Die politischen Wirren um König Heinrich IV.

Gernsbach (tzs) – In der Reihe „Kulturseptember in den Zehntscheuern“ stellte die Historikerin und promovierte Philologin Cornelia Renger-Zorn ihren historischen Roman „Der Ring des Kaisers“ vor.

Im Verlag Regionalkultur ist der Roman „Der Ring des Kaisers“ von der Historikerin und promovierten Philologin Cornelia Renger-Zorn aus Gernsbach erschienen. Foto: privat

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Im Verlag Regionalkultur ist der Roman „Der Ring des Kaisers“ von der Historikerin und promovierten Philologin Cornelia Renger-Zorn aus Gernsbach erschienen. Foto: privat

Das mittelalterliche Gemäuer der Zehntscheuern gab für die im 11. Jahrhundert spielende Geschichte die perfekte Kulisse ab. Dr. Ulrich Schumann vom Gernsbacher Arbeitskreis Stadtgeschichte begrüßte das interessierte Publikum, für das die zur Verfügung stehenden Sitzplätze, kaum mehr als zwei Dutzend, gerade ausreichten.

Den realen Hintergrund für den Roman bilden die politischen Wirren um König Heinrich IV., den späteren Kaiser des römisch-deutschen Reichs. Dessen sprichwörtlicher Gang nach Canossa symbolisiert seine Dauerfehde mit dem Heiligen Stuhl. Doch nicht nur die katholische Kirche spielt eine politische Rolle. Erinnert wird auch daran, dass die Juden bereits im Mittelalter schlimmste Verfolgung erdulden mussten. Das Pogrom im Jahr 1096 ist in Renger-Zorns Roman von tragender Bedeutung.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte des Murgtals

Zu Beginn der Veranstaltung betont die Autorin, dass sie nicht die Absicht hatte, den zahlreichen Sachbüchern über Heinrich IV. ein weiteres an die Seite zu stellen. Ihr sei es wichtig gewesen, die inneren Vorgänge der – teilweise fiktiven – Personen zu beschreiben, außerdem habe ihr Buch zugleich ein Heimatroman werden sollen. So liegt ein Schwerpunkt des Romans auf der Geschichte des Murgtals, wo die Herren von Michelbach damals den Weiler Gernsbach gründeten.

Mit der eigentlichen Lesung steigt Renger-Zorn in einer Szene ein, die den damals 18 Jahre alten König erzürnt über die Halsstarrigkeit der Fürsten zeigt. Diese nämlich haben ihm die nötige Zustimmung zur Scheidung von seiner 17-jährigen Ehefrau verweigert. Dass ihm zudem die jüdische Ärztin Mirjam eine Urinprobe abverlangt, macht die königliche Laune nicht besser. Schöne Pointe: Die Ärztin muss dem Regenten ihren wundersamen medizinischen Befund beibringen, wonach er im achten Monat schwanger ist. Mit Mirjam übrigens wird sich Majestät auch im weiteren Verlauf noch befassen. All dies wird im Buch mit bilderreicher Sprache geschildert – und auf dem Gernsbacher Podium farbig und anschaulich gestikulierend deklamiert. So bietet dieser Abend nicht nur detaillierte und teils konzentrierte Geschichtsvermittlung, sondern auch lehrreiche Unterhaltung.

Auseinandersetzungen mit der Kirche

„Der Ring des Kaisers“ vermittelt einen Eindruck von den diversen Kräften, mit denen ein Herrscher „von Gottes Gnaden“ sich arrangieren musste. Zum einen verlangte die „consensuale“ Herrschaftsform bei wichtigen Entscheidungen die Einbeziehung der Regionalfürsten. Zum anderen wurden die Auseinandersetzungen mit der Kirche immer wieder dadurch befeuert, dass zwar der König vom Papst eingesetzt wurde, er seinerseits aber die Bischöfe berief – ein weites Feld für romantaugliche Intrigen.

Auf die Frage nach der Entstehung ihres Romans berichtet Cornelia Renger-Zorn, sie habe sich die in Worms angesiedelte Anfangsszene bildlich vorgestellt und dann Lust bekommen, nicht nur die historischen Vorgänge nachzuerzählen, sondern die Charaktere der Beteiligten darzustellen. Beim Aufbau des Plots habe sie sich von den handelnden Figuren leiten lassen. „Auf Seite 290 wusste ich immer noch nicht, wie das ausgeht“, bekennt sie gegenüber dem sichtlich amüsierten Publikum.

Cornelia Renger-Zorn (2021): „Der Ring des Kaisers“; Verlag Regionalkultur, Ubstadt. Broschur, 392 Seiten, ISBN 978-3-95505-285-0.


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