Digitales Bonbon aus der Helau-Wundertüte

Rastatt (sawe) – Der Fastnachter Jochen Fuchs ist auch in Corona-Zeiten gefordert. Am Samstag gab es eine große Couch- und Wohnzimmersitzung der GroKaGe.

Jochen Fuchs freut sich trotz Corona auf die Fastnachts-Zeit. Foto: Sabine Wenzke

© sawe

Jochen Fuchs freut sich trotz Corona auf die Fastnachts-Zeit. Foto: Sabine Wenzke

Noch vor drei Jahrzehnten hatte Jochen Fuchs mit Fastnacht nichts am Hut. Zum nachhaltigen Verhängnis wurde ihm damals jedoch die Freundschaft zu Mitgliedern der GroKaGe-Schlosswache, die ihn an einem Abend einfach „verhafteten“ und somit in ihre Reihen aufnahmen. Kurz darauf schleppten ihn die Mannen auch noch mit zur Auszeichnung von verdienten Fastnachtern nach Speyer. Seither ist der 55-Jährige (unheilbar) mit dem Narren-Virus infiziert und gehört inzwischen zu den Aktivposten der Großen Karnevals-Gesellschaft Rastatt auf der Bühne und hinter den Kulissen.

Umzugskomiteechef seit 2013

Mit den Jahren kam immer mehr Engagement dazu: Bis heute ist er im Rastatter Elferrat, tanzt im Männerballett, steigt alle Jahre wieder als spitzzüngiger Till in die Bütt, schreibt zuweilen auch Reden für andere, war schon mal Fastnachtsprinz und leistet als GroKaGe-Umzugskomiteechef seit 2013 auch organisatorische Arbeit. Bei ihm laufen alle Fäden für den närrischen Lindwurm zusammen, der in diesem Jahr aber abgesagt wurde.

Die Fastnacht beschäftigt Fuchs, der 2016 den Goldenen Löwen der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine erhielt, in normalen Zeiten mehr oder weniger das ganze Jahr über in seiner Freizeit. Wenn am Aschermittwoch für die Narren erst einmal Zapfenstreich ist, schreibt er schon wieder die Gruppen für den Umzug im nächsten Jahr an, berichtet Fuchs von seiner Tätigkeit, die viele Facetten hat, und die er mit sichtlicher Freude ausübt.

In dieser „Kampagne“ ist alles anders

Und diese soll auch nicht auf der Strecke bleiben trotz Corona-Pandemie: So haben die närrischen Strategen der GroKaGe nach kreativen Ideen gesucht, um den Menschen in diesen schwierigen Zeiten ein bisschen Freude zu bereiten und für Heiterkeit zu sorgen – wenn dies auch nur in digitaler Form möglich ist. Über Langeweile kann der Speditionskaufmann daher nicht klagen, hinter den Kulissen ist seit Monaten immer wieder rege Aktivität angesagt. Die Drähte laufen trotz ausgefallener Kampagne heiß, weil man sich nicht persönlich treffen kann und trotzdem viel besprechen muss. Denn in dieser „Kampagne“ ist alles anders.

Hatten das Prinzenpaar Angelo I. und Gabriele I. bereits am 11.11.2020 ihre Regentschaft via Videoclip um ein Jahr verlängert und GroKaGe-Mitglieder tanzend Weihnachtsgrüße im Netz übermittelt, so hat die Gesellschaft mit Präsident Roland Stadtfeld an der Spitze am Samstag, 6. Februar, ein weiteres aufmunterndes digitales Bonbon aus der Helau-Wundertüte gezaubert: An diesem Tag hätte die erste Prunksitzung stattgefunden, stattdessen ist nun ab 19.31 Uhr die „Große Couch- und Wohnzimmer-Sitzung der GroKaGe“ auf der Homepage des 1898 gegründeten Traditionsvereins gestiegen (www.grokage.de).

Neues Gesamtwerk

„Jede Gruppierung hat eine Aufgabe bekommen und macht etwas anderes“, erzählt Fuchs. Wobei wegen Corona die Sequenzen der Personen jeweils einzeln, maximal zu zweit, gedreht werden mussten, die Schriftführerin Adriane Apostel dann in Fleißarbeit zu einem neuen Gesamtwerk zusammengefügt hat.

Ein Beispiel: „Ein Elferrat bekommt von rechts eine Elferratskappe zugeworfen, setzt sie auf, muss einen Buchstaben bilden, der ihm vorher zugewiesen wurde und wirft die Kappe dann links weg“, erläutert Fuchs. Es sind 15 Elferräte und somit 15 Buchstaben, die am Ende die Worte Helau und Narri-Narro ergeben sollen. Fuchs hat sich an einem verschneiten Sonntagmorgen mit Schlitten und „zur Bespaßung der Jugend“ in vollem Narren-Outfit filmen lassen, wie er lachend erzählt.

Das Männerballett hat einen Piratentanz aufgeführt, wobei Jochen Fuchs und Holger Metzmeier, der ebenfalls viele Jahre Vorsitzender des Umzugskomitees war, sich für die Kampfszene entschieden haben. Was die anderen machen, wusste Fuchs zuvor noch nicht: Angesehen hat er die Couchfastnacht auf jeden Fall kostümiert in seinem dann auch bunt geschmückten Wohnzimmer.

Weitere virtuelle Überraschung geplant

Und noch eine weitere virtuelle Überraschung ist für den Schmutzigen Donnerstag oder sogar davor angestoßen und soll auf der Homepage der Stadt erscheinen. Mehr will der 55-Jährige nicht verraten, weil es sich um eine Gemeinschaftsaktion der gesamten Rastatter Narrenschar handelt: GroKaGe, RaKaGe, KNG und IG Rastatter Narren (Narrengruppen mit alemannischem Hintergrund).

Die Rastatter Narrenschar hat auch entlang dem Umzugsweg in den Schaufenstern des Einzelhandels einen „stehenden Umzug“ installiert (das BT berichtete). Die Idee war bei einer Video-Konferenz der Narren mit der Stadtverwaltung geboren worden – und sollte, wenn es nach Jochen Fuchs geht, künftig beibehalten und noch erweitert werden. „Das ist auf jeden Fall eine Bereicherung“, meint er.

Außerdem appelliert er an alle Träger der Umzugsfahne, ihre Fahnen wie bisher am Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch hinauszuhängen und damit Flagge zu zeigen auch im Corona-Jahr – frei nach dem Motto: „Der Narr verstummt nicht, ist nur etwas leise. Macht Fastnacht mit Abstand auf andere Weise.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Wenzke

Zum Artikel

Erstellt:
7. Februar 2021, 11:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.