Die kuriosesten Suspendierungen im Fußball

Baden-Baden (rap) – Wenn das Baguette zu groß ist: Die BT-Sportkolumne befasst sich in dieser Woche mit den kuriosesten Suspendierungen im Fußball.

Musterprofi a.D.: Schalkes Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb (blaues Trikot) ist in drei Jahren bei den Knappen fünf Mal suspendiert worden. Foto: Edith Geuppert/GES

© GES/Edith Geuppert

Musterprofi a.D.: Schalkes Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb (blaues Trikot) ist in drei Jahren bei den Knappen fünf Mal suspendiert worden. Foto: Edith Geuppert/GES

Rabattheftchen sind etwas Tolles. Da bricht sich dann das Sammelfieber (durch alle Generationen) Bahn wie einst als kleiner Steppke, wenn das neue Bundesliga-Panini-Album erschien. Mit so pickepackevollen Coupons lassen sich ja schließlich ganz wunderbare Sachen ergattern: eine neue Bratpfanne etwa, oder ein Plüschmonster für die lieben Kleinen. Gäbe es ein Rabattheft für Suspendierungen im Fußballgeschäft, Nabil Bentaleb wäre ganz vorne dabei. Blöd nur, dass es dafür keinen tollen Preis, sondern jede Menge Häme und (mindestens) ein Spiel auf der Tribüne gibt.
Der Algerier in Diensten des Bundesligisten FC Schalke 04 hat diese Woche mal wieder voll zugeschlagen, und zwar fast so, wie die rüstige Rentnerin montags um 8 Uhr, wenn beim Discounter günstige Sonderaktionen abzustauben sind. Der 26-Jährige, seit 2017 auf Schalke, hat am Dienstag seine fünfte (!!!) Suspendierung bei den Knappen erhalten – und damit so viele wie Schalke 04 in dieser Saison Bundesliga-Tore erzielt hat. Wie auch Amine Harit geriet Bentaleb dem Vernehmen nach mit Trainer Manuel Baum aneinander. Nun heißt es für das Duo wieder allein Runden zu ziehen mit einem Individualtrainer. Freilich keine neue Situation für den Mittelfeldspieler, der bei Baums Vor-Vor-Vorgänger Domenico Tedesco wegen schlechter Trainingsleistungen bereits zweimal aussortiert wurde. Dessen Nachfolger Huub Stevens, also der Knurrer aus Kerkrade, fackelte ebenfalls nicht allzu lange und zog den Algerier auch doppelt aus dem Verkehr: Zunächst, weil er vergessen hatte, sich abzumelden, als er zu seiner schwangeren Frau ins Krankenhaus fuhr, einen Monat später schwänzte er den Deutschunterricht. Mittlerweile dürfte Bentaleb in der Veltins-Arena seinen angestammten Tribünenplatz haben.

Bittere Folgen der Sturheit

Der Schalker sammelt ohne Zweifel gerne Suspendierungen, dass es aber durchaus kuriosere Gründe für ein unfreiwilliges Zuschauen gibt, zeigt allein das Beispiel von Emmanuel Dennis, der am Dienstag eigentlich mit dem FC Brügge in der Champions League bei Borussia Dortmund hätte auflaufen sollen. Allein, der junge Mann war tags zuvor schlicht zu wählerisch in Sachen Sitzplatz im Mannschaftsbus. Der 23-jährige Nigerianer durfte nicht auf seinem favorisierten Sitz Platz nehmen, weshalb der Stürmer laut belgischen Medienberichten derart verärgert war, dass er kurzerhand wieder ausstieg – mit bitteren Folgen. „Dennis ist fit, aber nicht in unserer Auswahl. Er hat sich nicht an die Regeln des Klubs gehalten, mehr will ich dazu nicht sagen“, erklärte Brügge-Coach Philippe Clement.

Doch auch ein (vermeintlich) kleiner Snack für die Busfahrt kann einem Fußballer zum Verhängnis werden. So geschehen 2015 bei Melvyn Lorenzen, damals in Diensten von Werder Bremen II, der zum Treffpunkt für das Auswärtsspiel bei Rot-Weiß Erfurt in der dritten Liga mit einem Baguette erschien. Marke XXL. Für den damaligen Trainer Alexander Nouri wohl zu XXL, der den Stürmer postwendend nach Hause schickte. „Der Faktor Ernährung spielt bei Werder eine wichtige Rolle“, erklärte der damalige Manager Thomas Eichin und bestätigte den Vorfall. Döner-Werfer Kevin Großkreutz, selbst kein Kind von Traurigkeit – erinnert sei nur an die Oberstufen-Party mit anschließender Klopperei vor einem Freudenhaus –, hätte sicherlich Verständnis für Lorenzen aufgebracht.

Thorsten Legats fragwürdiger Humor


Dass Essen durchaus ein gewisses Gefahrenpotenzial für Suspendierungen birgt, davon können auch Mario Basler und Sven Scheuer erzählen. Stichwort „Pizzeria-Prügelei“. 1999, zu den Hochzeiten des FC Hollywood, geriet das Münchner Duo in einer Pizzeria mit einem Gast aneinander. „Der Mann hat mich angepöbelt und wurde daraufhin vom Lokalchef rausgeworfen. Als wir das Restaurant gegen 1 Uhr verließen, kam er erneut auf mich zu und pöbelte weiter. Als er die Hand erhob, hat ihm Sven Scheuer eine Ohrfeige verpasst“, berichtete Basler. Vor Gericht landete die Prügelei nicht, gleichwohl schmiss FCB-Patriarch Uli Hoeneß das Duo raus.

Nicht erst seit seinen teils kruden Auftritten in Reality-TV-Formaten muss man sich um die geistige Gesundheit von Thorsten Legat Sorgen machen, dies war schon zu seiner fußballerischen Schaffenszeit zweifelsohne der Fall. 1999 beim VfB Stuttgart bewies er einen ganz, ganz üblen Sinn für Humor. Auf ein Poster, das seinen dunkelhäutigen Mitspieler Pablo Thiam beim Trinken zeigte, schrieb er das Wort Negersaft. Die Schwaben fanden das (selbstredend) überhaupt nicht lustig, gaben gar ein graphologisches Gutachten in Auftrag, das schließlich Legat als Übeltäter überführte. Dieser räumte den Fauxpas ein, sprach sich mit Thiam aus – doch der VfB löste (verständlicherweise) den Vertrag auf.

Ein Geschmäckle hatte dagegen die Suspendierung von Christian Okpala. Und zwar ein ganz schön stinkiges. Beim damaligen Drittligisten Stuttgarter Kickers wurde er nach einer Handgreiflichkeit in der Kabine aussortiert. Der Grund: Sein Teamkollege Sascha Benda, später auch für den FC Illingen am Ball, sonderte manch übel riechenden Pups in dessen Richtung ab. Okpala hielt den zweifelhaften Duft in der Kabine nicht mehr länger aus und schlug mit der Faust zu. „Benda hat mich provoziert, indem er ständig furzte. Das hat er bereits in Augsburg getan, wo wir bis letzte Saison zusammen spielten. Dort musste er sogar 250 Euro Strafe bezahlen“, erklärte Okpala. Und: „Furzen ist in Afrika eine noch viel größere Beleidigung als in Deutschland.“ Das sahen die Kickers nicht so.

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Erstellt:
26. November 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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