Die Sternstunden der Moonlights

Baden-Baden (BT) – Peter Kurz hat eine Anthologie zur 60-jährigen Bandgeschichte der Moonlights veröffentlicht.

Peter Kurz hat unzählige Dokumente der vergangenen 60 Jahre in einer Moonlights-Anthologie zusammengefasst.Foto: Peter Kurz

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Peter Kurz hat unzählige Dokumente der vergangenen 60 Jahre in einer Moonlights-Anthologie zusammengefasst.Foto: Peter Kurz

Mit jedem Blickkontakt öffnete sich ein weiterer Blusenknopf“, erzählt Peter Kurz, Gitarrist und Sänger der Band Moonlights, schmunzelnd über einen ganz besonders verzückten weiblichen Fan der Band vergangener Tage – und fügt sogleich hinzu: „Aber bei uns ist es immer gesittet zugegangen.“ Obwohl ein Inserat der Moonlights in der Presse auf der Suche nach Go-go-Girls – nach amerikanischem Vorbild – der Band fast kriminalpolizeiliche Ermittlungen wegen Verdachts auf Menschenhandel eingebracht hätte – „aber das hat sich schnell aufgeklärt“.

Tony Sheridan, Entdecker und Lehrer der legendären Beatles, würde das gesittete Image der Moonlights wohl sogar bestätigen, wäre er noch am Leben: So hielt der 2013 verstorbene Musiker seine Karlsruher Kollegen nach einer Probe für einen gemeinsamen Auftritt für die einzige deutsche Band, die nicht kiffe, nachdem er erfolglos nach „Gras“ fragte, erinnert sich Kurz.

Ewig könnte man dem 70-jährigen Büchenauer lauschen, wenn er über die vergangenen 60 Jahre der Moonlights spricht – auch wenn er selbst erst im Jahr 1987 dazugestoßen ist: gemeinsame Auftritte samt Anekdoten mit Sweet, den Lords, Tony Marshall und vielen weiteren Musikstars, Engagements auf Fuerteventura, Kreta, in der Türkei mit eigens gechartertem Fan-Flieger sowie in Südtirol – und nicht zu vergessen die schier unzählbaren Auftritte in der badischen Region, etwa bei großen Partys des Badischen Tagblatts, die stets von treuer Fanansammlung gekrönt wurden.

Erinnerungen an die 60er-Jahre

Während der Corona-Pandemie hat Kurz begonnen, sämtliche Erinnerungen an die vergangenen 60 Jahre zusammenzutragen: „Die Idee hatten wir bereits beim großen Band-Jubiläum 2019, Jürgen Schmidt hatte auch einige gesammelte Bilder und Artikel“, erzählt der pensionierte Lehrer, „und als das so ins Rollen kam, haben uns sehr viele mit Material unterstützt“. Das Ergebnis ist beachtlich – auf knapp 100 Seiten können sowohl Bandmitglieder als auch Fans und Freunde in Erinnerungen schwelgen, und sich in den ein oder anderen Tanzabend zurückkatapultieren lassen. Eine beigelegte CD mit auserwählten Hits intensiviert die Zeitreise in die Vergangenheit.

Etwa zur Geburtsstunde der Band im Jahr 1959: Damals nannte sich die Drei-Mann-Kombo The Moonlight Brothers und bestand aus Günter Klein (Akkordeon und Saxofon), Jürgen Schmidt (Gesang) und Willi Fränkle (Schlagzeug). Die drei tingelten mit Schlager, Polka und Walzer durch Kneipen im Karlsruher Raum.

Die Besetzung hielt nicht lange, 1963 formierte sich die Band um – zum Sänger gesellten sich fortan Gerd Köthe, Hans Lingenfelder, Klaus-Dieter Siegmund, Martin Küchlin und Herbert Rimmelspacher –  und aus den Mondlicht-Brüdern wurden The Moonlights.

Die neue Formation sorgte musikalisch für frischen Wind und erste Achtungserfolge – moderne Arrangements und leidenschaftliches Proben verschaffte den Musikern bald schon Auftritte bei der „SDR-Mittwochsparty“, der Südwestfunk kaufte exklusiv sechs eigene Moonlights-Kompositionen für den Rundfunk ab, gefolgt von der ersten eigenen veröffentlichten Single „Nightwork/I should go now“.

Die Moonlights haben in ihrer langjährigen Bandgeschichte schon auf zahlreichen Bühnen im In- und Ausland gespielt.Foto: Archiv/Bernhard Margull

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Die Moonlights haben in ihrer langjährigen Bandgeschichte schon auf zahlreichen Bühnen im In- und Ausland gespielt.Foto: Archiv/Bernhard Margull

Trotz des Potenzials des Songs, blieb der erhoffte Durchbruch aus – nicht zuletzt durch einen Streit der GEMA mit einigen Rundfunkanstalten.

Regional hingegen gab es für die Moonlights nur eine Richtung: steil nach oben. Bis interne Reibereien über das Repertoire der Band und wachsende Unlust 1969 schließlich zur einvernehmlichen Trennung führten. Erst viele Jahre später, 1982, kamen sie – ursprünglich für ein einmaliges Revival – wieder zusammen. „Die Nachfrage war so groß, dass die Band immer wieder auftreten musste“, so Kurz, der damals noch keine Bühne mit den Moonlights teilte. Auch wenn sich neue Mitglieder dazu gesellten, ihrem Stil ist die Band stets treu geblieben.

„Mitte der 80er hat sich in der Musiklandschaft einiges verändert“, erinnert sich Kurz, „man brauchte Sequenzer, um Songs nachzuspielen“. Den Gitarristen – immer schon Liebhaber handgemachter Musik – hat dies dazu bewogen, seine langjährige Musikkarriere bei den Aristocats und Kingcats zu beenden. „Als 1987 dann das Angebot der Moonlights kam, wieder handgemachte und authentische Oldies zu spielen, hat das genau meinen Geschmack getroffen“, erklärt er; „so begann meine unvergessliche Reise mit dieser Band“.

Dem großen Erfolg rannte man nicht hinterher – „wir waren allesamt berufstätig und wollten das auch nicht aufgeben“, erklärt der 70-Jährige, „wir waren immer eine Feierabendband, die Spaß an der Musik hatte“. Ein hoher Anspruch an die eigene Qualität sei immer existent gewesen – was den Moonlights nicht zuletzt den Ruf einer Band mit exzellentem Satzgesang eingebracht hat. „Wir haben einmal die Woche geprobt und das niemals schleifen lassen“, betont der Gitarrist. Doch dann kam Corona – und damit eine lange musikalische Zwangspause. „Wir haben nun seit einem Jahr etwa nicht mehr zusammen gesungen“, resümiert Kurz, „ganz klar, müssen wir das wieder trainieren“.

Schon in der kommenden Woche solle das Stimm-Trainingslager der jahrelang befreundeten Musiker wieder starten, erste Auftritte in der Region zeichneten sich ebenfalls ab. Um die Wartezeit auf das nächste Konzert der kultigen Oldieband zu verkürzen, lohnt es sich, in der Anthologie zu blättern und in Erinnerungen an die Vergangenheit zu schwelgen – voller Vorfreude auf eine noch lange Zukunft mit den Moonlights.

Erhältlich ist die Anthologie über die Homepage der Band.

www.moonlights.de

Ihr Autor

BT-Redakteurin Kathrin Maurer

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Erstellt:
20. Juni 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 35sec

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