Die Wege in Gaggenau im Blick

Gaggenau (red) – Seit 1970, also ein halbes Jahrhundert lang, sorgt Reinfried Holtz vom Schwarzwaldverein Gaggenau dafür, dass die Beschilderung der Wanderwege in einem guten Zustand ist.

Reinfried Holtz ist seit 1970 als Wegewart des Schwarzwaldvereins Gaggenau unermüdlich im ehrenamtlichen Einsatz. Foto: Schwarzwaldverein

© red

Reinfried Holtz ist seit 1970 als Wegewart des Schwarzwaldvereins Gaggenau unermüdlich im ehrenamtlichen Einsatz. Foto: Schwarzwaldverein

Mittlerweile ist Reinfried Holtz 80 Jahre alt, und nach wie vor ist sein Motto: „Ich mache die Arbeit für unsere Bürger und unsere Gäste gerne und freue mich, wenn in einem fremden Gebiet für mich ein Kollege die Markierung pflegt.“

Die Gesamtstrecke der örtlichen Wanderwege beträgt derzeit 160 Kilometer, dazu sind noch 24 Kilometer regionale Wege zu betreuen. Im Oktober 1970 hatte Holtz die Pflege der Wanderwege rechts der Murg von Adolf Wittmann übernommen: Dieser hatte aus gesundheitlichen Gründen das Amt abgegeben. „Rechts der Murg“, das waren damals sechs Wanderwege – vor allem sogenannte Zielwege, die zum Beispiel zum Bernstein, Mahlberg, Eichelberg und Tirolerbrunnen führten.

Fehlende Wegweiser und kleine Wegzeichen anbringen, defekte durch neue ersetzen und Wege, soweit es erforderlich und möglich ist, freihalten: Dies sind Aufgaben der Wegewarte, berichtet Franz-Josef Lucke, der Vorsitzende des Vereins. 60 Wegweiser hat Holtz bis zur Einführung des neuen Wegesystems in Eigenfertigung hergestellt.

Auch der Bereich links der Murg ging nach dem Ausscheiden von Wegewart Hermann Baumstark, der dieses Amt über 40 Jahre innehatte, 2002 in die Verantwortung von Reinfried Holtz über.

Zwei Jahre später kamen weitere Aufgaben dazu: 2004 wurde in Zusammenarbeit mit dem Hauptverein Freiburg, Forstverwaltung und Stadt Gaggenau das neue Wegenetz 2000 erarbeitet und umgesetzt.

Rund 100 Arbeitsstunden jedes Jahr

Dieses sah ein flächendeckendes Wanderwegenetz über den ganzen Schwarzwald vor. Für Reinfried Holtz erweiterte sich dadurch das zu betreuende Gebiet auf die gesamte Gemarkungsfläche von Gaggenau: Vom Waldprechtstal hoch nach Freiolsheim über Moosbronn und Mittelberg, Bernstein und weiter bis zum Laufbachtal nach Hörden; auf der linken Murgseite über die Lieblingsfelsen nach Selbach und unterhalb der Wolfsschlucht nach Rotenfels.

Seine Aufgabe war es, die Vernetzung der Wanderwege und die Standorte für die Wegweiser an den Kreuzungspunkten festzulegen. Das Erstellen der Pfosten sowie die Montage der Wegweiser in den Wohngebieten erfolgte durch den Bauhof. Im Außenbereich übernahmen dies der Wegewart und seine Helfer.

Die Gesamtstandorte umfassen 91 Pfosten und 31 öffentliche Träger wie Ampel- und Laternenmasten. Jeder Standortpfosten hat einen eigenen Namen und ist auf Gaggenauer Gemarkung auch mit dem Stadtwappen versehen. Insgesamt 413 Wegweiser und 772 kleine Wegzeichen wurden neu angebracht. Zusätzlich wurden an den S-Bahn-Haltestellen (außer Weinbrennerstraße) in allen Ortsteilen und an verschiedenen anderen Stellen elf Infotafeln mit Wandervorschlägen erstellt. Die Gebietsausschnitte auf den Tafeln wurden dem Standort entsprechend vom Wegewart ausgewählt.

Von der Planung bis zur Fertigstellung hat der Schwarzwaldverein Gaggenau insgesamt rund 858 Stunden erbracht. Allein schon für die Instandhaltung des Wegenetzes leistet Reinfried Holtz jährlich rund 100 Stunden. Ohne Auto geht es auch beim Wanderwart nicht: 200 bis 250 Kilometer legt er damit pro Jahr zurück.

Nach dem Sturm Lothar war der Weg von Gaggenau zum Bernstein unterbrochen. Reinfried Holtz hat mit Helfern eine Treppe gebaut, damit der Wanderweg wieder begangen werden kann. Auch bei der Verlängerung der Murgleiter vom Unimog-Museum nach Gernsbach brachte der Wegwart sein Wissen gerne ein.

Die Stadt unterstützt die Arbeit der Wegemarkierung mit der Übernahme der Materialkosten, wenn Wegweiser repariert oder ersetzt werden müssen. Dass diese nach Waldarbeiten beschädigt werden, sei bedauerlich, aber ärgerlich seien mutwillige Beschädigungen. Diebstahl sei natürlich auch ein Thema. Und als besonderen Verlust muss Reinfried Holtz die praktische Klappleiter verbuchen. Zusammengeklappt sieht sie wie eine Holzstange aus. Von seinem Vorgänger hatte er sie einst übernommen; doch in der Nähe von Schloss Rotenfels war sie eines Tages verschwunden, als er sie nach seiner Arbeit wieder mitnehmen wollte.

Informationen zum Wegenetz gibt es hier.

Zum Artikel

Erstellt:
1. Januar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.