„Digitaler Vorreiter in der Gegend“

Ottersweier (jo) – Ottersweier will den Breitband-Ausbau Ende 2021 beenden. Dann sollen Glasfaserkabel in den Straßen von Ottersweier und Unzhurst liegen, inklusive Breithurst und Walzfeld.

Mit einer Reihe von Graffiti-Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum schafft die Gemeinde Aufmerksamkeit für schnelles Internet. Dieses findet sich vor dem Bauhof. Foto: Joachim Eiermann

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Mit einer Reihe von Graffiti-Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum schafft die Gemeinde Aufmerksamkeit für schnelles Internet. Dieses findet sich vor dem Bauhof. Foto: Joachim Eiermann

„Wir können Ende 2021 einen Haken dran machen“, frohlockte Bürgermeister Jürgen Pfetzer. In 15 Monaten soll der örtliche Breitbandausbau abgeschlossen sein, das Glasfaserkabel in allen Straßen von Ottersweier und Unzhurst liegen, inklusive Breithurst und Walzfeld. Alexander Kern, als Leiter des Rechnungsamts federführend mit dem Projekt Highspeed-Internet betraut, erinnerte, dass die Rohrverlegungen für das kommunale Versorgungsnetz vor gerade mal drei Jahren gestartet waren.

Während in vielen Landkreis-Kommunen der Ausbau der Datenautobahn erst begonnen hat oder noch bevorsteht, hat Ottersweier die Zielgerade bereits fest im Blick. Der Hauptort verfüge zwischenzeitlich über ein nahezu flächendeckendes Breitbandnetz, machte Kern deutlich. Dazu seien auf momentan 73 Kilometer Länge Leerrohre verlegt und 17 Kilometer Leitungen für Hausanschlüsse gezogen worden.

„Bisher wurden insgesamt 260 Kilometer Glasfaserkabel in die Leerrohre eingeblasen“, so Kern. In Unzhurst sind mit der Aufstellung des Hauptverteilergebäudes in Rathausnähe die Voraussetzungen geschaffen, um nunmehr den Innenausbau vorantreiben zu können.

Kern führte weiter aus, dass mittlerweile 1.280 Verträge für einen Hausanschluss unterzeichnet wurden, 804 Anschlüsse seien fertiggestellt. Raphael Peschkes, Vertriebsleiter des Netzbetreibers Ropa GmbH/NGN GmbH, berichtete von aktuell 447 abgeschlossenen Internet-Verträgen. Mit einer „Gigabit-Aktion für alle“ sei man insbesondere Nutzern entgegengekommen, die aufgrund der Covid-19-Epidemie ins Homeoffice wechselten und hohe Datenraten benötigten.

Ob Gewerbebetrieb oder Privathaushalt: „Ende 2021 hat jeder Bürger die Möglichkeit, sich ans schnelle Internet anzuschließen“, hielt Linus Maier (CDU) fest und unterstrich: „Ottersweier ist digitaler Vorreiter in der Gegend“. Dieter Kohler (FWG) betonte die Wichtigkeit einer sichereren Versorgung ohne Ausfälle, welche der Netzbetreiber durch die Herstellung eines Ringschlusses mit Lauf und Sasbach gewährleisten will. Damit, versicherte Andreas Keil, technischer Leiter, „sorgen wir für eine 100-prozentige Redundanz“.

Nico Paulus (Grüne) nannte den Breitbandausbau eine „zukunftsweisende Entscheidung“. Angesichts dessen sei es zweitrangig, ob sich die Gesamtinvestition (voraussichtlich 5,4 Millionen Euro) in 30 oder erst 40 Jahren für die Gemeindekasse rechne. Herta Finkbeiner-Schilling (SPD) stimmte optimistisch, dass die von Kern vorgestellte Jahresrechnung für 2019 bereits einen geringeren finanziellen Verlust ausweise als angenommen. Mit einem Minus von 103.000 Euro hatte er kalkuliert, tatsächlich belief es sich auf 60.104 Euro.

Auch die Verlustraten der kommenden Jahre dürften geringer ausfallen als angenommen, so Kern. Die staatlichen Fördertöpfe habe Ottersweier für seinen Teil ausgeschöpft. „Weitere Zuschussanträge können wir nicht stellen“, machte er klar.

Bei einem Fördervolumen von insgesamt 3,3 Millionen Euro habe Ottersweier bislang 1,4 Millionen Euro vom Land Baden-Württemberg für den Ausbau der Netzinfrastruktur erhalten. Weitere Abrechnungen stehen noch aus.

„Es ist eine Erfolgsstory“, befand der Bürgermeister. Aus Gesprächen mit ansiedlungswilligen Unternehmern wisse er, dass eine schnelle Internetanbindung heutzutage ein noch bedeutenderer Standortfaktor sei als die Höhe des Gewerbesteuer-Hebesatzes. Aber auch die Gebäudebesitzer profitieren Pfetzer zufolge vom Ausbau: „Ein Glasfaseranschluss ist eine wertsteigernde Maßnahme für jedes Privathaus.“

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Erstellt:
8. Oktober 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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