„Die Versorgung ist im Rebland insgesamt sehr gut“

Baden-Baden (cn) – Der Rebland-Ortsvorsteher Ulrich Hildner spricht mit der BT-Mitarbeiterin Christina Nickweiler über geplante Bau-Maßnahmen, Angebote vor Ort und kaum erreichbare Fernziele.

Ortsvorsteher Ulrich Hildner richtet seinen Dank auch an viele engagierte Personen und Institutionen im Rebland – gerade auch während der Corona-Krise. Foto: Christina Nickweiler

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Ortsvorsteher Ulrich Hildner richtet seinen Dank auch an viele engagierte Personen und Institutionen im Rebland – gerade auch während der Corona-Krise. Foto: Christina Nickweiler

Rund fünf Jahre ist es her, dass sich der Rebland-Ortschaftsrat mit den Zukunftsperspektiven des Reblands auseinandergesetzt hat. Die Zukunftsthemen wurden unter dem Titel „Entwicklungskonzept Rebland 2025“ benannt und diskutiert. Nach der Hälfte des betrachteten Zeitraums hat nun zu Jahresbeginn BT-Mitarbeiterin Christina Nickweiler im Gespräch mit Ortsvorsteher Ulrich Hildner auf das vergangene Jahr zurückgeblickt und eine Standortbestimmung hinsichtlich der formulierten Ziele unternommen.

Interview

BT: Herr Hildner, inwieweit hat das vergangene Jahr 2020 das Rebland vorangebracht?
Ulrich Hildner: Grundsätzlich war das Jahr 2020 coronabedingt kein leichtes, da sich die Schwerpunkte verschoben haben und wir weit entfernt von Normalität waren. Dies sieht man allein schon an den zahlreichen ausgefallenen Aktivitäten und Veranstaltungen. Positiv war und ist die Solidarität und die Hilfsbereitschaft im Rebland in vielerlei Hinsicht.

BT: Könnten Sie hier ein Beispiel nennen?
Hildner: Gezeigt hat sich das nach dem Großbrand im Neuweierer Finkengarten Ende November 2020. Ich bin sehr dankbar, dass wir so viele engagierte Personen und Institutionen haben, die für andere da sind. Es ist mir besonders wichtig, dies hervorzuheben und meinen Dank auszusprechen. Dies gilt auch für alle, die sich für ein sauberes und gepflegtes Ortsbild einsetzen, beispielsweise durch Blumenpflege, durch Bankpatenschaften, durch stimmungsvolle Ideen in der Adventszeit und nicht zu vergessen durch die Bewirtschaftung von Reben und Streuobstwiesen. Gerade solches Engagement war im Corona-Jahr 2020 besonders wichtig.

BT: Welche realisierten Projekte gab es im Rebland?
Hildner: Hier wäre auf jeden Fall die Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes in der Yburgstraße in Steinbach zu nennen. Vollendet wurde auch die Außenfassade der Grundschule Steinbach, ebenso wie die ökologische Aufwertung der Mecklehgasse in Steinbach. Lassen Sie mich aber auch die Leitungsverlegungsarbeiten der Stadtwerke in der Hänferstraße in Steinbach und in Varnhalt erwähnen. Apropos Varnhalt: Da konnten inzwischen die Sanitärräume der Yburghalle saniert sowie weitere Parkplätze vor der Yburghalle eingerichtet werden. Am Varnhalter Friedhof wurde zudem die Zufahrt zum Friedhof erneuert.

„Wohnen an der Weinstraße“

BT: Welche Maßnahmen wurden in Neuweier umgesetzt?
Hildner: Ganz klar lässt sich hier die planerische Weiterentwicklung „Wohnen an der Weinstraße“ nennen. Anfang dieses Jahres soll der Umlegungsbeschluss erfolgen. Der Zweckverband Hochwasserschutz hat im Sommer damit begonnen, das Hochwasserrückhaltebecken Nr. 3 im Kegelspiel aufwendig zu modernisieren. Touristisch haben wir den Weinort Neuweier und das Rebland durch die „Augenblick“-Runde mit Aussichtspunkten durch den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord aufgewertet. Bezogen auf das gesamte Rebland lässt sich die Herausgabe der Rebland-Infobroschüre zum dritten Mal als umgesetztes Projekt nennen. Neu ist auch die Verleihung des Prädikats „Weinsüden Weinort“ durch die Tourismus- und Marketinggesellschaft des Landes. Ganz aktuell wurde von den Gremien die Zusammenlegung der Verwaltungsstellen Varnhalt und Neuweier in der Ortsverwaltung am neuen Bestimmungsort Alte Schule in Steinbach beschlossen. Das ist definitiv eine wegweisende Maßnahme.

„Engel“-Eröffnung ein Highlight

BT: Stichwort Neubaugebiete, wie weit sind die Pläne für das Baugebiet Lindenfeld in Varnhalt gediehen?
Hildner: Das Gebiet Lindenfeld in Varnhalt liegt beim städtischen Wohnbauflächenmanagement in der Priorität nicht an vorderer Stelle, da sich nur wenige Grundstücke in städtischem Eigentum befinden. Derzeit lotet ein Entwicklungsträger in eigener Initiative die Bereitschaft der Grundstückseigentümer zum Verkauf aus. Sollte dies erfolgreich sein, könnte das Lindenfeld in der Priorität vorrücken, was auch Wunsch vieler Ortschaftsräte ist. Diese Vorgehensweise hat in Neuweier beim Gebiet „Wohnen an der Weinstraße“ funktioniert.

BT: In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme mit ehemaligen Gaststättengebäuden, die zweckentfremdet werden. Auch werden an historischen Gebäuden von den Eigentümern bisweilen Dinge so verändert, dass sie nicht mehr ins Ortsbild passen. Inwiefern hätte die Stadt durch nachträgliche Bebauungspläne ein wirkungsvolles Instrument gegen die Änderungen?
Hildner: Das Bau- und Planungsrecht bietet auch ohne Bebauungsplan Möglichkeiten zum Eingreifen. Insofern kann ein Bebauungsplan im Einzelfall sinnvoll sein, löst aber nicht alle Probleme. Diese entstehen oft auch durch Verstöße gegen das Bau- und Denkmalschutzrecht, wodurch vollendete Tatsachen geschaffen werden. In solchen Fällen muss nachträglich eine Genehmigung beantragt werden – unabhängig davon, ob ein Bebauungsplan besteht. Leider ist es so, dass Gasthäuser oft aufgegeben werden, weil sich aus verschieden Gründen kein Betriebsnachfolger findet. Es ist schade, aber nicht vorwerfbar, dass sich der Eigentümer dann um eine andere Folgenutzung bemüht. Wichtig ist, dass rechtzeitig ein Antrag auf Umnutzung gestellt wird. Im Hinblick auf die Gastronomie im Rebland war im vergangenen Jahr die Wiedereröffnung des Gasthauses „Engel“ in Neuweier durch die Familie Beck ein Highlight.

BT: Welche Maßnahmen sollen im Laufe des Jahres 2021 realisiert werden?
Hildner: Zunächst geht es hinsichtlich der Corona-Pandemie darum, den Alltag, das gesellschaftliche Leben langsam in Richtung Normalität hochzufahren. Es wäre schön, wenn wir geplante Veranstaltungen soweit vorbereiten könnten, dass diese auch stattfinden können. Im April geht es mit dem dritten und letzten Bauabschnitt in der Yburgstraße in Steinbach weiter. In Neuweier wird das Baugebiet „Wohnen in der Weinstraße“ planerisch fertiggestellt. Außerdem werden an der Nordic-Walking-Strecke im Bereich des Neuweierer Bolzplatzes weitere Parkplätze angelegt.

BT: Zur Zukunftswerkstatt: Sie hatten im Sommer 2016 zu einem Bürgerworkshop eingeladen. Oberbürgermeisterin Margret Mergen verwies damals unter anderem auf fehlende gemeinsame Handlungsstrukturen der Gewerbetreibenden, um langfristig die Kaufkraft an den Ort zu binden. Würden Sie einen „runden Tisch“ mit dem Handel und Gewerbe im Rebland begrüßen?
Hildner: Einem „runden Tisch“ stehe ich sehr aufgeschlossen gegenüber. Positiv ist, dass auch Betriebe im Rebland von ELR (Entwicklung ländlicher Raum)- und Leader-Fördermitteln profitieren können, wie dies auch schon öfters der Fall war. Prinzipiell stehen neben der Ortsverwaltung hier auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Baden-Baden sowie die Gewerbeentwicklung Baden-Baden (GEBB) als Ansprechpartner zur Verfügung. Wichtig ist darüber hinaus die Vernetzung der Betriebe untereinander, wie dies im Bereich Weinbau und Gastronomie insbesondere durch den 2017 gegründeten Förderverein der Fall ist.

Umgehungsstraße für Varnhalt und Steinbach

BT: Ebenso wurde im Spätsommer 2016 von einem Stadtentwicklungsbüro die Idee eines Wochenmarktes in Form einer „Rebland-Marktscheune“ herausgearbeitet. Wie weit ist dieses Projekt gediehen?
Hildner: Hier haben die Überlegungen noch keine konkreten Formen angenommen. Von privater Seite gab und gibt es einige vielversprechende Beispiele von Direktvermarktung und entsprechende Überlegungen für die Zukunft. Ein großer Erfolg war – trotz coronabedingter Einschränkungen – der regionale Erzeugermarkt im Steinbacher Städtl im Oktober 2020, an dem Anbieter aus dem Einzugsgebiet des Naturparks Schwarzwald Mitte Nord teilgenommen haben. 2021 soll im Oktober ein Naturpark-Markt im Städtl stattfinden.

BT: 2016 wurde mit Blick auf die Versorgung der älteren Menschen die Bündelung der Angebote von lokalen Erzeugern nach dem Prinzip von Hofläden genannt. Es sollten weiter Bedingungen erreicht werden, damit Senioren Zuhause „gut alt werden“ können. Welche Maßnahmen wurden seitens der Verwaltung bisher ergriffen?
Hildner: Die Versorgung ist im Rebland insgesamt sehr gut, wenngleich in Neuweier und Varnhalt das Angebot eingeschränkt ist. Positive Verbesserungsbeispiele der jüngsten Zeit sind sicher der CAP-Markt in Steinbach sowie die Lebensmittelautomaten in Neuweier und Steinbach. Es gibt im ganzen Rebland viele Fälle von praktischer Nachbarschaftshilfe für Senioren, was gerade in der Corona-Zeit sehr wichtig ist. Mit der Caritas-Tagespflegestätte gibt es im Rebland eine tolle und gut ausgelastete Einrichtung, die die Familien bestens unterstützt und die in Zukunft noch weiter ausgebaut werden soll. Nicht zu vergessen, die hervorragende Arbeit der Seniorenwerke, die leider durch die Corona-Pandemie etwas ausgebremst wurden. Im Bereich der Pflege und Betreuung tut sich auch viel. Nach Eröffnung der neuen CHD-Wohnanlage 2019 wird derzeit das frühere evangelische Pflegeheim von Grund auf umgebaut, und auf einem Grundstück in der Gärtnerstraße soll ein von der SWB Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH geführtes „Pflegezentrum Steinbach“ entstehen, das noch in der Planungsphase ist.

B 3 neu auf Steinbacher Gebiet fertig

BT: Ebenso stand auf der Agenda von 2016, den motorisierten Verkehr im Rebland nachhaltig zu reduzieren.
Hildner: Inzwischen ist die B 3 neu auf Steinbacher Gebiet fertiggestellt. Nun muss noch der Lückenschluss in Sinzheim gelingen, was sich dann bei einer durchgebundenen B 3 neu auch positiv auf das Verkehrsaufkommen im Rebland auswirken wird. Fernziel ist nach wie vor eine Umgehung von Steinbach und Varnhalt in Richtung Baden-Baden. Diese ist aber insbesondere aus ökologischer Sicht höchst umstritten.

Zu einer Verbesserung der Situation kann auch die Ausweisung weiterer Tempo-30-Bereiche beitragen, wenngleich dies nicht überall möglich ist. Überhaupt, noch in diesem Jahr ist geplant, das Konzept zu weiteren Tempo-30-Gebieten vorzustellen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass der neu geplante KVV-Tarif mit exakterer Berücksichtigung der tatsächlich zurückgelegten Fahrstrecke zur Reduzierung des Individualverkehrs im Rebland beitragen wird.

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„Die Versorgung ist im Rebland insgesamt sehr gut“
Neue Runde: Touristisch wurde der Weinort Neuweier und das Rebland durch die „Augenblick“-Tour durch den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord aufgewertet. Foto: Christina Nickweiler

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„Die Versorgung ist im Rebland insgesamt sehr gut“
Einem „runden Tisch“ mit Handel und Gewerbe steht Ortsvorsteher Ulrich Hildner sehr aufgeschlossen gegenüber. Foto: Christina Nickweiler

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BT: Inzwischen hat der 2017 gegründete Förderverein Wein, Tourismus, Kultur und Kunst im Rebland erste Projekte realisiert. Welche weitergehenden Maßnahmen, als die bisher von der Baden-Badener Tourismusgesellschaft übliche Erwähnung des Reblandes auf den Prospekten, werden Sie forcieren?
Hildner: Lassen Sie mich an dieser Stelle die in diesem Jahr geplante Herausgabe eines kleinen Stadtführers für 2021 für Steinbach nennen. Dieser wurde durch die Verfügungsmittel des Ortschaftsrates ermöglicht. Tatsächlich konnte durch den Förderverein im Rebland Aufbruchsstimmung erzeugt werden. Es wurden in Zusammenarbeit mit Stadt- und Ortsverwaltung zahlreiche neue Veranstaltungen konzipiert und durchgeführt.

Daran muss angeknüpft werden, auch unter Nutzung der Förderprogramme Leader und ELR. Wichtig ist, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen und gemeinsam agiert wird. Innerhalb Baden-Badens ist es – nicht zuletzt durch den unermüdlichen Einsatz von Stadt- und Ortschaftsrat Klaus Bloedt-Werner – gelungen, das Thema Wein besser zu positionieren und Baden-Baden als „Weinstadt“ herauszustellen.

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Erstellt:
15. Januar 2021, 14:00 Uhr
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Neue Runde: Touristisch wurde der Weinort Neuweier und das Rebland durch die „Augenblick“-Tour durch den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord aufgewertet. Foto: Christina Nickweiler

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Einem „runden Tisch“ mit Handel und Gewerbe steht Ortsvorsteher Ulrich Hildner sehr aufgeschlossen gegenüber. Foto: Christina Nickweiler

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