt Peter Eberle oft viele Stunden. Foto: Nora Strupp

„Ich bin schon mein Leben lang ein Bastler“, sagt Peter Eberle (68) über sich selbst. Zudem hat er ein großes Faible für Holz. Was liegt da näher, als beides zu kombinieren? Und so griff der Gaggenauer mit Eintritt in den Ruhestand im Februar 2017 das erste Mal zum Schnitzmesser. Mittlerweile fertigt Eberle Schmuckstücke, kleine Holztruhen und gar ganze Krippen aus dem Naturrohstoff.

Wenn man Peter Eberles Wohnzimmer betritt, fällt einem direkt das große Holzhaus auf, das auf einem Schränkchen thront und einer Allgäuer Berghütte nachempfunden ist. Mit unglaublich viel Liebe zum Detail hat er eine steinerne Treppe – hergestellt aus übereinandergeklebten und grau angemalten Styroporplatten – erschaffen, die in Richtung des Häuschens führen. Man sieht einen Heuwagen, einen Schlitten, einen Brunnen, einen Holzvorrat mit Axt daneben und ein Lagerfeuer; an der Fassade hängt ein Geweih. Über der Tür des Häuschens ist der Schriftzug „Petersalpe“ zu lesen – ein Ort, der wirklich existiert, wie Eberle erläutert: Im Rappenalptal bei Oberstdorf, Eberles Heimat. Wirft man einen Blick in das Innere, kann man einen Kamin entdecken, davor ist ein Teppich ausgebreitet, zwei Glühlampen erzeugen warmes Licht. Jedes einzelne Teil hat er selbst hergestellt, bis zu 80 Stunden Arbeit stecken in dem Kunstwerk, führt er aus. Wie man so etwas anfertigt, hat er sich selbst beigebracht. „Ich habe auf Youtube Filmchen von jemandem gesehen, der Miniaturwerkzeug gemacht hat. Da dachte ich, das probiere ich auch.“

Mit viel Liebe zum Detail: Die „Petersalpe“ ist einer Allgäuer Berghütte nachempfunden. Foto: Nora Strupp

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Mit viel Liebe zum Detail: Die „Petersalpe“ ist einer Allgäuer Berghütte nachempfunden. Foto: Nora Strupp

Gesagt, getan. Im Laufe der Jahre entstand so eine Vielzahl von Kunsthandwerken – von Miniaturschwertern, -möbelstücken und -skiern über Holzkisten, Weideschellen und Messergriffen bis hin zu Schmuck wie Armreifen, Broschen sowie Kettenanhängern.

Letztere etwa schnitzt er aus sogenannten Baumperlen, die er bei seinen ausgiebigen Spaziergängen im Wald findet. „Der eigentliche Künstler ist die Natur“, sagt der Rentner. „Man muss nur mal gesehen haben, was es alles gibt und was man daraus machen kann.“ Die Leidenschaft für den Rohstoff Holz begleitet ihn schon sein ganzes Leben. „Ich hatte schon immer mit Holz zu tun. Ich habe 20 Jahre lang Möbel verkauft und schöne Holzmöbel waren etwas Besonderes für mich.“

Sobald ihm eine Idee in den Kopf kommt, schnappt er sich Papier und Zettel und fertigt zunächst eine Skizze an. Anschließend geht er in seine Werkstatt, die er sich im Keller eingerichtet hat. Dort verbringt er zum Teil viele Stunden. „Wenn man dran sitzt, bemerkt man nicht, wie die Zeit vergeht. Oft muss mich meine Frau daran erinnern, dass es was zu essen gibt. Manchmal ist sie aber auch froh, dass ich weg bin und nicht im Weg rumstehe“, erzählt er lachend. Man brauche viel Geduld und Einfallsreichtum, manchmal seien auch einige Fehlversuche darunter, gibt der gelernte Kaufmann zu bedenken, aber: „Man lernt viel, wenn man so etwas macht.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
20. Januar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

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