Die baden-württembergische DNA in Dubai entdecken

Stuttgart – Baden-Württembergs Expo-Pavillon in Dubai: Die Suche nach Wirtschaftspartnern bleibt kompliziert.

 Der Rohbau des baden-württembergischen Expo-Pavillons in Dubai. Nach sieben Monaten Bauzeit fand Anfang Mai das Richtfest statt. Foto: Constantine Japaridze/DBN Production

© pr

Der Rohbau des baden-württembergischen Expo-Pavillons in Dubai. Nach sieben Monaten Bauzeit fand Anfang Mai das Richtfest statt. Foto: Constantine Japaridze/DBN Production

Der Anspruch ist gewaltig, denn das Baden-Württemberg-Haus auf der Expo 2020 in Dubai muss ein Alleskönner sein. Es verkörpere, heißt es im Werbetext, „den Innovations-, Wirtschafts-, Forschungs-, Tourismus- und Kulturstandort“ im deutschen Südwesten. Der Start allerdings hätte angesichts der Finanzierungslücken und in deren Folge des parlamentarischen Untersuchungsausschusses im vergangenen Winter holpriger kaum sein können.

Inzwischen steht der Rohbau, die Dauerausstellung und die Eröffnung sind in Planung. Nur die Partnersuche bleibt kompliziert. Die Weltmarken aus dem Land halten sich fern oder sind schon anderweitig vergeben. Also haben die Steuerzahler gute Chancen, zur Gänze auf den roten Zahlen sitzen zu bleiben.

Stärke des Pavillons ist zugleich seine Schwäche

Friedrich Schiller und der Schwarzwald, Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“, Industrie 4.0 und die Venus vom Hohle Feld zieren die ersten digitalen Eindrücke der realen Dauerausstellung, mit denen die Besucherscharen aus aller Herren Länder „die DNA Baden-Württembergs entdecken“ sollen. Kein Mercedes-Stern jedoch ist weit und breit zu entdecken, kein Porsche-Wappen mit dem berühmten goldenen Schriftzug Stuttgart, keine Kreation von Hugo Boss: Die Stärke des Pavillons, der am 1. Oktober für 181 Tage seine Pforten öffnen wird, ist seine Schwäche zugleich. Denn einerseits ist es ein großer Erfolg, dass das Land als einziges unter 191 Nationen den Zuschlag für ein eigenes Konzept und einen Bauplatz erhalten hat. Andererseits muss das Haus unter diesen Nationen auch mit dem Campus Germany konkurrieren und mit dem nationalen deutschen Ausstellungs- und Event-Angebot zu den Expo-Schwerpunkten Chancen, Mobilität und Nachhaltigkeit.

Das deutsche Haus, von vornherein und zur Gänze aus dem Bundeshaushalt und damit vom Steuerzahler finanziert, hat aber für einzelne Veranstaltungen mit Festo aus Esslingen oder Hugo Boss aus Metzingen Partner gewonnen, die auch Baden-Württembergs Haus nur zu gerne aufgenommen hätte. Mit ihnen und anderen wäre das ursprüngliche Versprechen besser zu erfüllen gewesen: Eigentlich sollte das Projekt von der Wirtschaft für die Wirtschaft finanziert werden. Tatsächlich aber wird das Land wegen der Zurückhaltung der heimischen Firmen einen Fehlbetrag von rund 15 Millionen berappen müssen.

Appell an die Wirtschaft

Die bekanntesten Geldgeber, der Tunnelbauer Herrenknecht, Dübel-Fischer und Kärcher hatten sich im März in einem offenen Brief noch einmal an „die baden-württembergische Wirtschaft“ gewandt und für eine Teilnahme geworben: „Wir hoffen, dass sich noch viele Unternehmen und Weltmarktführer unserem Beispiel anschließen und das Baden-Württemberg-Haus als Partner unterstützen.“ Die Resonanz sei überschaubar, heißt es aus dem zuständigen Wirtschaftsministerium. Auch dessen Chefin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) appellierte zum Richtfest noch einmal vehement an Interessierte, denn „gerade in der Erholungsphase nach den enormen coronabedingten Belastungen für die baden-württembergische Wirtschaft gilt es, diese Chance nun beherzt zu ergreifen“.

Nach Ende der Pfingstferien wird über den Stand der Vorbereitungen offiziell informiert. Immerhin nimmt die Eröffnung des „innovativen Holzhybridbaus“ (Hoffmeister-Kraut) Gestalt an. Denn die wird musikalisch begleitet von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Was allerdings auch ein Beispiel für die Parallelstrukturen ist, die zwischen dem Baden-Württemberg-Haus und dem nationalen deutschen Pavillon entstanden sind: Dessen Partner ist die Staatliche Hochschule für Musik aus Trossingen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.