Die letzte Ruhe für Tiere – nicht nur in Karlsruhe

Karlsruhe (galu) – Würdevolle Bestattungen für Hund, Katze und Co. werden immer gefragter. Mittendrin: Tierbestatter Andreas Volz. Seine Besonderheit: Er arbeitet auf beiden Seiten des Rheins.

Der Tod seines Hundes Bianco hat Andreas Volz motiviert, selbst Tierbestatter zu werden. Foto: Andreas Volz

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Der Tod seines Hundes Bianco hat Andreas Volz motiviert, selbst Tierbestatter zu werden. Foto: Andreas Volz

„Ich mache das einfach so, wie ich es damals selbst gern gehabt hätte“, beschreibt Andreas Volz den Grundsatz seines Unternehmens. Der Elsässer Volz ist Tierbestatter in Karlsruhe und kann eine Besonderheit aufweisen: Er hat eine Arbeitsgenehmigung für beide Seiten des Rheins.

Angefangen hat alles mit dem Tod seines eigenen Hundes Bianco, welchen er einst aus einer Tötungsstation in Spanien gerettet hatte. Nach dessen Tod nahm Volz selbst die Dienstleistungen eines Tierbestatters wahr und wurde schwer enttäuscht, wie er berichtet. Als pietätlos und undurchsichtig beschreibt er seine Erfahrungen. „Haustiere sind mittlerweile sehr viel mehr als nur Tiere, es sind Lebensbegleiter und Familienmitglieder. Und manchmal das Einzige, was zwischen einem Menschen und der Vereinsamung steht“, findet Volz. Dementsprechend hätten diese auch einen würdigen Abschied verdient, bereits sein Vater habe ihn als Kind gelehrt, Tiere mit Respekt zu behandeln. Als logische Konsequenz gründete er im April 2019 – nach über einem Jahr Standort-Suche – seine Firma „Tierbestattung Volz GmbH“ in der Karlsruher Weinbrennerstraße.

In Frankreich sind Tierbestattungen bisher kein Thema

Von dort aus betreut er „sein Gebiet“: von Freiburg bis Neustadt an der Weinstraße, von Calw bis Straßburg – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. „Das Privatleben lässt sich dadurch natürlich kaum noch planen“, scherzt der Elsässer. Zusätzlich zur eigenen Firma arbeitet er vormittags noch im Servicebereich eines Supermarkts. Auf Dauer soll jedoch die Tierbestattung zum Hauptberuf werden.

Die Konkurrenz in der Region jedoch sei groß – allein in der Fächerstadt direkt gibt es noch zwei weitere Tierbestatter –, doch Volz kann mit seiner internationalen Arbeitserlaubnis im benachbarten Elsass punkten. „In Frankreich sind Bestattungen für Haustiere bisher überhaupt kein Thema gewesen“, merkt er an. Zusammen mit dort ansässigen Tierärzten baut er dort gerade sein Geschäft aus, seine Privatwohnung hat er zum zweiten Büro umfunktioniert. Der Schritt dorthin war, so Volz, jedoch von juristischen Hürden geprägt: Eine Genehmigung für die Einfuhr von Tierkadavern nach Deutschland war nicht leicht zu bekommen und muss regelmäßig erneuert werden.

Seine Verbundenheit zum Nachbarland verschafft ihm in Corona-Zeiten noch einen weiteren Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Normalerweise ist es für den Kunden möglich, der Einäscherung des Tieres beizuwohnen. In Deutschland ist dies jedoch aufgrund von Lockdown und Pandemie-Regeln derzeit verboten – nicht jedoch in Frankreich, wo Volz mit dem Tierkrematorium in Geudertheim, etwa 15 Kilometer vor Straßburg, kooperiert.

Bestattungen auf einem Friedhof oder im Friedwald

Generell setzt Volz auf zwei Standpfeiler beim Umgang mit den Klienten: Steter Informationsfluss und zeitnaher Service. „Zwischen der Abholung des Tieres und der Übergabe der Urne vergeht maximal eine Woche. Außerdem ist der Kunde immer auf dem aktuellen Stand, wo sich sein Tier gerade befindet und was gerade passiert“, merkt Volz an.

Eine würdevolle Bestattung mit Urkunde und Urne wünschen sich Tierbesitzer heute. Foto: Andreas Volz

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Eine würdevolle Bestattung mit Urkunde und Urne wünschen sich Tierbesitzer heute. Foto: Andreas Volz

Je nach Größe und Gewicht des Tieres und dem Preis der Urne, variiert auch der Preis der Bestattung, im Schnitt müsse man aber mit rund 300 Euro rechnen, merkt Volz an. Dafür biete er seinen Kunden aber einen „Rundum-Service“ an: Abholung des Tieres zuhause oder beim Tierarzt, Termin beim Krematorium, wenn nötig eine Zwischenlagerung in seinen Räumlichkeiten. Sobald das Tier kremiert ist, bringt er die Urne mitsamt Einäscherungsurkunde zurück zum Kunden, zusätzlich dazu legt er Abmeldezertifikate und Formulare für Steuer und Versicherung bei. Auf Wunsch organisiert er auch eine Bestattung auf einem Tierfriedhof oder dem Tierfriedwald in Rotfelden (Landkreis Calw). Prinzipiell empfiehlt er den Friedwald. „Denn auf Tierfriedhöfen ist es wie beim Menschen auch: es entstehen laufende Kosten und nach einer gewissen Zeit wird das Grab dort wieder aufgelöst. Im Friedwald zahlt man lediglich eine einmalige Gebühr und es ist eine tatsächliche letzte Ruhestätte.“ Für sich selbst wünscht sich der Elsässer eine Bestattung gemeinsam mit seinen Tieren in einem Friedwald, was im Land aber noch nicht möglich ist.

Auf die Frage, wie er mit einem Kunden-Anruf mitten in der Nacht umgeht, antwortet Volz ohne große Umschweife. „Das kam schon mehrfach vor. Ich stehe dann einfach auf und fahre los“, sagt er und lacht.

Ihr Autor

BT-Volontär Lukas Gangl

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Erstellt:
12. März 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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