Die Technik ist erlernbar, die Magie nicht

Baden-Baden (fde) – Erste Gehversuche: Berufszauberer Daniel Bornhäußer lässt einen Laien in die magische Welt schnuppern.

Der Meister und sein Lehrling: Magier Daniel Bornhäußer (links) hat eine Reihe an verblüffenden Kartentricks für BT-Redakteur Dennis Fettig mitgebracht. Foto: Marius Merkel/Archiv

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Der Meister und sein Lehrling: Magier Daniel Bornhäußer (links) hat eine Reihe an verblüffenden Kartentricks für BT-Redakteur Dennis Fettig mitgebracht. Foto: Marius Merkel/Archiv

Wer mit den Harry-Potter-Büchern aufwächst, stellt sich fast zwangsläufig die Frage, wie es wohl wäre, selbst zaubern zu können. Das Leben wäre doch zweifellos einfacher, könnte ich Geldscheine mit einem „Abrakadabra“ vervielfältigen oder würde sich der Hausputz mit einem Fingerschnips von selbst erledigen. Diese Wunschvorstellung nimmt mir Daniel Bornhäußer gleich zu Beginn meines Ego-Trips: „Die Küche macht sich auch bei mir leider immer noch nicht von selbst“, schmunzelt der hauptberufliche Zauberer. Er hat es sich an diesem Tag zur Aufgabe gemacht, mir die ersten Schritte in der magischen Welt zu ermöglichen. Einen Zauberstab hat der 33-Jährige zwar nicht im Gepäck, aber vielleicht schlummert in mir ja dennoch ein kleiner Houdini.

Aus Wasser wird Eis

Zuerst will er mir einen Trick zeigen, mit dem jeder zu Hause für Verblüffung sorgen kann. Dafür füllt der 33-Jährige einen Schuss Wasser in ein Glas, das er anschließend in einen Kaffeebecher kippt.

„Ich mache jetzt aus Wasser Eis“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Noch ein lässiger Fingerschnips über der Tasse, um den Effekt zu untermalen, und schon dreht er das Gefäß um und es plumpsen zwei Eiswürfel auf den Tisch. Auf den Schuss Wasser warte ich vergeblich, nicht mal ein Tropfen nieselt auf den Tisch. „Wie hat er das gemacht?“, schießt es mir durch den Kopf. In Letzterem hat alles seinen Anfang, verrät mir Bornhäußer. „Magie beginnt im Kopf.“ Dabei stehe stets die Frage im Raum: „Kann er es wirklich oder ist es nur ein Trick?“ Trotz seiner 17 Berufsjahre versetzen manche Kunststücke seiner Kollegen selbst ihn immer noch ins Staunen. „Diese Momente will ich mir bewahren und hinterfrage nicht den Trick.“

Um die Spannung der Eiswürfel-Nummer fürs Erste aufrechtzuerhalten, wenden wir uns zunächst einmal den Spielkarten zu. „Vieles ist von der Fingerfertigkeit abhängig“, erklärt der Karlsruher und reicht mir ein Kartendeck. Dank jahrelanger Erfahrung in Mau-Mau, Zwanzig ab und Co. bereitet mir zumindest das Mischen keine Probleme. Beim Ausfächern der Karten sieht es schon anders aus. Während der Profi fließend die Karten mit einer Hand zum Halbkreis formt, mühe ich mich unter dem Einsatz aller zehn Finger, einen zumindest halbwegs ansehnlichen Kartenfächer hinzubekommen.

Dann folgt der erste Trick: Er mischt die Karten, hält mir den Stapel hin und schaut weg. Ich ziehe eine Karte, schaue sie kurz an und stecke sie in den Stapel zurück. Danach breitet er die Karten der Reihe nach auf dem Tisch aus. „Die Karo Acht ist deine Karte“, platzt es prompt selbstsicher aus dem Zauberer heraus. Natürlich hat er recht, was mich erneut sprachlos macht. „Die Technik kann ich dir beibringen, die Magie liegt dann bei dir“, erläutert Bornhäußer. Was er damit meint? Den Trick an sich zu erlernen, ist kein Hexenwerk, doch ihn dem Publikum überzeugend rüberzubringen, erfordert neben einer gewissen Routine eine möglichst authentische Körpersprache. „Wo fühlt man sich wohl, was liegt mir am besten?“ seien Fragen, die man sich dabei stellen sollte. Statt direkt die von mir ausgewählte Karte auszusprechen, hätte er beispielsweise auch tief in meine Augen schauen können, um so zu suggerieren, dass er daraus die Karo Acht gelesen hat. Der Trick bliebe der gleiche, die Wahrnehmung wäre jedoch eine völlig andere, nicht minder verblüffende. „Bei einem Profi zählt jeder Handgriff, denn schon Kleinigkeiten verstärken einen Effekt“, verdeutlicht der mehrfach ausgezeichnete Künstler, der schon im Kindesalter seine Leidenschaft für die Magie entdeckte. Mit einem Zauberkasten lernte er spielerisch die Grundlagen und brachte sich fortan vieles mit Hilfe von Büchern selbst bei. „Heute ist Zaubern lernen durch das Internet viel einfacher geworden.“

Übung macht den Meister

Nachdem er mir den Kartentrick beigebracht hat, rät Bornhäußer, den Kniff so oft wie möglich zu üben. „Am besten lernt man den Trick, indem man ihn Freunden oder fremden Leuten vorführt“, so sein Tipp. Eine witzige Anekdote hat er in diesem Zusammenhang auch parat, die sich für ihn später als wertvolle Erfahrung erwies. Damals sei er als Tischmagier bei einer Silvester-Gala aufgetreten. In der Lokalität angekommen, bemerkte er zu seinem Entsetzen, dass er seinen Zauberkoffer vergessen hatte. In seiner Notlage besorgte sich Bornhäußer ein Kartenspiel an der Rezeption und konnte allein mit diesem Utensil das Publikum einen Abend lang unterhalten. „Bemerkt hat das am Ende niemand“, schmunzelt er.

Erfahrung ist auch beim Zaubern das A und O. „Mit der Zeit fängt man dann an zu reifen.“ Der Profi muss es ja wissen, immerhin hat er allein dank seiner Live-Tour weit mehr als 300 Shows erfolgreich gemeistert. „Da habe ich gelernt zu improvisieren und mit den Zuschauern umzugehen. Ein Kunststück erlernen kann jeder, doch nicht jeder wird erfolgreich sein damit und beim Publikum ankommen“, unterstreicht Bornhäußer. Er persönlich legt großen Wert auf Unterhaltung. Die Mixtur seiner Show: „30 Prozent Kunststück, 70 Prozent Entertainment“.

Nachdem ich den Trick einige Male durchgespielt habe, starte ich meine ersten Probeläufe am lebenden Objekt. Dafür müssen die Kollegen herhalten. Und selbst bei meinen ersten Feldversuchen entlocke ich dem einen oder anderen bereits ein „Wow“ oder ein „Wie hast du das gemacht?“. Das ist mehr, als ich mir im Vorfeld erhofft hatte, und einen Kartenspieltrick für den nächsten Pokerabend habe ich nun auch auf Lager.

Zu guter Letzt gilt es noch, den Trick mit den Eiswürfeln aufzulösen. Auf dem Tassenboden war ein Stück Küchenrolle ausgebreitet, die Eiswürfel waren schon zuvor im Becher. Wenn man erst den Trick kennt, ist es also eher Hokuspokus als verzaubernde Magie. Aus diesem Grund verrate ich den Kartentrick nicht.

Dieser Artikel ist erstmals im Juli 2018 erschienen. Für die Reihe „Throwback Thursday“ des BT-Instagram-Teams wurde er aus dem Archiv gekramt und aktualisiert.

„Vieles ist von der Fingerfertigkeit abhängig“, erklärt der Profi und lässt die Karten locker von einer in die andere Hand springen. Foto: Marius Merkel/Archiv

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„Vieles ist von der Fingerfertigkeit abhängig“, erklärt der Profi und lässt die Karten locker von einer in die andere Hand springen. Foto: Marius Merkel/Archiv

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Erstellt:
12. November 2020, 19:00 Uhr
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