Diskussion um Windrad auf Hornisgrinde geht weiter

Sasbachwalden (for) – In der Debatte um eine zweite Windkraftanlage auf der Hornisgrinde gibt es noch kein Ergebnis. Windkraft-Betreiber Matthias Griebl hält aber weiterhin an seinem Projekt fest.

Die bestehende Windenergieanlage auf der Hornisgrinde misst bis zur Rotorspitze 120 Meter. Foto: Armin Broß/Archiv

© ab

Die bestehende Windenergieanlage auf der Hornisgrinde misst bis zur Rotorspitze 120 Meter. Foto: Armin Broß/Archiv

Eine zweite Windkraftanlage auf der Hornisgrinde könnte im Kampf gegen den Klimawandel einen wichtigen Beitrag leisten. Laut Matthias Griebl, Betreiber des bestehenden Hornisgrinde-Windrads, gibt es in ganz Baden-Württemberg keinen windhöffigeren Standort als auf dem höchsten Gipfel des Nordschwarzwalds. Windhöffigkeit beschreibt, etwas vereinfacht gesagt, die Windausbeute an einer bestimmten Position. Allerdings macht der Auerhuhn-Schutz Griebls Plänen einen Strich durch die Rechnung (wir berichteten). Mit einem Konzept will er jetzt Möglichkeiten vorstellen, wie sich eine weitere Anlage doch noch mit dem Artenschutz vereinen ließe.

Fachgespräch ohne abschließendes Ergebnis

Genau diese Vereinbarkeit sieht der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller als Problem an, wie er in einer Antwort auf einen Brief der CDU-Landtagsabgeordneten Tobias Wald und Willi Stächele schreibt. Bei einem Fachgespräch mit dem Regierungspräsidium Freiburg, der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg, dem Landratsamt Ortenaukreis sowie den Elektrizitätswerken Mittelbaden und dem Fachgutachter wurden die Realisierungschancen einer zweiten Windkraftanlage Anfang September diskutiert. Es konnte allerdings kein abschließendes Ergebnis erzielt werden, so Untersteller. Die Beteiligten hätten sich jedoch darauf geeinigt, weitere Unterlagen vorzulegen, um die möglichen Störwirkungen auf die zentralen Auerhuhnlebensräume fachlich und rechtlich besser bewerten zu können. „Auf dieser Grundlage sollen unter Berücksichtigung weiterer naturschutzrechtlicher Konfliktfelder, wie etwa Vogelzug, abschließende Einschätzungen zu den Realisierungschancen getroffen werden“, teilen die CDU-Landtagsabgeordneten in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Infrastruktur für zweite Anlage bereits vorhanden

Wald und Stächele hatten sich für eine zweite Windkraftanlage am gleichen Standort ausgesprochen. „Für die bestehende Windkraftanlage ist bereits die notwendige Infrastruktur und Zuwegung vorhanden. Für eine zweite Anlage müsste kein einziger Baum gefällt werden“, argumentierte Stächele. Entscheidend sei auch, dass die Hornisgrinde – im Gegensatz zu vielen anderen Standorten – mehrere Kilometer von den nächsten Wohngebieten entfernt liege, so Wald.

Griebl will Ausgleichsmaßnahmen vorstellen

Weniger begeistert von dem Projekt ist die FVA, denn der anvisierte Standort befindet sich in einem Natura-2000-Schutzgebiet, wo der Erhalt des dort angesiedelten Auerhuhns eine große Rolle spiele. Laut Dr. Rudi Suchant von der FVA habe die streng geschützte Vogelart nur noch „ein sehr beschränktes Lebensraumpotenzial“. Windkraftanlagen seien für Auerhühner störend und entfalten eine „Scheuchwirkung“ auf die Tiere.

Griebl, der sich nach wie vor für die Errichtung eines zweiten Windrads einsetzt, kann diese Bedenken nachvollziehen, allerdings ist er der Meinung: „Die Verhinderung eines zweiten Windrads auf der Hornisgrinde würde weder dem Klimaschutz helfen, noch dem Auerhuhn.“ In diesem Zusammenhang möchte Griebl der FVA kommende Woche ein Konzept vorlegen, in dem er verschiedene Artenschutzmaßnahmen aufzeigt, die die Realisierungschancen einer zweiten Anlage erhöhen könnten.

Auerhahn-Aufzuchtstation in Planung

„Auf der Hornisgrinde werden laufend Untersuchungen durchgeführt“, betont Griebl. „Studien beweisen, dass sich die Bestände des Auerhuhns nicht verschlechtert haben, seit die erste große Windkraftanlage 2015 errichtet worden ist.“ Stattdessen hätten sich die zahlreichen „Ausgleichsmaßnahmen“, die seitdem zum Schutz des Vogels umgesetzt wurden, nachweislich positiv auf die Tiere ausgewirkt. „So wurden schon damals 30 Hektar Wald als Lebensgebiet für die Vogelart gesichert“, blickt Griebl zurück. Mit dem Errichten einer zweiten Anlage wolle er diese Fläche noch erweitern. „Außerdem wollen wir eine Auerhahn-Aufzuchtstation ins Leben rufen und mitfinanzieren“, kündigt der Windkraft-Betreiber an. Eine solche Aufzuchtstation wäre die erste in ganz Baden-Württemberg.

Wanderer als weiterer Störfaktor

Natürlich könne man eine Störung der Tiere nicht zu 100 Prozent vermeiden, aber das liege nicht nur an den Windrädern, sondern auch an Wanderern, meint Griebl. Deshalb plane er, die Wanderwege besser zu beschildern und Touristen zu sensibilisieren, die ausgeschriebenen Wege zum Schutz des Auerhuhns nicht zu verlassen.

„Im Schwarzwald ist noch nirgends so viel für das Auerhuhn unternommen worden wie auf der Hornisgrinde“, betont Griebl. „Und mit weiteren Ausgleichsmaßnahmen aufgrund eines zweiten Windrads könnte künftig sogar noch mehr getan werden.“ Fakt sei, so Griebl, „wenn wir bei den Themen Klimaschutz und Artenschutz jetzt nicht handeln und Kompromisse finden, wird beides zerstört werden.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.