Digitaler Nikolausmarkt der Lebenshilfe kommt an

Ottersweier (mf) – Gelungene Premiere: Die Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern hat erstmals einen digitalen Nikolausmarkt angeboten. Geboten waren drei Stunden Abwechslung.

Auch ein Fahrrad kann weihnachtlich: Dieter Gräf fährt mit seinem geschmückten, stadtbekannten Bike ein.  Martina Fuß

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Auch ein Fahrrad kann weihnachtlich: Dieter Gräf fährt mit seinem geschmückten, stadtbekannten Bike ein. Martina Fuß

Mit einem dreistündigen Programm gelang der Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern zusammen mit der Gemeinde Ottersweier und vielen Akteuren und Unterstützern ein attraktiver digitaler Nikolausmarkt. Während im Gemeindezentrum ein Sendestudio aufgebaut war, verfolgten über 320 Gäste das Geschehen auf dem Youtube-Kanal der Lebenshilfe.
In den vergangenen 16 Jahren war der zweitägige Ottersweierer Nikolausmarkt auf dem Gelände der Lebenshilfe-Mooslandschule ein beliebter Treffpunkt für die ganze Region, ein Leuchtturmprojekt der gelebten Inklusion. Nun sollte diese erfolgreiche Kooperation zwischen Gemeinde, Lebenshilfe und Vereinen im 17. Jahr pandemiebedingt komplett ausfallen? „Nicht mit uns“, dachten die Organisatoren der Lebenshilfe, die für jede Möglichkeit dankbar sind, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Also entstand die Idee für den digitalen Nikolausmarkt.

Mit einem abwechslungsreichen Live-Programm präsentierten sich die gleichen Protagonisten wie auf den analogen Märkten in den Vorjahren – nur eben digital. Selbst das Bühnenbild mit den grünen Holztannenbäumen war dasselbe wie in der Mooslandschule. Und auch der Mann am Mikro, Frank Stemmle, moderierte vor der Kamera gewohnt souverän und begleitete durch den adventlichen Abend mit Geschichten, einem Gewinnspiel und mit viel Musik.

Jürgen Pfetzer und der Geschäftsführer der Lebenshilfe, Markus Tolksdorf, eröffneten traditionell den Markt. „Was für eine tolle Idee. Die Lebenshilfe sieht das Glas immer halb voll und nicht halb leer“, bekannte Pfetzer seine ersten Gedanken, als er sich mit dem Plan für einen digitalen Markt konfrontiert sah. Um Glühweingeruch und ein heimeliges Gefühl herzustellen, hatte die Gemeinde die Idee, ein Paket mit Glühwein und Gebasteltem zu schnüren. 200 Bestellungen waren schnell zusammen, die Fußballerinnen aus Unzhurst und der Kleintierzuchtverein, die in den Jahren zuvor den Glühweinstand betreuten, stellten die Pakete zu. „Wir hatten in der Bevölkerung ein tolles Feedback“, freut sich Pfetzer über den Zuspruch.

Spendenaufruf von Erfolg gekrönt

Tolksdorf erklärte, wie wichtig es für die Lebenshilfe ist, in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Seit Fasnacht habe es keine größere Veranstaltung mehr für und mit den gehandicapten Menschen gegeben. „Das sichtbare, sympathische Bild der Lebenshilfe ist in der Öffentlichkeit verschwunden. Das ist eine Folge der Pandemie, die uns schwer belastet, die wir aber annehmen müssen. Dazu kommt die ständige Sorge, dass in den einzelnen Einrichtungen nichts passiert.“ Durch die weggebrochenen Teilhabemöglichkeiten sinke auch die Bereitschaft zu spenden, so Tolksdorf.

Nicht jedoch im Rahmen des digitalen Nikolausmarktes. Der Spendenaufruf im sozialen Netzwerk erbrachte einen Betrag von über 1.000 Euro, der ergänzt wurde durch eine großzügige Einzelspende der Familie Reinbold.

Michael Reinbold hatte in den vorigen Jahren regelmäßig ein Golfturnier des GC Baden Hills zugunsten der Lebenshilfe organisiert, das einen hohen Spendenbetrag ergab. „Nachdem das Turnier aufgrund der Pandemie ins Wasser gefallen ist, spenden wir der Lebenshilfe heute 50.000 Masken und 5.000 Euro“, so Reinbold, der aus Ottersweier stammt und mit der Familie in Eisental lebt.

Das musikalische Programm war vielfältig wie eh und je. Niklas Bohnert präsentierte mit Gitarre und Harp zwei Songs seines neuen Albums „Frei sein“. Durch einen 24-Stunden-Livestream, den er im ersten Lockdown für die Lebenshilfe organisiert hatte, war die Einrichtung auf das Juke-Techniker-Team vom Jugendkeller in Kehl aufmerksam geworden. Dank ihnen verlief die Veranstaltung so reibungslos – mit all den technischen Raffinessen.

Nicht nur die Liveacts im Gemeindezentrum wurden übertragen, sondern auch Sequenzen, die im Vorfeld aufgenommen wurden. So waren die singenden Dorfbachspatzen mit dabei, die Bewohner des Wohnheims in Sandweier, die Kooperationsklasse der Werkrealschule Hügelsheim, Mooslandschulkinder und der Kindergarten St. Michael Ottersweier, der ein zauberhaftes Schattenspiel zeigte.

Unterstützer sprechen Grußworte

Mit Grußworten zugeschaltet waren langjährige Unterstützer der Lebenshilfe und des Nikolausmarktes: Die Affentaler WG, Bruno Ketterer von Peter’s gute Backstub und Familie Böckeler aus Bühl.

Lebenshilfe-Pate Marc Marshall sang alleine und auch zusammen mit seiner Schwester Stella Hilger ernste und auch lustige Lieder. Stella Hilger nutzte die Möglichkeit, um für Frieden, Harmonie und Respekt gerade im Umgang mit gehandicapten Menschen zu werben. Es war sehr berührend, als sie das Lied „Friede fängt im Herzen an“ sang. Marc Marshall, der seine Schwester mit Stolz als „Kraftquelle der Familie“ vorstellte, hatte René Krömer mitgebracht. Der Pianist begleitete meisterhaft beide Sänger sowie die Präsentation eingeschickter Zuschauerfotos.

Corinna Staar, mit ihrer zauberhaften und kräftigen Stimme seit Jahren ein Höhepunkt, bereicherte das Programm mit beeindruckenden Balladen und einer schönen Geschichte. Auf der Bühne waren auch Manuel Kraus und Sabine Senger mit Gedichten dabei. Einen tollen Auftritt legte Dieter Gräf hin. Mit seinem weihnachtlich geschmückten, stadtbekannten Fahrrad fuhr er ein und spielte ein Weihnachtslied auf der Mundharmonika. „A Merry Little Christmas“ lautete der gesungene Abschlussgruß aller Protagonisten einer gelungenen Premiere.

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Erstellt:
7. Dezember 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

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