Digitaler Auftritt mit Talk als Ersatz für Art Karlsruhe

Karlsruhe (cl) – Als Ersatz für den verschobenen Messestart läuft die „Art Karlsruhe selections“ bis 23. Mai. Der Online-Auftritt mit Talk wird ergänzt durch Ausstellungen in Karlsruher Galerien.

Pixelmosaik statt Messerundgang: Die „Art Karlsruhe selections“ bietet Anreißer zu allen 190 angemeldeten Galerien und jede Menge Kunst zum Anklicken.  Foto-Montage: Art Karlsruhe

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Pixelmosaik statt Messerundgang: Die „Art Karlsruhe selections“ bietet Anreißer zu allen 190 angemeldeten Galerien und jede Menge Kunst zum Anklicken. Foto-Montage: Art Karlsruhe

Die mehrmals verschobene 18. Ausgabe der Art Karlsruhe hätte eigentlich vor und rund um Pfingsten stattfinden sollen – doch die Pandemie hat auch diesen Ersatztermin vereitelt. Die Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH ist deshalb, wie viele Kunst- und Kulturanbieter, aufs Netz ausgewichen – am gestrigen Donnerstag ist das viertägige Angebot „Art Karlsruhe selections“ gestartet. „Wir wollen alles tun, um den Art-Karlsruhe-Besuchern einen großartigen Eindruck zu bieten und die Freude hochzuhalten bis zur nächsten Art im Februar 2022“, erklärt Kurator Ewald Karl Schrade vorweg. Die Selektion will ein Konzentrat des eigentlichen Messegeschehens sein mit vielen kleinen Anreißern zum Anklicken, mit Talks am Nachmittag, einer „Kunsttour im Duett“ und einem Experten-Podcast.

Trotz aller Anstrengung machte der Hamburger Kunsthändler Thole Rotermund beim Artima Art Talk gestern im Netz gleich klar: „Die Aura eines Kunstwerks wirkt einfach nicht digital – Kunst muss man erleben, die Materialität, die Haptik, das kann der Bildschirm nicht leisten.“ Seit zwölf Jahren stellt Rotermund regelmäßig bei der Kunstmesse im Badischen Werke der Klassischen Moderne aus – mit Feininger-Grafiken und den Brücke-Künstlern ist er groß geworden, digital zeigt er jetzt auch eine Gouache von Markus Lüpertz. Die Werke der Expressionisten vor allem wirkten heute immer noch sehr modern. „Sie stehen für eine Kunst des Aufbruchs, keine Künstler waren bis dahin so radikal“, sagt Galerist Rotermund beim digitalen Talk gestern Nachmittag zum Auftakt des Online-Ersatzprogramms der Art Karlsruhe im Gespräch mit Lisa Zeitz, der Chefredakteurin von Zeit-Weltkunst.

Die Auswirkungen der diversen Lockdowns seit gut einem Jahr hätten dem Kunsthandel sehr zugesetzt, erklärt Rotermund: „Wenngleich wir alles versucht haben, die digitalen Strategien auszubauen und in direktem Kontakt mit unseren Sammlern zu bleiben – ich habe nicht alle Schotten dichtgemacht.“ Aber die jüngeren Kollegen und die Galerien für zeitgenössische Kunst hätten bis zu 60 Prozent Einbußen gehabt, so Rotermund, der auch im Vorstand des Bundesverbands der Galerien ist. Deswegen sei Kooperation so wichtig, dazu gehöre auch, sich im Aufbau digitaler Strukturen zu unterstützen.

„Gerade die Kunstmessen, die allesamt ausgefallen sind, sind wichtige Einnahmequellen und gute Möglichkeiten, neue Sammler kennenzulernen und die Kommunikation zu den künftigen Sammlern herzustellen“, erklärt der Kunsthändler aus Hamburg: „Es gibt kaum eine Messe, die so jung besucht ist, wie die Art Karlsruhe.“ Die digitale „Art selections“ sei zwar kein richtiger Ersatz, aber eine Möglichkeit, sich zu präsentieren. Er freue sich schon auf die nächste echte Art im Februar 2022 – und auf die bald startende Kunstmesse im Juli in München.

„Es gibt kaum eine Messe, die so jung besucht ist“

Keine Kleinigkeit ist der Auftritt der digitalen „Art selections“: Derzeit zeigen immerhin alle 190 Galerien, die sich zur diesjährigen Messe angemeldet hatten, eine Auswahl ihrer Künstler – alles leicht und übersichtlich anzuklicken, dahinter befinden sich viele Bilder von Künstlern der Klassischen Moderne, der Gegenwartskunst und der aktuellen, die ganze Bandbreite der Art.

Zusätzlicher Anreiz sind die Ausstellungen der beteiligten Galerien vor Ort, die jetzt, in vielen Städten, wieder zugänglich sind. Unter ihnen auch die Karlsruher Galeristin Rita Burster, die mit ihrem Kollegen Alfred Knecht derzeit die großflächigen Bildobjekte mit den urbanen Räumen von Franziska Schemel vor Ort zeigt. In ihrer Berliner Galerie präsentiert Burster die junge Neo-Rauch-Schülerin Maria Schumacher. Der Anstoß, der vom digitalen Art-Auftritt ausgehe, sei sehr positiv, sagt Rita Burster – „uns fehlt die Messe sehr“. Zwar hätte es einige Unterstützung für die Galerien durch den Bund gegeben, aber für 2021/22 rechnet sie mit weiteren hohen Einbußen bei den Kunsthändlern und vor allem bei den jungen Künstlern. Viele wären schon in andere Jobs ausgewichen, um überhaupt überleben zu können.

Bis Pfingstsonntag, 23. Mai, laufen die Kunstmeetings der Art Karlsruhe jeweils um 14 Uhr mit Videotalks und wechselnden Gästen – beleuchten wichtige Dimensionen des Kunstmarkts: Handeln, Sammeln, Vermitteln und künstlerische Kreativität. Heute ist die Künstlerin Karin Sander im Gespräch, am morgigen Samstag folgt das Sammlerehepaar Maria Lucia und Ingo Klöcker aus Bad Homburg, an Pfingstsonntag der Mannheimer Kunsthallen-Direktor Johann Holten.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
21. Mai 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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