Die Wolfsgrube im Forbacher Wald

Forbach (galu) – Der Forbacher Günter Lang hat vor 16 Jahren ein sonderbares Bauwerk freigeschaufelt: eine Wolfsgrube.

Ein Blick auf die Wolfsfalle in der Nähe der Wegscheidhütte – ein Jagdrelikt aus längst vergangenen Zeiten. Foto: Lukas Gangl

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Ein Blick auf die Wolfsfalle in der Nähe der Wegscheidhütte – ein Jagdrelikt aus längst vergangenen Zeiten. Foto: Lukas Gangl

Der Nordschwarzwald soll wieder zum Wolfsrevier werden. Einige Male wurden im Murgtal bereits Schafe oder Ziegen gerissen. Mit aufwendigen Zaunbauten sollen die Tiere geschützt werden. In früheren Jahrhunderten wusste man sich anders zu behelfen. So liegt ein paar Kilometer außerhalb von Forbach, mitten im Wald, gerade oberhalb der Wegscheidhütte, ein Stück Geschichte versteckt: eine Wolfsgrube.

Entdeckt hat sie laut eigenen Angaben Günter Lang aus Forbach, bereits vor rund 50 Jahren, bei einem Waldspaziergang querfeldein. Seine damaligen Recherchen liefen jedoch ins Leere, die damaligen Förster wussten nichts über die paar Mauersteine, die da aus dem Boden ragten und als einziger Hinweis auf die darunterliegende Konstruktion dienten. Erst ein Blick in die Ortschroniken, das Forbacher Buch von 1926, konnte ihm bestätigen, dass in den Wäldern rund um Forbach einst Wölfe gejagt wurden und es sich um eine Wolfsgrube handeln müsse.

Zweieinhalb Meter geht es in die Tiefe

Mit der Erlaubnis des damaligen Revierförsters Helmut Hiller schaufelte der heutige Wegwart des Schwarzwaldvereins vor 16 Jahren rund sechs Kubikmeter Sand und Erde weg und hob die Grube auf rund zweieinhalb Meter Tiefe aus – mehr habe er sich nicht getraut, aus Unsicherheit über die Stabilität des alten Gemäuers, erzählt Lang. Die heutige Umzäunung hat ebenfalls der heute 81-Jährige gebaut: mit Erlaubnis der Gemeinde, das Material hatte er vom Bauhof bekommen. Auch das Schild, das die Geschichte der Grube erzählen soll und einen Auszug aus den Ortschroniken zeigt, stammt von Lang.

Ob es sich dabei tatsächlich um eine Wolfsgrube handelt oder möglicherweise doch um eine alte Zisterne, ist nicht mit hundertprozentiger Sicherheit geklärt, für Lang ist die Sache jedoch klar. „Die Bauweise und der Standort lassen meiner Meinung nach eindeutig auf eine Wolfsfalle schließen“, sagt der Forbacher, die Überlieferungen der Ortschroniken bestärken ihn in dieser Ansicht.

Auch eine Anekdote von der Freilegung der Grube weiß er zu erzählen: Auf rund einem Meter Tiefe sei er auf die Überreste eines Lagerfeuers gestoßen. Er vermutet daher, dass die Grube nicht von Menschenhand zugeschüttet worden war, sondern sich im Laufe der Zeit durch natürliche Ursachen gefüllt habe. Das Lagerfeuer hätten dieser Theorie entsprechend wohl Wanderer hinterlassen, die in der Senke gerastet haben – wahrscheinlich ohne zu wissen, worin sie es sich gemütlich gemacht hatten.

Günter Lang aus Forbach hat die Wolfsgrube zu seinemProjekt gemacht. Foto: Lukas Gangl

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Günter Lang aus Forbach hat die Wolfsgrube zu seinem Projekt gemacht. Foto: Lukas Gangl

Wer die Wolfsgrube selbst besichtigen will, kann dies mit einem Streifzug auf dem Westweg verbinden. Die Wegscheidhütte ist Teil der dritten Etappe auf dem Wanderweg. Unweit der Hütte ist an einem Baum ein kleines, leicht zu übersehendes Hinweisschild angebracht, welches die Richtung weist. Von dort aus geht es schnurstracks ins Gelände hinein, kaum hundert Meter weiter steht man bereits an der Grube und kann sich dort sein eigenes Bild von der historischen Fallgrube für Wölfe machen.

Wie funktioniert eine Wolfsgrube?

Wolfsgruben wurden gebaut, um – wie der Name schon sagt – Wölfe zu fangen, statt sie auf traditionellere Arten zu jagen. Historischen Dokumentationen zufolge hatten die Fallen einen Durchmesser von zwei bis fünf Metern, bei einer Tiefe von mindestens zwei Metern, häufig ist von drei bis vier Metern die Rede. Die steilen Schächte waren häufig ausgemauert und oftmals auch beweglich abdeckbar, beispielsweise mit klappbaren Deckeln.

Zur Wolfsjagd wurden die Gruben – je nach Bauart auch Wolfsfänge genannt – mit Reisig oder Astwerk bedeckt, in der Mitte wurde ein Köder, zumeist ein totes Tier oder Schlachtabfälle, platziert. Wenn der Isegrim versuchte, zum Köder zu springen, so fiel er durch die Abdeckung hindurch in die Falle.

Überlieferungen zufolge wurden in flacheren Gruben auch angespitzte Pfähle oder Fangeisen positioniert, um den Wolf an der Flucht aus der Vorrichtung zu hindern.

Wolfsgruben wurden in Deutschland bis ins 18. Jahrhundert hinein benutzt. Bei Wilgartswiesen im Landkreis Südwestpfalz befindet sich eine gut erhaltene Wolfsgrube, nachweislich wurde hier 1908 der letzte Wolf auf die Art und Weise gefangen.

Ihr Autor

BT-Volontär Lukas Gangl

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Erstellt:
3. Mai 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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