Die Volkshochschule wird „analogital“

Rastatt (as) – Wie macht sich die Volkshochschule im Landkreis Rastatt zukunftsfit? Bis 2026 nimmt man unter anderem ein „Studium generale“ für Senioren und eine Frauenakademie in den Blick.

Gesundheitsangebote wie Yoga sind bei der Volkshochschule stark nachgefragt. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa

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Gesundheitsangebote wie Yoga sind bei der Volkshochschule stark nachgefragt. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa

„Weiterbildung ohne Zugangsbeschränkung“, darin sieht die Volkshochschule (VHS) des Landkreises Rastatt auch künftig ihre Kernaufgabe. Dazu will man Trendthemen aufgreifen und mit zielgruppenspezifischen Angeboten wie „Studium generale“ für Senioren, Frauenakademie, Kursen für Migranten außerhalb von Deutschkursen oder Ferienangeboten für Kinder und Jugendliche neue Akzente setzen. Das berichtete Cornelia Casper, Leiterin des Amts für Weiterbildung und Kultur, jüngst im Kreisausschuss für Schulen und Kultur.

Digitale Angebote verdreifacht

Zudem sollen die digitalen Angebote ausgebaut werden, denn in der Corona-Zeit seien viele Nutzer und auch Dozenten auf den Online-Geschmack gekommen, prägte Casper in ihrem Ausblick bis 2026 den Begriff von der „analogitalen“ Volkshochschule. Präsenzkurse würden den sozialen Austausch fördern und sollen ein Schwerpunkt der VHS bleiben, ergänzt um Onlineangebote für das flexible, ortsungebundene Lernen.

Von 2019 bis 2021 habe sich das digitale Angebot bereits auf 210 Kurse verdreifacht. Allerdings müssten nun die digitale Infrastruktur ausgebaut, die Kursleiter geschult und weitere Lehr- und Lernformate entwickelt werden. Auch die sehr gut angenommenen Crossover-Kurse (beispielsweise Kochen auf Französisch) sollen verstärkt werden. Ebenso will die VHS generationenübergreifende Angebote entwickeln und auch Kinder sowie Jugendliche wieder stärker in den Blick nehmen.

Auf Bühler Erfahrungen aufbauen

Ein großer Glücksfall sei die Übernahme des Bildungsportals der Stadt Bühl zum Jahr 2022 (das BT berichtete), betonte Casper. Mit der dort bereits installierten Senioren- und der Frauenakademie könne man auf Erfahrungen, Dozenten und vorhandene Strukturen aufbauen. Zusammen mit den Integrationskursen erwartet die VHS dadurch einen Zuwachs um rund 1.200 Teilnehmer – und das ist dank eines vereinbarten jährlichen Zuschusses der Stadt Bühl sowie städtischer Unterstützung bei der Raumnutzung für den Landkreis kostenneutral.

Räume werden knapp

Mit dem Thema Raumnutzung sprach Casper zugleich ein Problemfeld aus der Situationsanalyse an: Es gebe keine idealen Seminarbedingungen in den Schulen, die zudem nur abends zur Verfügung stehen; hinzu kommen Raumnutzungskonflikte mit Vereinen bei Turnhallen. Offene Bereiche von Kindergärten seien aus Datenschutzgründen (Aktenverwahrung) nicht mehr belegbar. Die Räume im Landratsamt würden aufgrund von Raumnot teils als Bürofläche genutzt. Deshalb müssten zunehmend Räume angemietet werden. Das kostet Geld, während kommunale Schulen und Gebäude traditionell kostenfrei genutzt werden, denn VHS-Weiterbildung ergänzt die Infrastruktur für die Bürger vor Ort, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Gesundheitskurse sind gefragt

Besonders gefragt sind nach wie vor Gesundheits- und Wissenskurse. Auch die Qualifizierung von Tagespflegepersonen sowie Sprach- und Integrationskurse sind Frequenzbringer. Das Interesse an EDV-Kursen und beruflicher Weiterbildung hingegen ist laut Casper rückläufig.

Kein Erfolgsmodell war der Versuch von Kooperationen in der Ganztagsbetreuung. Die Eltern seien nicht bereit, für Zusatzangebote zu bezahlen, die Schulen hätten dafür keine Mittel, so Caspers Fazit. Schulungen von Realschulabsolventen zum problemfreien Übergang aufs Gymnasium wurden mangels Nachfrage wieder eingestellt.

Erfolgreich hingegen seien die vielfältigen Kooperationen, so Casper – sei es mit der Steinbeis Business Academy, WWF Deutschland, der Pamina-VHS oder dem Pamina-Rheinpark. Diese Angebote sollen ebenfalls verstärkt werden.

Alles in allem will die Volkshochschule, die laut Casper selber etwas mit dem „antiquierten“ Namen hadert, sich damit zukunftsfit machen und wieder zu alter Stärke zurückfinden: 12.500 Teilnehmer in 1.200 Kursen wie 2019 – „da wollen wir nach Corona wieder hin“, so Casper.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
12. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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