Die Rastatter Schlösser und die Exotik

Rastatt (BT) – In den beiden Rastatter Schlössern kann man sich, derzeit noch virtuell, besonders der Exotik widmen – ganz nach dem diesjährigen Schwerpunktmotto der staatlichen Schlösserverwaltung.

Eines der berühmten Kostümbilder in Favorite: Markgraf Ludwig Wilhelm als Osmane verkleidet. Fotos: SSG

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Eines der berühmten Kostümbilder in Favorite: Markgraf Ludwig Wilhelm als Osmane verkleidet. Fotos: SSG

In diesem Jahr widmen sich die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg dem Thema „Exotik – Faszination und Fantasie“. Reich vertreten beim Hauptmotiv des Themenjahrs unter den 14 Monumenten sind das Lustschloss Favorite und das Residenzschloss Rastatt mit ihren außergewöhnlichen Sammlungen.
Das Themenjahr startet coronabedingt fürs Erste vor allem virtuell. „Exotik – Faszination und Fantasie“: Welche spannenden Themen und Ideen sich dahinter verbergen, das zeigt vorerst die neue „Themenwelt“ der Internetseiten www.schloesser-und-gaerten. de.

Bei den Staatlichen Schlösser und Gärten habe man sich einiges einfallen lassen, schreiben die Organisatoren in einer Pressemitteilung. Das Hauptmotiv verbindet exotische Elemente aus den Monumenten des Landes: „Die Schlösser in Rastatt mit ihren Sammlungen waren besonders inspirierend für die Collage“, erklärt Frank Krawczyk, der Leiter des Bereichs Kommunikation bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg.

Was zeigt das „Key Visual“, das zentrale Motiv der Themenjahrs-Kampagne? Besonders prominent in der phantasievoll rätselhaften Collage und gut erkennbar für alle, die das Residenzschloss und das Lustschloss Favorite kennen, sind gleich mehrere Motive. Sofort zuzuordnen ist der „Türkenlouis“, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden. Er tritt auf in der Verkleidung eines Osmanen – die Figur ist ein Ausschnitt aus einem der berühmten Kostümbilder in Schloss Favorite. Farbenprächtige Papageien lassen sich den kostbaren Einlegearbeiten aus Halbedelsteinen zuordnen, wie sie Markgräfin Sibylla Augusta in Schloss Favorite zusammentrug. Und ein eleganter Chinese mit Sonnenschirm entpuppt sich als dekoratives Detail von einer Teedose mit raffiniertem schwarzem Japanlack.

Exotik durch alle Epochen

„Bei der Vorbereitung auf das Themenjahr haben wir festgestellt, dass der Reichtum an exotischen Motiven und Themen enorm ist – und das durch alle Epochen“, erläutert Krawczyk. „Und in den Rastatter Schlössern finden sich besonders viele Spuren.“

Worum geht es 2021 in den Schlössern, Gärten und Klöstern? Exotik – das ist die europäische Sehnsucht nach fernen Ländern und die Gier der Europäer nach den Dingen, die aus der Ferne kamen. Tee, Kaffee und Schokolade waren solche Exoten. Heute längst Teil des Alltags, waren sie im 17. und 18. Jahrhundert teuer, selten und beim Adel äußerst begehrt. Seidenstoffe, Porzellan, duftende Gewürze – all das gab den Antrieb für Entdeckungsreisen und Eroberungen.

Kostbares Kunsthandwerk und außergewöhnliche Pflanzen fanden so ihren Weg nach Europa – und in die höfischen Sammlungen und Gärten der Regenten. Aber nicht nur unbekannte Genussmittel und geheimnisvolle Materialien zogen die Menschen an. Es waren auch die rätselhaften Motive, die nach Europa kamen: chinesische Drachen und Würdenträger mit Seidenschirmen, unbekannte Pflanzen und Tiere. Sie inspirierten die Künstler, hielten Einzug in der Kunst und schmückten Geschirr und Stoffe, Tapisserien und Möbel. Vieles davon hat sich in den Schlössern erhalten.

Im Themenjahr Exotik zeigen die Staatlichen Schlösser und Gärten aber auch die dunklen Seiten dieser Begeisterung: Die Menschen in den fernen Kontinenten zahlten den Preis für die europäische Begeisterung, als Sklaven auf Plantagen – oder auch in den Schlössern, wo sie als „Hofmohr“ oder „Kammertürke“ zum Glanz des Hofes eine exotische Note beitrugen. So werden ihre Biografien sichtbar; von vielen weiß man sogar noch die Namen und kann ihre Lebensgeschichten erzählen.


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