Die Niederlage schmerzt noch

Baden-Baden (BNN) – Acht Wochen nach der OB-Wahl sucht Margret Mergen noch nach Erklärungen, warum es nicht für die zweite Amtszeit reichte. Ein Ziel hat sie noch: den Doppelhaushalt verabschieden.

Zuversichtlich: Margret Mergen hofft, den Haushalt 2022/2023 noch auf den Weg zu bringen. Foto: Christian Bodamer

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Zuversichtlich: Margret Mergen hofft, den Haushalt 2022/2023 noch auf den Weg zu bringen. Foto: Christian Bodamer

Auch acht Wochen nach der OB-Wahl am 13. März hat Amtsinhaberin Margret Mergen (CDU) an ihrer Niederlage noch zu knabbern. „Es ist für mich nach wie vor nicht ganz nachzuvollziehen, warum das Ergebnis so ausgefallen ist“, sagt die Oberbürgermeisterin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Mergen landete im ersten Wahlgang deutlich hinter Dietmar Späth (parteilos). Sie zog daraus die Konsequenzen und trat beim Wahlgang am 27. März, den Späth für sich entschied, nicht mehr an. Ihr Misserfolg schmerzt die OB nach wie vor, zumal sie im Wahlkampf stets große Siegessicherheit ausgestrahlt hatte. „An meiner Arbeit in den vergangenen acht Jahren und meiner Erfolgsbilanz kann es nicht gelegen haben“, ist Mergen überzeugt. Sie hat ein paar Erklärungen parat, warum die Wahl nicht so ausging, wie sie sich das vorgestellt hatte.

Als OB habe sie sich vor allem sehr stark mit strategischen Themen und der langfristigen Entwicklung der Stadt befasst und viel Zeit in Fachgremien, in Ausschüssen und am Schreibtisch verbracht. „Ich habe mich weniger um das tägliche Miteinander gekümmert“, räumt Mergen ein.

Ihre Erkenntnis im Nachhinein: Es wäre wahrscheinlich wichtiger gewesen, mehr das Gespräch mit den Menschen auf der Straße zu suchen. Ihr Nachfolger habe da einen Nerv der Bürger besser getroffen. Mergen begründet Späths Erfolg unter anderem damit: Er habe nach der Corona-Krise und jetzt während des Ukraine-Kriegs die Hoffnung auf eine heile Welt bedient.

Der Rückzug ist fürMergen konsequent

Sie habe sich zu sicher gefühlt, dass die Baden-Badener ihre Leistung anerkennen würden, hält Mergen in ihrer Analyse fest. Sie sei zu bescheiden gewesen, um ihre Erfolge ständig in den Fokus zu rücken. „Ich stelle mich selbst eigentlich nie in die Mitte.“ Diese Eigenschaft teile sie mit vielen Frauen. „Im Nachhinein muss ich sagen: Hätte ich mal mehr Selbstbewusstsein an den Tag gelegt.“

Natürlich habe sie auch eine mögliche Niederlage in Betracht gezogen. Sie sei aber in ihrem Wahlkampf sehr zuversichtlich gewesen, weil das Kandidatenfeld bis zu Späths Kandidatur überschaubar gewesen sei. Ihr Nachfolger habe davon profitiert, sich erst spät beworben zu haben. Mergen macht aus ihrer Enttäuschung am Wahlabend keinen Hehl: „Ich habe zunächst geschluckt und gefragt, was ist denn da passiert.“ Nach einer Nacht Bedenkzeit sei ihr Rückzug konsequent gewesen, da Späths Vorsprung nach aller Erfahrung nur schwer aufzuholen gewesen wäre.

Mergen verlässt das Rathaus mit einem guten Gefühl: „Ich kann im Reinen gehen.“ Die Stadt habe sich in ihrer Amtszeit positiv entwickelt, darauf könne ihr Nachfolger aufbauen. Ob Wohnungsbau, Kindertagesstätten, Schul-, Straßen- und Stadtsanierung, Ehrenamt und Vereinsförderung – vieles könne sie geordnet übergeben.

Ein großes Projekt möchte die OB noch anpacken: den Doppel-Haushalt 2022/23 unter Dach und Fach bringen. Ende Dezember hatte sie dessen Verabschiedung von der Tagesordnung des Gemeinderats genommen, weil sie befürchtete, keine Mehrheit zu bekommen. Sie hadert noch immer mit den Stadträten: „So etwas habe ich noch nie erlebt, dass ein Haushalt aus nicht nachvollziehbaren Gründen keine Mehrheit gefunden hat. Der damit angerichtete Schaden ist groß.“

Neuer Anlauf fürden Doppelhaushalt

Nun nimmt die Rathauschefin am 16. Mai im Hauptausschuss und am 23. Mai im Gemeinderat einen neuen Anlauf. Sie stützt sich dabei auf einen gemeinsamen Vorstoß der Fraktionen von CDU und SPD, die den Haushalt noch in Mergens Amtszeit auf den Weg bringen wollen.

Der OB zufolge haben auch die Grünen eingelenkt. „Ich habe das Signal bekommen, dass der Haushalt jetzt doch beschlussfähig ist“, berichtet sie. Das heißt, Mergen geht mit dem nahezu unveränderten Entwurf ins Rennen. Die Fraktion von Freien Bürgern für Baden-Baden (FBB) und Freien Wählern hat bereits angekündigt, bei ihrem Nein zum Haushalt zu bleiben.

Das Projekt noch anzugehen, ist offenbar auch im Sinne von Mergens Nachfolger. „Er ließ durchblicken, dass er ganz dankbar ist, wenn ich diese Aufgabe noch abräume“, sagt sie. Wolle Späth eigene Akzente setzen, könne er einen Nachtragshaushalt einbringen. Für Mergen ist es wichtig, mit einem verabschiedeten Etat die weitere Arbeit der Verwaltung sicherzustellen. Wenn ihr Nachfolger das erst in Angriff nähme, wäre eine weitere Verzögerung die Folge. Für die OB gilt: „Das Schiff hat eine Richtung und das ist auch gut so“ – egal mit welchem Kapitän.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Michael Rudolphi

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Erstellt:
13. Mai 2022, 16:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 11sec

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