Doch noch Präsenzunterricht bis 22. Dezember

Stuttgart (bjhw) – Eigentlich sollten die Weihnachtsferien früher beginnen, so haben es Bund und Länder vereinbart. Baden-Württemberg macht nun aber den Rückzieher.

Schule in Corona-Zeiten: Am 21. und 22. Dezember ist Präsenzunterricht nur für die Klassen eins bis sieben vorgesehen – aber ohne Präsenzpflicht. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

© dpa

Schule in Corona-Zeiten: Am 21. und 22. Dezember ist Präsenzunterricht nur für die Klassen eins bis sieben vorgesehen – aber ohne Präsenzpflicht. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Sie sei sich bewusst, schreibt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an alle Schulleitungen im Land, „dass die derzeitige Situation den Kollegien viel abverlangt“.
Aktuell müssen sie die neue und jetzt endgültige Ansage zum Beginn der Weihnachtsferien umzusetzen: Denn die beginnen entgegen dem Wunsch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nun doch nicht für alle Kinder und Jugendlichen schon am 18. Dezember. Stattdessen haben sich Grüne und CDU in einem Kompromiss auf Differenzierungen geeinigt. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) spricht von einem „grün-schwarzen Kompromiss in Wahlkampfzeiten“ und der „schlechtesten aller Lösungen“.

Vor einer Woche war die heikle Frage des Ferienbeginns jedenfalls in Kretschmanns Augen entschieden. Der Ministerpräsident verkündete den vorgezogenen Ferienbeginn, um Familien die Möglichkeit zur „Selbstquarantäne“ und sichereren Weihnachtstagen zu geben.

Förmliche Präsenzpflicht ausgesetz

Eisenmann allerdings machte im Schulausschuss des Landtags klar, dass das letzte Wort doch noch nicht gesprochen ist. Sie argumentierte mit den Betreuungsnotwendigkeiten, wenn – wie in fast allen anderen Ländern – Montag und Dienstag vor dem Heiligen Abend bereits in die Ferien fallen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte zwar darauf aufmerksam gemacht, dass Beschäftigte ein Recht auf Freistellung haben, wenn Kinder nicht anders zu versorgen sind. Die Bezahlung solcher Tage, die nur in den Tarifverträgen einzelner Branchen fix vereinbart ist, blieb jedoch im Unklaren.

Die Grünen beugten sich der Argumentation der Kultusministerin. „Am 21. und 22. Dezember ist Präsenzunterricht an den Schulen nur für die Klassen eins bis sieben vorzusehen“, heißt es in ihrem Brief. Gleichwohl sei „die förmliche Präsenzpflicht an diesen beiden Tagen ausgesetzt, so dass Eltern ihre Kinder bei Bedarf auch zuhause lassen können“. Ab Klassenstufe acht müssen alle Schüler und Schülerinnen „ausschließlich“ in den häuslichen Fernunterricht, um Kontakte zu reduzieren. Zugleich steht es allen Schulen frei, bewegliche Tage zu nutzen, um die Weihnachtsferien doch am 18. Dezember beginnen zu lassen.

Damit weicht Baden-Württemberg von einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern ab, die die Regierungschefs vergangene Woche getroffen hatten.

Kretschmann spricht von „gutem Kompromiss“

Kretschmann spricht dennoch von einem „guten Kompromiss“. Die Frage, wer sich um die Kinder und Jugendlichen kümmere, sei nicht ausreichend beachtet worden. Das gehe eben nicht ohne Eltern. Außerdem sei es nötig, dass Menschen in wichtigen Berufen weiter arbeiten.

Der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand kritisiert dagegen das „ordentliche Durcheinander“, das angerichtet worden sei. Statt Anerkennung gebe es eine weitere Belastung der Kollegien: „Es ist die schwächste aller möglichen Lösungen, die beste Variante wären zwei zusätzliche Ferientage gewesen.“

Zum Artikel

Erstellt:
1. Dezember 2020, 20:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.